Gehen bekannte Unternehmen wie die britische Warenhauskette Woolworth, der deutsche Modelleisenbahnhersteller Märklin oder Automarken unter, sorgt dies für Schlagzeilen. Die meisten Firmen verschwinden jedoch still und leise. Zumeist handelt es sich um kleinere und jüngere Betriebe, um Einzelfirmen oder Gesellschaften mit beschränkter Haf-tung (GmbH).

Laut Creditreform sind in den ersten vier Monaten dieses Jahres 1633 Firmen in der Schweiz pleitegegangen. Das bedeutet gegenüber der Vorjahresperiode eine Zunahme von 18%. Damit es ein Konkursfall in die Medien schafft, muss schon Besonderes vorliegen: Beim Break-Even-Pub in Winterthur etwa - einem von insgesamt 162 Gastrobetrieben, die im ersten Jahresdrittel 2009 Konkurs gingen - war es der Umstand, dass das Lokal von angehenden Betriebsökonomen der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) geführt wurde.

Das Berner Gourmetrestaurant Gaumentanz war immerhin so stadtbekannt, dass die Lokalzeitungen nicht darum herumkamen, dessen Ende zu vermelden. In die Zeitungen schaffte es auch der Konkurs der Früchte-Importfirma Gebrüder Dähler AG in Raperswilen TG, eines Familienunternehmens mit Tradition.

Handwerker, Händler und Wirte

Am heftigsten überrollt die Pleitewelle laut den Zahlen der beiden Wirtschaftsauskunfteien Creditreform und Dun & Bradstreet (D&B) das Baugewerbe und die Handwerker, gefolgt vom Einzelhandel und von den Wirten. Der Grund für das Scheitern vieler Gastrobetriebe ist allerdings nicht einzig in der aktuellen Krise zu suchen. «Viele Wirte steigen zu unüberlegt in die Branche ein, ohne die notwendigen Kenntnisse und ohne ausreichende finanzielle Mittel», sagt Gastrosuisse-Sprecherin Brigitte Meier-Schmid. Einen im Vorjahresvergleich starken Anstieg bei den Konkursen verzeichnen auch die Personalvermittler, die Unternehmens- und Steuerberater sowie das Auto-, das Transport- und das Reinigungsgewerbe.

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Generell sind es die wettbewerbsintensiven Branchen, die den Auftrags- und Bestellungsrückgang besonders spüren. «Der Preiskampf spitzt sich hier in Krisenzeiten noch zu, sodass Aufträge angenommen werden, die nicht einmal mehr kostendeckend sind; das geht zulasten der Substanz, die damit noch dünner wird», beobachtet Andreas Hungerbühler, Manager Marketing & Business Development bei D&B. Nicht überraschend ist, dass sich die Finanzkrise auch bei Holding- und Investmentgesellschaften bemerkbar macht. Gegenüber dem Vorjahresquartal verdreifachte sich die Zahl der Konkurse von 19 auf 57.

Wenn es einen Grösseren trifft

Von der Pleitewelle bisher eher verschont geblieben sind grosse Industriebetriebe. Passiert es doch, so verschwinden sie selten auf einen Schlag von der Bildfläche. So hat nach dem Konkurs des Geschenkpapierherstellers Stewo in Wolhusen LU im Dezember 2008 nach wenigen Wochen das deutsche Unternehmen Bauer & Schneider den Betrieb wieder aufgenommen und signalisiert, es wolle die alte Stewo aus der Konkursmasse übernehmen. Bei der sich in Nachlassstundung befindenden Nexis Fibers in Emmenbrücke LU ist inzwischen im Teilbereich der Monofil-Garne die Ostschweizer Sefar-Gruppe eingestiegen. Damit konnten 150 der 300 Arbeitsplätze gerettet werden.

Beim konkursiten Kunststoffhersteller Neckerplast in Neckertal SG ist eine Auffanggesellschaft gegründet worden, die nun mit 30 statt wie vorher mit 50 Beschäftigten die Geschäfte weiterführt.

Ob ein Unternehmen sicher durch die Krise navigiert, hängt letztlich weder von seinem Alter noch von seiner Grösse ab. Wichtig sind laut Hungerbühler ein gutes finanzielles Rückgrat und ein erhöhtes Risikobewusstsein im Verkehr mit den Debitoren. Gefährdet sind deshalb in erster Linie Unternehmen mit wenig Eigenkapital und einer geringen Liquiditätsausstattung.

«Solche Unternehmen können einen Umsatzrückgang in der Regel nicht mit eigenen Reserven abfedern und haben es schwer, den eigenen Verpflichtungen nachzukommen», erklärt Hungerbühler. Das schlechte Zahlungsverhalten löst oft einen Dominoeffekt aus, der sogar an sich gesunden Firmen zusetzen und sie mit in den Strudel ziehen kann. Immer mehr Unternehmen schlittern so in die Liquiditätsfalle.

Pessimistische Prognosen

Forderungsausfälle und nur schleppend beglichene Rechnungen sind denn auch, wie eine Creditreform-Umfrage bei deutschen Unternehmern bestätigt, der häufigste Grund für den finanziellen Ruin einer Firma. «Die Gründe dürften in der Schweiz ganz ähnlich sein», meint dazu Creditreform-Sprecher Claude Federer.

Für die kommenden Monate geben beide Wirtschaftsauskunfteien düstere Prognosen ab. Federer erinnert daran, dass in früheren Krisen die Firmenpleiten jeweils erst mit einer gewissen Verzögerung ihren Höchststand erreichten. «Wenn man die letzte kurze Rezession von 2002 nimmt, so konnten wir einen Anstieg der Firmenpleiten bis 2004 feststellen», sagt er. D&B rechnet momentan mit 5100 Firmenkonkursen in diesem Jahr, die rund 20000 Arbeitsplätze kosten dürften. «Wir werden aber vermutlich un- sere Prognosen im Juni nach oben korrigieren», deutet Hungerbühler an.

Der rollenden Pleitewelle zum Trotz gibt es immerhin ein positives Zeichen: In allen Branchen wächst die Zahl von Firmen weiter, weil weiterhin mehr neue Unternehmen gegründet als bestehende gelöscht werden oder in Konkurs gehen. Allerdings hat sich dieses Nettowachstum im Vergleich zum Vorjahr deutlich abgeschwächt.