Wer auf Europas Strassen unterwegs ist, dem ist der Name Hymer als Markenname auf einem Wohnmobil oder Caravan bestimmt schon aufgefallen. Begonnen hat alles mit dem Karosserie- und Fahrzeugbaumeister Alfons Hymer, der unweit des heutigen Firmensitzes in Bad Waldsee (D) mit einem kleinen Handwerksbetrieb begann. In seiner Werkstatt entstanden auch einige Omnibusaufbauten, in der Hauptsache jedoch Fahrzeuge und Anhänger für die Landwirtschaft.

Sohn Erwin, der heutige Firmenchef, hatte immer das Ziel, selbstständig zu sein. Er stieg aber nicht einfach beim Vater ein, sondern begann mit eigenen Vorstellungen. Dabei beherzigte er immer den klugen Rat des Vaters: «Konzentriere Dich auf das, was Du kannst und was machbar ist.» Der junge Ingenieur Erwin Hymer, damals begeistert vom Flugzeugbau, den er beim Flugzeug-Pionier Professor Claudius Dornier jr. erlebt hatte, war aber auch überzeugt von der grossen Zukunft des Automobils.

Know-how aus der Aviatik

Der wesentliche Impuls zum heutigen Gesamtunternehmen (CMC- und Hymer-Gruppe), das aus kleinsten Anfängen heraus gross geworden ist, ist in der Person seines Gründers und Verwaltungsratspräsidenten Erwin Hymer (77) zu sehen. Er wird in diesen Tagen sein Amt an den früheren VDA-Präsidenten und Mercedes-Benz-Vorstand Bernd Gottschalk übergeben. Hymer hat vor 50 Jahren mit dem Bau von Freizeitfahrzeugen begonnen, beschäftigt nunmehr 4500 Mitarbeitende und erwirtschaftete im vergangenen Geschäftsjahr rund 1,3 Mrd Euro Umsatz, produzierte 25000 Reisemobile und 20000 Wohnwagen. Den Anstoss zum Bau von Wohnwagen gab Erich Bachem, ein einst namhafter Flugzeugbauingenieur. Für ihn baute Erwin Hymer 1957 einen Wohnwagen für private Zwecke. Nach dem Prototyp begann Hymer mit der Serienproduktion und schon bald nahm der Eriba (Akronym aus Erich Bachem) im Wohnwagenmarkt eine führende Position ein. Die ersten Modelle hiessen Troll, Puck oder Faun. Sie zeichnete alle gemeinsam eines aus: Konstruktionsprinzipien und Erfahrungen aus dem Flugzeugbau. Die Wohnwagen basierten schon damals auf einer leichten Gerippebauweise aus Stahl, hatten eine Beplankung aus Aluminiumblech und waren mit Isoliermaterial versehen. Auch die aerodynamische Form der Eriba-Wohnwagen war ein wichtiges Merkmal, denn die damaligen Autos verfügten ja noch nicht über die Anhängelasten von heute.Nach einer schweren Erkrankung entschloss sich Erwin Hymer zu einem Börsengang. Dieser sicherte den Fortbestand des Unternehmens. Heute besitzt die Gründerfamilie 77% des Aktienkapitals, der Rest befindet sich im Streubesitz. Der Bau von Reisemobilen stand anfangs unter einem unglücklichen Stern. Erwin Hymer hatte zwar mit dem ersten Reisemobil Caravano, auf einem Borgward-Fahrgestell mit 3,5 t Gesamtgewicht, eine interessante Entwicklung vorgestellt, aber der Borgward-Konkurs machte ihm einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. 1971 konnte er das Hymermobil 550 vorstellen, und damit begann der Aufstieg zum heutigen Marktführer. Dieses Reisemobil war auf dem Fahrgestell des Mercedes-Benz Transporters aufgebaut. «Wir haben damals einen Wohnwagenaufbau auf den Rahmen hinter dem Fahrerhaus aufgesetzt. Im nächsten Schritt habe ich dann die erste Fertigungsstrasse für Reisemobile in einem deutschen Herstellerbetrieb installiert. Damit verbunden war auch der längst überfällige Schritt zum voll integrierten Reisemobil, bei dem das Fahrerhaus komplett in den Wohnraum miteinbezogen ist», erzählt Erwin Hymer. Das oberschwäbische Unternehmen war damals in einem Markt, der eigentlich noch ein Schattendasein führte, bereits Technologieführer und hatte immer einen wesentlichen Vorsprung vor seinen Wettbewerbern. Heute noch werden bei Hymer alle Entwicklungen und die Einrichtungsstandards in der Praxis selbst erprobt.

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Praxiserprobte Konstruktion

Diese Marktnähe ist ein wichtiges Merkmal des Caravan- und Reisemobilkonzerns. Das Unternehmen beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und richtet seine Produktpolitik danach aus. Im Jahr 2007 hat sich der Markt aus der Sicht der deutschen Hersteller unterschiedlich entwickelt. Während die Branche europaweit positive Zahlen erzielen konnte, war das im deutschen Markt nicht so. Von September 2006 bis August 2007 konnten der European Caravan Federation (ECF) zufolge insgesamt 207500 Caravans und Reisemobile (plus 2% gegenüber dem Vorjahr) zugelassen werden. Die meisten Wohnwagen wurden in Grossbritannien verkauft, vor Deutschland, das mit nur noch 20487 Einheiten einen Rückgang von etwa 3% hinnehmen musste. Bei den Reisemobilen spielt Frankreich, trotz einer kleinen Delle von 1,3% die führende Rolle mit 22720 zugelassenen Einheiten. Auf Platz zwei folgt Deutschland mit ebenfalls einem leichten Rückgang von 2,2% und 20223 Einheiten. Hymer hat sich in jüngster Zeit in den einzelnen Ländern des europäischen Marktes durchaus zufrieden stellend behauptet. «Dabei», unterstreicht Erwin Hymer nachdrücklich, «bleibt aber bei allen Trends und Marktstrategien für uns das Segment Wohnwagen ein bedeutendes Geschäftsfeld.»