Der Steuerstreit zwischen der Schweiz und den USA scheint gelöst. Sind Sie erleichtert?
Peter Wyder: Leider ist der Steuerstreit noch nicht gelöst. Es konnte aber offenbar ein Prozedere mit den amerikanischen Behörden ausgehandelt werden, welches es den betroffenen Banken erlaubt, mit den US-Behörden einen Deal auszuarbeiten. Der Preis ist auch für das Personal hoch, aber leider gibt es keine Alternative zu diesem Vorgehen.

Im Rahmen der Lösung werden aber auch Namen von Bankangestellten an die US-Behörden geliefert. Wie gefährlich ist das für die Betroffenen?
Es ist aufgrund der erheblichen Anzahl von Selbstanzeigen, dem UBS Verfahren und den bereits erfolgen Datenlieferungen leider davon auszugehen, dass die Behörden in den USA bereits über umfangreiches Material verfügen. Im Visier stehen primär Banken. Mitarbeiter können in Verfahren verwickelt werden, wenn sie Kundentreffen mit in den USA wohnhaften Personen in den USA oder im Ausland hatten, Gelder oder Wertgegenstände aus den USA transferiert haben oder bei der Errichtung von Hinterziehungskonstrukten aktiv beraten haben. Ich gehe davon aus, dass die Amerikaner vor allem an Fällen mit einer Hinterziehungssumme von über einer Million interessiert sind und die nicht länger als zehn Jahre zurück liegen.

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Gab es denn in früheren Fällen schon solch dramatische Folgen für einzelne Banker?
An solch dramatische Folgen für einzelne Banker kann ich mich nicht erinnern.

Der Bankpersonalverband arbeitete deshalb zusammen mit den Banken ein Abkommen aus, das die Folgen für die einzelnen lindern soll. Wie zufrieden sind Sie mit dem Erreichten?
Die Vorzeichen des Abkommens hätte man sich nicht gewünscht – sie bleiben sehr unerfreulich. Beide Seiten sind aber zur Überzeugung gekommen, dass die Mitarbeiter besser geschützt werden müssen und dass dies in Form einer kollektiven Lösung erfolgen soll. Deshalb ist das Abkommen des Schweizerischen Bankpersonalverbandes mit der Arbeitgeberseite unter den gegebenen Umständen positiv zu werten und ein Ausdruck der funktionierenden Sozialpartnerschaft.

Sie sprechen davon, dass die Diskriminierung der Betroffenen gelindert werden soll. Wie genau soll das geschehen?
Wir haben vereinbart, dass die mit US-Persons beschäftigten Mitarbeiter fair behandelt werden sollen, sofern sie sich korrekt verhalten haben. Es gibt deshalb einen verbesserten Kündigungsschutz und auch Regeln bei der Rekrutierung.

Steht auch Geld für Härtefälle zur Verfügung. Wenn ja, wie viel?
Die Banken stellen dem Bankpersonalverband einen Betrag von 2,5 Millionen Franken für einen Härtefallfonds für von Mitarbeiterdatenlieferungen betroffenen  Bankangestellten zur Verfügung.

Insgesamt klingt das Massnahmenpaket zwischen Banken und Bankangestellten aber sehr schwammig.
Die Fälle der Betroffenen sind sehr unterschiedlich, weshalb die Formulierungen bewusst generell gehalten werden mussten.

Sie postulieren, dass die einzelnen Bankangestellten nicht für die Fehler des Managements büssen sollen. Ist das nicht etwas eine beschönigende Ansicht? Immerhin machten die Angestellten ja gerne mit – sie verdienten ja auch an den Geschäften mit US-Bürgern.
Selbstverständlich gibt es Mitarbeiter, die bewusst gegen Weisungen und Gesetze verstossen  und dabei viel Geld verdient haben. Die meisten mit US-Persons befassten Angestellten haben aber einen seriösen Job gemacht und sich sowohl ans Schweizer Gesetze wie auch an interne Weisungen gehalten. Diese gilt es mit dem sozialpartnerschaftlichen Abkommen besser zu schützen.