BLASER-GRUPPE.

Kaffee verbinden viele Menschen mit grossem Genuss. Er ist aber auch das am häufigsten gehandelte Agrarprodukt und gibt weltweit 25 Mio Menschen Arbeit. Über 60 davon gehören zu der Berner Blaser-Gruppe. Wachstum um jeden Preis oder Mengenrekorde sind dabei nicht das Ziel des Traditionsunternehmens. «Unter den Röstereien läuft eine intensive Strukturbereinigung. Dennoch hat Blaser bisher bei keinem Angebot einer mittelständischen Rösterei zugegriffen», sagt Markus Blaser, Chef der hinter dem Kaffeeunternehmen stehenden Blacafé-Holding. Die Zielsetzung von Blaser bleibe klar «wirtschaftlich arbeiten, aber nicht Gewinne maximieren».

Dennoch freut sich der Vertreter der dritten Familiengeneration über das kräftige Umsatz- und Ertragswachstum im laufenden Jahr. «Ein Teil davon beruht auf dem zeitweise kräftig gestiegenen Weltmarktpreis», relativiert er jedoch. Solche Schwankungen prägen vor allem das Geschäft der Blaser Trading AG, der Handelsfirma der Gesamtgruppe. «Auch bei Rohkaffee teilt sich der Markt zunehmend in Spitzenqualität und Massenware auf. Rohkaffeepreise sind immer weniger voraussehbar und unterliegen schnell wechselnden Gerüchten, etwa über Frostgefahr und Trockenheit», erklärt Vizechef Sergio Prete. Auf dieser Erfahrung beruht die Vorgabe, im Handel jede Spekulation zu meiden. Blaser Trading stellt zugleich die Versorgung der Schwestergesellschaft Blaser Café AG mit hochwertigem Rohkaffee der gewünschten Provenienz sicher. Blaser Café wird von Marc Käppeli, Vertreter der vierten Generation, geleitet.

Für Swiss und Deutsche Bahn

In der Rösterei laufen die Geschäfte stabiler. Blaser Café bringt den Namen und sein Aroma nicht nur in der Schweiz in die Nasen der Kaffeefans. Profis für Gastronomie und Hotellerie, Spitäler, Betriebsverpflegung sind die zentralen Kunden – aber auch die Fluggesellschaft Swiss oder die Deutsche Bahn mit ihren Nachtzügen. Nordamerika, Russland, die Ukraine oder China werden von Bern aus bedient. Privatpersonen werden per Versand beliefert.«Letztlich ist der Röstvorgang das entscheidende Geheimnis eines guten Kaffees», lautet die Devise. Stolz ist man bei Blaser darauf, dass die mitentwickelten Konzepte in der Schweiz Wegbereiter für die spezialisierten Kaffeeshops mit grosser Auswahl und hoher Qualität waren.

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Personalisierte Verpackung

Das Angebot umfasst neben den je nach Verwendung konzipierten Kaffeemischungen (meist Arabica, zum Teil mit hochwertigen Robusta) auch sortenrei- ne Spezialitäten. Wie bei Wein oder Olivenöl rückt die Herkunft verstärkt in den Vordergrund – vielleicht schmücken bald Port-räts der Pflanzer die Kaffeesäcke. Dies würde dem Kundenwusch nach authentischer Qualität entsprechen.Trends, Traditionen, Traceability (Rückverfolgbarkeit) und Transfer sind die vier Kernkompetenzen in der dieses Jahr verabschiedeten Strategie «Blaser Plus». Trends bedeute, mit geübter Kaffeenase die Trends der Branche zu erkennen. So entwickelt Blaser seit 15 Jahren den Markt für Spe-zialitäten. Abgepackte Portionen für die Kaffeemaschine gehören schon einige Jahre zum Angebot. Zentrales Kriterium für den Erfolg bleiben für Markus Blaser aber die Traditionen der hohen Röstkunst und der Partnerschaft mit Kunden. Der Aspekt Qualitätssicherung werde etwa mit einer genauen Rückverfolgbarkeit erfasst.

Barista-Ausbildung für Wirte

Das vierte «T» der Strategie steht für Transfer: «Genuss lässt sich nur mit dem Produkt erklären, also muss auf allen Firmenstufen mit höchstem Qualitätsbewusstsein gearbeitet werden.» Damit alle Mitarbeitenden wissen, was Blaser Café auszeichnet, besuchten kürzlich wieder vom Chauffeur bis zum CEO alle einen Kaffee-Grundkurs. Erfahrungen wurden aber auch an der Branchenmesse «World of Coffee 2006» in Bern gesammelt, die vom KMU federführend mitorganisiert worden war. Das Wissen wird an die Kundschaft weitergegeben. Und damit die «Crema», also das schillernde Schaumhäubchen, wirklich perfekt in der Espressotasse aufglänzt, bietet Blaser den Wirten regelmässig Barista-Kurse an. Der wichtigste Tipp: Die richtige Tasse ist unten leicht gerundet.