Wie hoch die Emotionen im Steuerstreit gehen, wurde letztes Wochenende einmal mehr offenbar: Eine Mehrheit der Liechtensteiner Stimmbürger traute ihrem langjährigen Regierungschef Otmar Hasler offensichtlich nicht mehr zu, das Fürstentum wirksam gegen die Begehrlichkeiten von aussen zu verteidigen. Er musste seinen Sessel räumen; sein Nachfolger ist nun gehalten, auf einen schärferen Konfrontationskurs mit jenen Staaten zu gehen, welche die «Steueroase» Liechtenstein austrocknen möchten. Die Abwehrhaltung mag im «Ländle» derzeit überwiegen. Von allen geteilt wird sie aber längst nicht. Beispielhaft dafür stehen jene Investoren, die hinter dem im Sommer 2008 gegründeten Versicherungsunternehmen Liechtenstein Life stehen.

Staaten verstehen keinen Spass

Ex-Versicherungskader, aber auch Industrielle sind sie, und ihre Geschäftsidee bezweckt genau das Gegenteil einer Abschottung. «Wir wollen in anderen Staaten onshore steuergünstige Produkte anbieten», sagt CEO Michael Neubert. Also weg von den Stiftungen, den Gefahren undeklarierter Vermögen und hin zu steuerbegünstigten Versicherungspolicen, deren Grundlagen überall in Europa schon vorhanden sind. Denn: «In allen EU-Staaten wird die Regulierung noch zunehmen, und die Behörden verstehen keinen Spass im Umgang mit Steuerschlupflöchern», so Neubert.

Das wissen auch die Vermögensverwalter in der Schweiz, wo sich Liechtenstein Life zurzeit auf «Roadshow» befindet. In den Zuhörerreihen sitzen deshalb Privatbanker und Versicherungsfachleute dicht an dicht, die Produkte geben zu reden, allen voran die so genannten Wrapper (siehe Kasten). Mit ihnen lassen sich ganze Portefeuilles in steuerbegünstigte Policen verwandeln. Ein Vorgang, der in Liechtenstein nur kurze Zeit in Anspruch nimmt, den Kunden über Jahre an den Vermögensverwalter bindet und gegenüber der Aufsicht transparent ist.

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Weil das Fürstentum - im Gegensatz zur Schweiz zudem mit der EU ein Abkommen zum freien Austausch von Dienstleistungen unterhält, können solche Produkte von dort aus in ganz Europa vertrieben werden - und zwar jetzt erst recht. Denn seit dem Januar hat auch der deutsche Gesetzgeber geregelt, welche Versicherungslösungen steuerlich privilegiert sind und welche nicht. Bis dahin war das nördliche Nachbarland diesbezüglich vermintes Gelände - «die Deutschen sind sehr erfinderisch mit neuen Verboten», so ein Kenner des Versicherungsvertriebs. Doch jetzt hofft die Branche, dass die Türe zum wichtigen Markt Deutschland nicht mehr zugeschlagen wird.

«Erhalten Rechtssicherheit»

Dazu gehören auch die Schweizer Player, die längst auf der «Drehscheibe» Liechtenstein mit ihren Lebensversicherungsprodukten Position bezogen haben. Allen voran Swiss Life, deren Liechtensteiner Tochter sich nun auf die neue Regulierung in Deutschland einstellt: «Deutschland ist und bleibt ein wichtiger Markt für uns», sagt Swiss-Life-Sprecherin Irene Fischbach. Der Produktemanagementprozess sehe vor, dass ein neues Instrument innert drei Monaten entwickelt werde.

Auch bei Baloîse, die letztes Jahr im Fürstentum vor Ort gegangen ist, herrscht Aufbruchstimmung. «Wir begrüssen die Entwicklung in Deutschland ausdrücklich, verschafft sie uns doch Rechtssicherheit», heisst es am Basler Hauptsitz. Derzeit bearbeite man die Märkte Schweiz, Italien und Deutschland und werde im 2. Quartal in Österreich Lösungen vorstellen. Erst letzten Herbst operativ geworden ist Elips Life, an der auch Swiss Re beteiligt ist. In Europa prüft Elips Life derzeit noch die Märkte, im Frühling soll über den Eintritt entschieden werden. Der Fokus liegt hier aber auf dem Kollektivlebengeschäft.

Dagegen will Zurich ihre Liechtensteiner Tochter per 2009 liquidieren. Dies aus Gründen der Konzentration und Effizienz im Bereich Private Banking Solutions.