Mit der Übernahme von BT Industries konnte Toyota in Europa seine Position bei den Flurfördergeräten deutlich ausbauen. Wie erfolgreich war die bisherige Integration von BT in die TMHE?

Hakan Dahllöf: Wir konnten in den vergangenen Jahren den Umsatz trotz zahlreicher Integrationsmassnahmen erfreulich steigern und jeweils ein zweistelliges Umsatzwachstum realisieren.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung auf dem europäischen Markt für Flurförderzeuge und Lagergeräte?

Andrew Elliot: Der Markt hat sich in den letzten Jahren sehr erfreulich entwickelt. Das Wachstum war sehr stabil, die Nachfrage auf einem hohen Niveau. In diesem Jahr ist jedoch in einigen Ländern ? beispielsweise in Spanien, Grossbritannien und teilweise in Frankreich ? mit einem leichten Rückgang der Nachfrage zu rechnen. In Deutschland, dem wichtigsten Markt für uns, ist die Nachfrage unverändert auf hohem Niveau, ebenso in den skandinavischen Ländern.

Welche Entwicklung erwarten sie in Osteuropa, insbesondere in den neuen EU-Staaten?

Elliot: In dieser Region begegnen wir einer starken Nachfrage nach Gabelstaplern, aber auch nach Lagertechnikgeräten, die auch in Zukunft anhalten dürfte.

Denkt man daran in Osteuropa neue Produktionskapazitäten zu errichten?

Anzeige

Dahllöf: Im Moment sind wir in der Lage, diese Region von unseren drei Werken in Ancenis (F), Bologna (I) und Mjölby/Linköping (S) aus zu beliefern. Sollte sich die Nachfrage aber weiter auf hohem Niveau bewegen, müssen wir uns solche Überlegungen machen. Dank dem Toyota-Produktions-System sind wir in der Lage, auch in Europa sehr profitabel fertigen zu können.

Wird sich die Konzentration im Flurförderbereich in Europa in den kommenden Jahren weiter intensivieren?

Dahllöf: In den vergangenen Jahren erfolgten zwar einige Fusionen im Flurförderbereich, gleichzeitig jedoch sind neue Anbieter meist aus Fernost in Europa aufgetreten. Dieser Trend wird sich wohl in den kommenden Jahren weiter fortsetzen, denn schliesslich belebt der Wettbewerb das Geschäft und zwingt jeden Anbieter, die bestmöglichen Geräte zu entwickeln. Es muss auch damit gerechnet werden, dass sich die Konkurrenz chinesischer Provenienz in Europa stärker bemerkbar machen wird. Aufgrund unseres modernen Produktprogramms und unserer breiten Präsenz in Europa sind wir jedoch überzeugt, auch in Zukunft unsere führende Marktposition halten und weiter ausbauen zu können.

Die Dienstleistungen rund um den Stapler werden immer wichtiger. Welche Angebote kann TMHE hier der Kundschaft anbieten?

Elliot: Wir stellen an der CeMAT in Hannover erstmals unser Informationssystem Toyota I-Site vor. Dieses ist konzipiert für Unternehmen mit kleineren bis mittelgrossen Flotten. Mit diesem System wollen wir den Flottenbesitzern diejenigen Informationen liefern, welche sie befähigen, ihre Kosten zu reduzieren und die Produktivität der eingesetzten Geräte zu steigern. Vor allem wollen wir dem Kunden massgeschneiderte Vorschläge machen, damit er seine Fahrzeuge rationell einsetzen kann. Darüber hinaus sollen unsere Toyota-Rental-Lösungen dem Kunden helfen, eine interessante Finanzierung seiner Flotte zu realisieren. Zudem kann er damit jederzeit und an jedem Ort die entsprechend benötigten Fahrzeuge erhalten. Nicht zuletzt sind unsere rund 5000 Kundendiensttechniker in ganz Europa unterwegs, um dem Kunden technische Unterstützung zu gewähren.

Anzeige

Bleibt es auch weiterhin bei der Zwei-Marken-Strategie ? Toyota und BT ?, oder denkt man an eine Zusammenführung der beiden Marken?

Elliot: Wir bleiben bei der Zwei-Marken-Strategie. BT verfügt im Bereich der Lagertechnikgeräte über einen sehr guten Ruf, den wir auch in Zukunft nutzen und weiter verbessern werden. Gegengewichtsstapler werden weiterhin unter der Marke Toyota angeboten. In einigen Sektoren jedoch, wie Ersatzteilversorgung, Service oder Distribution, können durchaus Synergien zwischen den beiden Marken genutzt werden.

Denkt man eventuell daran, das bestehende Fahrzeugprogramm zu erweitern, mit Fahrzeugen für andere Anwendungsbereiche?

Elliot: Derzeit bestehen keine solchen Pläne für Europa.

Wie sieht es an der Preisfront aus. Wir hören immer wieder, dass die Staplerhersteller äusserst harte Wettbewerber seien. Stimmt das und sind überhaupt Preiserhöhungen möglich.

Anzeige

Dahllöf: Wenn wir den Kunden von den Qualitäten unseres Produktes überzeugen können, sind Preiserhöhungen ? wenn auch meist in bescheidenem Ausmass ? durchaus möglich. Aufgrund der höhe- ren Rohstoffpreise und des steigenden Ölpreises werden Preiserhöhungen in naher Zukunft wohl unausweichlich sein.

Elliot: Wir wollen mit unseren Produkten den Kunden unterstützen, seine Kosten im Logistikbereich zu senken. Mit leistungsfähigen Geräten lässt sich in der Intralogistik durchaus noch Geld sparen; hier müssen wir den Kunden vom Mehrwert unserer Erzeugnisse überzeugen. Oft ist der Preis gar nicht das entscheidende Kriterium, viel wichtiger sind beispielsweise die Life-Cycle-Kosten

Der hohe Ölpreis zwingt heute alle Hersteller von Fahrzeugen zur Suche nach alternativen Antriebsquellen. Welche Aktivitäten unternimmt TMHE beziehungsweise BT in diesem Bereich?

Anzeige

Elliot: Im gesamten Toyota-Konzern werden seit vielen Jahren intensive Forschungsaktivitäten unterhalten, um alternative Antriebssystem zu entwickeln. Im Bereich Hybridantrieb verfügt der Konzern gar über eine jahrelange Erfahrung, er produzierte bereits mehr als 1 Mio Einheiten des Personenwagens Prius. Wir gehen davon aus, dass sich dieses System auch sehr bald bei den Flurfördergeräten auf breiterer Basis durchsetzen wird. Daneben arbeiten wir an Antriebslösungen für Ethanol und Methanol sowie an der Brennstoffzelle. Bis diese allerdings serienreif sein wird, vergehen noch etliche Jahre. Darüber hinaus können wird dank der niedrigeren Verbrauchswerten auch die Emissionen dieser Fahrzeuge ? Stichwort CO2 ? weiter vermindern.

In der Schweiz erfolgte letztes Jahr die Gründung der Toyota Material Handling Schweiz AG, in welcher die Verkaufs- und Serviceaktivitäten für die beiden Marken Toyota und BT konzentriert werden. Welche Bedeutung hat der Schweizer Markt heute für TMHE?

Anzeige

Dahllöf: Die Schweiz ist punkto Grösse kein sehr grosser Markt, trotzdem konn-ten wir in den vergangenen Jahren erfreuliche Absatzerfolge erzielen. In der Schweiz ist zudem eine grosse Zahl europaweit und weltweit tätiger Unternehmen ansässig. Diesen Kunden können wir dank unserer ebenfalls weltweiten Präsenz in vielen Ländern Unterstützung anbieten.