John Strand ist einer der führenden Telekomexperten Skandinaviens und berät als CEO von Strand Consult in Kopenhagen eine ganze Reihe von Mobilnetzbetreibern zu Geschäfts- und Technologiefragen.

Wie viele Wettbewerber sind bei Mobilkommunikation gut für einen funktionierenden Wettbewerb?

John Strand: Wenn der Wettbewerb nicht durch Absprachen behindert wird, sind zwei genug. In der Schweiz haben wir eine besondere Situation: Bisher haben wir einen sehr starken Anbieter und zwei schwache. Jetzt könnte durch die Übernahme von Sunrise/TDC Switzerland durch Orange ein stärkerer Konkurrent für Swisscom heranwachsen.

Waren Orange und Sunrise bisher zu schwach?

Strand: Ja, sie hatten beide nicht die kritische Grösse. Und auch der Wettbewerb leistete seinen Teil, denn Swisscom hat die höheren Tarife, aber kaum Kunden verloren. Es ist kein preissensitiver Markt - die Preise der Angebote bringen die Kunden nicht dazu, ihren Anbieter zu wechseln.

Wie kann man den Wettbewerb fördern?

Strand: Wenn man Wettbewerb wirklich möchte, braucht man Konkurrenten, die auch die finanzielle Kraft haben, diesen zu bestehen. Das ist keine Frage der Regulation oder der Anzahl der Marktteilnehmer. Im Telekommunikationssektor zählen zwei Faktoren: Skaleneffekte und neue Technologien, die das Preisgefüge wieder durcheinanderbringen. LTE, die nächste Kommunikationstechnologie, wird die Datenübertragung wieder deutlich billiger machen als UMTS. Dabei war UMTS schon deutlich günstiger als GSM.

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Es gibt ja vergleichbare Länder mit mehr Konkurrenten. Etwa Österreich.

Strand: Hier wurde schon von fünf auf vier Anbieter reduziert und ein Netz sollte verkauft werden. Aber der Preis war dafür zu hoch. Die vier Mobilnetzbetreiber sind beinahe gleich stark. Aber wenn man nach den kombinierten Marktanteilen fragt, kommt man auf 160%. Es gibt hier einen sehr intensiven Preiskampf. Doch wenn die Preise zu stark fallen, können die Netzbetreiber ihre Investitionen nicht mehr finanzieren und dann kommt es zur Konsolidierung. Ich erwarte deshalb, dass wir auch hier zunächst eine Konsolidierung auf drei und später dann möglicherweise nur noch auf zwei Anbieter sehen werden.

Sind es nur die Preise, welche die Konsolidierung vorantreiben?

Strand: Nein, hinzu kommt die Technologie. Mobiles Breitband wirkt sehr stark konsolidierend. Hier gibt es zwei Wege: Einerseits die klassischen Übernahmen, die man in Österreich, aber auch in den skandinavischen Ländern gesehen hat. Andererseits sieht man auch, wie Netzbetreiber ihre Infrastruktur zusammenlegen. Ein Beispiel ist etwa in Grossbritannien mit Orange und T-Mobile zu finden. Die Anzahl der Marken wird sich nicht verringern, aber die physischen Netze schon.

Was prognostizieren Sie für die Preise in der Schweiz?

Strand: Der Preisdruck wird so oder so zunehmen. Es gibt in der Schweiz aber noch weitere Besonderheiten wie die engen Grenzen der Strahlenschutzverordnung. Trotzdem: Über die Skalenvorteile werden die Preise sinken, auch weil Orange nach der Übernahme die Kosten senken wird. Aber wie stark hierfür der Spielraum ist, hängt auch davon ab, ob und wie stark Orange die Synergiepotenziale ausschöpft.

Welche weiteren strategischen Optionen hat Orange noch?

Strand: Orange könnte eine aggressive Mehrmarkenstrategie fahren und/oder weitere virtuelle Mobilnetzbetreiber auf sein Netz bringen.

Welchen Stellenwert hat die Wettbewerbsregulierung?

Strand: Die Frage ist doch, hat man mit der Lizenzvergabe den Wettbewerb gestärkt. Nein, das hat nicht funktioniert, diAx und Sunrise fusionierten, später wurde noch Tele2 in der Schweiz gekauft. Der Wettbewerb selber wurde aber durch die Regulierung bisher nicht gefördert. Es gelang bisher nicht, für Swisscom einen ebenbürtigen Konkurrenten zu schaffen. Jetzt besteht zum ersten Mal die Chance, dass Orange und Sunrise zu einem echten Konkurrenten werden. Doch auch kombiniert kommen beide nur auf 38% Marktanteil bei der Mobilkommunikation und auf 13% im Festnetz.

Wie kann die «neue» Orange diese Marktanteile steigern?

Strand: Ich erwarte, dass Orange sich jetzt mühsam von Antennenstandort zu Antennenstandort durchkämpfen könnte und immer einzeln überlegen wird, was wie zusammen gebaut werden soll. Oder in die allerneuste Technologie investieren wird, die zudem billiger wird. In Skandinavien hat man solche Fälle gesehen, wo zwei Netze so zu einem einzigen zusammengelegt werden konnten. Die Standorte hat man schon, jetzt besteht die Chance, ein sehr modernes, im Unterhalt günstiges Netz mit hoher Kapazität zu bauen. Und dann wird man sehen, was Swisscom machen wird. Wenn die Swisscom technologisch und in Bezug auf die Kostenbasis nicht zurückfallen will, wird sie auch investieren.

Welche Folgen hat das für den Personalbestand bei Orange/Sunrise?

Strand: Bei vergleichbaren Fällen in Skandinavien erwarte ich einen Abbau von 50%. Also den bisherigen Personalbestand eines der beiden Anbieter.

Und welche Chance geben Sie den erweiterten Kundenservices von Orange?

Strand: Das hat keinen Einfluss, es ist nur eine Marketingübung. Solche Services entscheiden nicht über den Erfolg bei den Endkunden.