Europa schliesst die Qualifikation für den Ryder Cup am 31. August 2008 mit dem Turnier im schottischen Gleneagles ab, und der nicht-spielende Captain Nick Faldo wird die beiden Wildcards an die Spieler seiner Wahl verteilen.

Die darauffolgende erste Septemberwoche gehört traditionsgemäss dem European Masters in der Schweiz, diesmal vom 4. bis zum 7. September. Man könnte nun annehmen, dass die europäischen Cracks das mit 2 Mio Euro dotierte Turnier auf dem Walliser Hochplateau nutzen, um sich in Crans-Montana für den Ryder Cup in Form zu bringen. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben jedoch gezeigt, dass eher das Gegenteil der Fall ist: Die Stars spielen sich nicht ein, sie schonen sich. Sie kehren für ein paar Tage zu ihren Familien zurück, lenken sich ab und bereiten sich mental auf ihren Saisonhöhepunkt, den Ryder Cup, diesmal ausgetragen im Valhalla Golfklub in Louisville (Kentucky/USA), vor. Erfahrungsgemäss erscheinen nur zwei, höchstens drei Spieler der Europa-Auswahl in Crans-Montana.

Trotz allem dominiert Zuversicht

Besonders bitter war es 2006, just in jenem Jahr, als sich das amerikanische Fräuleinwunder Michelle Wie dem Schweizer Publikum vorstellte und für einen Zuschauerrekord sorgte (52500 für die ganze Woche). Von Europas Ryder-Cup-Golfern, die zwei Wochen später im K Club in Straffan/Irland die Amerikaner um Tiger Woods in Grund und Boden spielten, trat damals nur gerade Sergio Garcia im Wallis an – und dies hauptsächlich deshalb, weil er als fürstlich honorierter Werbebotschafter des Turnier-Titelsponsors Omega Verpflichtungen nachkommen musste. Wenn Turnierdirektor Yves Mittaz dennoch «sehr zuversichtlich» ist, auch heuer eine tolle Sache auf die Beine stellen zu können, so fusst dieser Optimismus nicht in Europa, sondern in Übersee, auf der US PGA Tour, die alle übrigen Profi-Circuits weltweit in den Schatten stellt.

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Mit den Verpflichtungen zuwarten

2008 ist sozusagen das Jahr zwei des Fedex Cup, der neusten «Geldmaschine» im US-Golfsport. Die Befürchtungen gingen dahin, dass die europäischen Turniere im Spätsommer und im Herbst, wenn die vier Finalveranstaltungen der Fedex-Serie im Programm stehen, noch mehr unter der amerikanischen Dominanz leiden würden. Yves Mittaz hat jedoch in der Analyse des letzten Jahres erstaunlicherweise festgestellt: «Der Fedex Cup ist für uns auch eine grosse Chance.»

Wie das? Die mit 7 Mio Dollar pro Turnier dotierten Playoffs im Fedex Cup beginnen am 21. August mit den besten 144 Spielern der US Tour. Danach wird das Feld Woche für Woche reduziert, zunächst auf 100, dann auf 70 und schliesslich für die «Tour Championship» von Ende September 2008 auf 30 Spieler. Durch die Dezimierung des Feldes können Golfer mit klangvollen Namen auf den Markt kommen, auch ehemalige Grand-Slam-Turniersieger wie Fred Couples oder Davis Love. Zudem hat das letzte Jahr gezeigt, dass verschiedene Top-Golfer nicht die ganze Fedex-Cup-Finalserie bestreiten.

Aufgrund dieser Fakten ändert Yves Mittaz seine Strategie. Die hunterttausende von Franken an Antrittsgeldern investiert er nicht ausschliesslich in früh abgeschlossene Verträge. Vielmehr wartet er ab, was der Markt kurzfristig hergeben wird. Bis Mitte April 2008 lag noch keine Spielerverpflichtung vor. Der erste Vertrag soll zirka Mitte Mai finalisiert werden, der zweite bis Mitte Juni. «Und den Rest», sagt Mittaz, «werden wir uns für eine, zwei schöne Überraschungen aufsparen.»

2007 gaben die Organisatoren des European Masters schon im Frühling das ganze Appearance Money (Antrittsgeld) für die Verpflichtungen von Lee Westwood, Paul Casey und Michael Campbell aus. Als dann die neuen offensichtlichen Gesetzmässigkeiten des Fedex Cup attraktive Spieler auf den Mark warfen, war das Kässeli im Wallis leer. «Diese Chancen wollen wir uns nicht noch einmal verbauen», sagt Mittaz. «Ich bin sicher, dass wir an der Spitze im September ein attraktives Teilnehmerfeld werden bieten können.» In den letzten Jahren waren die Zuschauerzahlen am Omega European Masters durchaus beeindruckend: 49900 im Jahr 2004, 47500 im Jahr 2005, 52500 (Rekord) im Jahr 2006 und 48000 im Jahr 2007.

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