Die Netzbetreiber leiden auch in der Schweiz unter Umsatzschwund. Gibt es einen, der das besser im Griff hat als die anderen? Was macht dieser anders?

Panagiotis Spiliopoulos: Im Fixnetz-Bereich kann sich fast niemand dem Umsatzrückgang entziehen. Ausnahmen bilden BT Group und Telefónica, die aber auch nur ein sehr geringes Wachstum hinkriegen. Die BT Group hatte sich seit dem Verkauf der Mobilsparte voll aufs Festnetz- bzw. Breitbandgeschäft konzentriert, in Spanien ist der Regulator vergleichsweise human vorgegangen. Schaut man die Umsatzentwicklung auf Gruppenebene an, wachsen nur die Gesellschaften mit Geschäften in den Emerging Markets: Vodafone und Telefónica, sowie in geringerem Ausmass Telenor und TeliaSonera.

Die Netzbetreiber verfolgen unterschiedliche Strategien. Eine ist, Kunden um jeden Preis zu halten. Wie sinnvoll ist das?

Spiliopoulos: Viele glauben, dass es sich lohnt, viel in die Kundenbindung zu in- vestieren. Da es aus rein finanzieller Sicht meistens mehr kostet, einen neuen Kunden zu akquirieren, als ihn zu behalten, kann diese Strategie durchaus sinnvoll sein.

Eine weitere Strategie ist die Expansion in neue Geschäftsfelder: IT-Services, Call-Center. Wie gut funktioniert das?

Spiliopoulos: Alle Gesellschaften haben hier eine ähnliche Strategie und wollen stärker in IT-Services Fuss fassen: BT Group, Swisscom (mit IT Services), KPN (Kauf von Getronics) und andere. Dies bringt in den meisten Fällen Wachstum ? der IT-Service-Markt dürfte sich in den nächsten Jahren deutlich positiv entwickeln ?, doch die Profitabilität im Servicegeschäft ist deutlich tiefer als im traditionellen Fixnetz- und Mobil-Business. Aus Renditesicht ist jedoch das Servicegeschäft sehr attraktiv, da der Kapitaleinsatz im Vergleich zum Netzwerkgeschäft gering ist. Die Strategie funktioniert demnach allgmein recht gut.

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Eine dritte Strategie ist die, das KMU-Segment abzuschöpfen. Wie attraktiv ist das?

Spiliopoulos: Das KMU-Segment hat im Vergleich zu den Grosskunden weniger «hochstehende» Bedürfnisse. Während bei den Grosskunden nur wenige Provider mitbieten können, ist die Konkurrenz im KMU-Segment grösser. Der Markt bleibt hart umkämpft, denn die Austrittsbarrieren für einen gewonnenen Kunden sind oftmals gross, zumal bei den KMU nicht immer genügend internes Know-how zur Verfügung steht.

Etliches wird auf Bündel-Ebene gemacht. Lohnt sich das unter dem Strich, wenn teilweise die Systeme (Billing, IT) unterschiedlicher Sparten inkompatibel sind?

Spiliopoulos: Im Bereich Bundling gibt es noch in vielerlei Hinsicht viel zu tun. Bundling ist für den Netzbetreiber nicht wirklich attraktiv, doch dies ist in erster Linie als defensive Massnahme zu sehen, um die Kunden zu halten.

Alternativ gibt es Kostensenkungsmöglichkeiten, um wenigstens die Gewinne zu stabilisieren. Wie sinnvoll ist der Vorschlag von ComCom-Präsident Marc Furrer, die Mobilnetze von Sunrise, Orange und Tele2 zusammenzulegen?

Spiliopoulos: Solche Ideen lagen schon früher vor. Dies hätte man sich bei der Privatisierung bzw. beim Börsengang der Swisscom überlegen sollen. Ich finde den Vorschlag unpassend ? der Regulator muss sich entscheiden, ob er entweder maximal tiefe Preise oder eine ausreichende Profitabilität der Netzbetreiber (ohne Gewinn keine Investitionen) haben will. Das Szenario von Tiefstpreisen und Non-Profit-Organisationen wie Swisscom Mobile, Sunrise oder Orange macht keinen Sinn.

Die letzte Variante wären strategische Veränderungen, Fusionen und dergleichen. Welche Kombinationen würden in der Schweiz Sinn machen?

Spiliopoulos: Es würde vielleicht Sinn machen, wenn sich Festnetzeigentümer wie Sunrise und Cablecom mit einem Mobilfunkanbieter (Sunrise, Orange) zusammentun würden. Inwiefern das realistisch ist und zu welchem Preis, darüber möchte ich nicht spekulieren.