Nicht nur die britische Hogg Robinson Group (HRG) stand während der Aschewolke Mitte April im Dauereinsatz, auch die anderen globalen Geschäftsreisedienstleister. Alleine die amerikanische American Express (Amex) hatte mehr als 150 000 Kunden in aller Welt zu betreuen, so Fernando Gamonal, General Manager Switzerland von Amex in Zürich.

Auch die französische Carlson Wagonlit Travel (CWT) hatte alle Hände voll zu tun: «Während der Vulkankrise konnten unsere Kunden sehen, was sie an uns haben. Wir haben uns schnell auf diese Herausforderung eingestellt und dank Tausenden von Überstunden, unserem globalen Netzwerk sowie bewährten Tools etliche Firmen unterstützt, ihre Leute schnellstmöglich wieder sicher nach Hause zu bekommen», erklärt Walter Ruggli, General Manager Switzerland von CWT in Zürich.

Bei der niederländischen BCD Travel folgert man daraus: «Der Vulkanausbruch hat somit nicht das Reiseverhalten beeinflusst, jedoch das Verständnis für die Wichtigkeit einer Partnerschaft mit einer Travel Management Company klar verstärkt», sagt Robert Berger, Managing Director von BCD Travel Suisse in Zürich.

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Aschewolke war nur Intermezzo

Ebenfalls erfreulich sei, dass davon das laufende Geschäft nur marginal betroffen gewesen sei - schliesslich gehe es nach der Wirtschaftskrise nun wieder aufwärts. Ruggli führt aus: «Unser Aufschwung hat unter dieser glücklicherweise nur kurzen Unterbrechung nicht gelitten, das Reiseverhalten der Kunden auch nicht.»

CWT verzeichne 2010 nach wie vor in jeder Region Zuwächse. «Unternehmen mit einem 2009 dramatisch gekürzten Budget reisen wieder verstärkt, um das eigene Geschäft anzukurbeln.» So erhole sich die Flug- und Hotelauslastung derzeit global ständig. «In der Schweiz konnten wir unseren Geschäftsreiseumsatz im 1. Halbjahr 2010 um 8% steigern, die Anzahl Transaktionen sogar um 14%», ergänzt Ruggli. «Der positive Trend sollte sich im 2. Halbjahr 2010 fortsetzen.» 2009 war bei CWT das Umsatzvolumen weltweit um fast 23% auf 21,4 Mrd Dollar und hierzulande um über 28% auf 504 Mio Fr. eingebrochen. Die Gruppe ist in 150 Ländern mit rund 18 000 Angestellten präsent.

Bei BCD Travel weiss Berger Gleiches zu berichten: «Wir verzeichnen eine deutlich positive Umsatzsteigerung im Vergleich zum Vorjahr aufgrund von zunehmender Reisetätigkeit unserer Bestandskunden. Gleichzeitig freut sich BCD Travel Suisse über zahlreiche Neukunden, die ebenfalls zum Umsatzplus beitragen. Wir gehen davon aus, dass die Reisetätigkeit in den Unternehmen weiter steigen wird.» BCD Travel vermittelt weltweit einen Umsatz von 14,6 Mrd Dollar und beschäftigt knapp 11 000 Mitarbeiter in mehr als 90 Ländern.

Rolle als Berater wird zentraler

Ähnlich klingt es bei Amex: «Im 1. Halbjahr 2010 lagen unsere Global Corporate Travel Sales bei 8,7 Mrd Dollar», sagt Gamonal, «im 1. Halbjahr 2009 waren es 7,0 Mrd Dollar.» Während der Rezession hätten sowohl Konzerne als auch KMU ihre Reisekosten zum Teil sogar zu gewaltig reduziert, was nun eindeutig überdenkt worden sei. «Die Business-Travel-Aktivitäten haben begonnen, zurückzukommen.» Die Firmen betrachten gemäss Gamonal die Geschäftsreisedienstleister mittlerweile mehr als Berater denn als Buchungsstelle. «Wir helfen ihnen, Geld zu sparen und ihr Budget angemessen auszugeben.»

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