Seitdem die Kunst zu einem Prestigeobjekt für die Reichen und Schönen avanciert ist, boomt der Markt. Der geschätzte weltweite Umsatz hat sich von 21 Mrd Dollar im Jahr 2000 auf knapp 63 Mrd Dollar im Jahr 2007 fast verdreifacht. Der gesamte Kunstmarkt liegt damit zwar immer noch unter dem Jahresumsatz eines einzelnen Konzerns wie etwa BMW, der im letzten Jahr 70 Mrd Dollar erzielt hat. Doch Kunstshopping ist trendy, mehr denn je. Galerienvernissagen und Kunstmessen haben sich von ehemals nüchternen Treffen des Kunsthandels zu Partys einer eventsüchtigen Kunstszene gewandelt. Auch diesen Juni wird der internationale Jetset wieder zum grossen Geldausgeben in Basel einfliegen. An der letztjährigen Art Basel waren einige Messestände gegen Ende nahezu ausverkauft; und auch dieses Jahr, so gibt sich die Fachwelt überzeugt, wird der Kaufrausch trotz Credit Crunch und Börsenjammer anhalten.

Derzeit läuft in New York das milliardenschwere Ritual der New Yorker Frühjahrsauktionen ab. Die Gesamtschätzungen für Gegenwartskunst bei Christie’s und Sotheby’s sind so hoch wie nie zuvor. Allein Christie’s hat sich mit Garantiesummen von geschätzten 220 Mio Dollar verpflichtet und zahlt sie den Einlieferern teilweise schon vor den Auktionen aus.

Kampf um die Einlieferer

Die neue Praxis macht sich breit, nicht mehr wie früher den Käufern, sondern den Einlieferern Kredit einzuräumen. Auf diese Weise will man sich spektakuläre – und von den Auktionshäusern hart umkämpfte – Werke sichern. Vor 20 Jahren waren es weltweit ein bis zwei Dutzend Sammler, die im grossen Stil kauften; heute sind es einige tausend. Diese neue Ausgangslage hat den gesamten Kunstmarktmechanismus verändert. Zudem ist es heute praktisch nicht mehr möglich, eine Spitzensammlung mit Werken des Impressionismus oder der klassischen Moderne aufzubauen – zu viele dieser Werke befinden sich bereits in Museen und Sammlungen und sind damit für den Markt mehr oder weniger verloren. Was bleibt, ist die zeitgenössische Kunst. Rund drei Viertel der Käufer sind heute unter 45 Jahre alt und sammeln Künstler ihrer Generation. Dieser Boom hat wiederum Einfluss auf die Kunstproduktion. Mittlerweile wird viel neue Kunst speziell für Messen produziert, wobei die Gefahr einer Überproduktion wächst. Da Gegenwartskunst erfahrungsgemäss besonders empfindlich auf Konjunkturzyklen reagiert, wird dieser äusserst spekulative Sektor wohl nicht um eine nötige Selektion herumkommen.

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