Nach dem enttäuschenden Quartalsverlust spielt es in der Wahrnehmung der Kunden kaum eine Rolle, dass die UBS operativ wieder profitabel arbeitet. Das Vertrauen und damit die Kundengelder gewinnt die Bank erst wieder zurück, wenn sie auch unter dem Strich schwarze Zahlen schreibt.

Im 3. Quartal konnte der Abfluss an Kundengeldern kaum eingedämmt werden, und der Abfluss war auch deutlich stärker als im Vorfeld erwartet: Die Bank verlor Kundengelder in der Höhe von 36,6 Mrd Fr., nach 39,4 Mrd Fr. im Vorquartal.

Auch in Asien geringe Abflüsse

Die UBS habe im 3. Quartal in allen Regionen Abflüsse an Kundengeldern hinnehmen müssen, auch wenn diese in Asien nur sehr moderat ausgefallen seien, sagt Finanzchef John Cryan. Im 2. Quartal hatte die UBS in der Region Asien Pazifik noch Zuflüsse verzeichnet. «Asien ist sehr wichtig für uns. Wir sind die Nummer eins in diesem Markt und wollen diese Position verteidigen», sagt Cryan. Es würden auch weiterhin Kundenberater eingestellt. Am 17. November 2009 wird anlässlich des Investorentags die Strategie für die Region Asien Pazifik vorgestellt, die seit Sommer von Chi-Won Yoon geleitet wird. Der Nachfolger von Rory Tapner ist in dieser Funktion auch Mitglied der Konzernleitung.

Verwaltungsrat neu besetzen

Das asienspezifische Know-how soll jetzt auch im Verwaltungsrat der Grossbank gestärkt werden. Als einer der Nachfolger für die beiden abtretenden Verwaltungsräte Peter Voser und Sergio Marchionne werde ein profunder Kenner des asiatischen Marktes gesucht, heisst es aus banknahen Kreisen.«Asien ist extrem wichtig für das Wachstum in den nächsten zwei bis vier Jahren», sagt Teresa Nielsen, Analystin der Bank Vontobel. Die Grossbank UBS will mit der Zeit das verlorene Geschäft mit dem Wachstum in den aufstrebenden Märkten Asien und Mittlerer Osten wettmachen. Zwar hat auch in Asien die UBS-Krise ihre Spuren hinterlassen. Doch für die Grossbank sei es im Vergleich zu anderen Regionen einfacher, das Geschäft künftig wieder aufzubauen, sagt Dirk Becker, Analyst von Kepler Capital Markets. Denn die UBS war als erste Bank in Asien vor Ort und sei bis vor Ausbruch der Finanzkrise in dieser Region unter anderem wegen der guten Plattform doppelt so schnell gewachsen wie zum Beispiel die Credit Suisse. «Die Credit Suisse hat aber vor allem seit Jahresbeginn in Asien unheimlich aufgeholt.» Zumindest im Oktober 2008 war die UBS laut Daten des Fund Managements Calamander Group noch die grösste Auslandbank in Asien, gemessen an den verwalteten Kundenvermögen. «Doch auch in Asien lesen die Kunden Zeitung und die Kundenberater wollen sich nicht ständig vor ihren Kunden rechtfertigen», sagt Becker.Vor allem die neu erstarkte Konkurrenz schläft nicht - womit auch der Druck auf die UBS in Asien steigt. Derzeit seien die britischen Häuser Standard Chartered Bank und HSBC für die Kundenberater die attraktivsten Arbeitgeber in Asien, sagt Ray Soudah, Gründer von Millenium Associates. So seien etwa die beiden Banken im Vergleich zu den Schweizer Grossbanken in vielen lokalen Märkten in Asien präsent.

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Region wächst am schnellsten

Immer mehr Bankinstitute wollen in Asien Fuss fassen, denn das Geschäft mit Superreichen floriert. «Asien ist die derzeit am schnellsten wachsende Region», sagt Becker. Die Boston Consulting Group schätzt, dass die Region Asien-Pazifik in den nächsten fünf Jahren jährlich um 9,5% wachsen wird. Und eine Studie von Merrill Lynch und Capgemini prognostiziert, dass ab dem Jahr 2012 das Vermögen der asiatischen Millionäre grösser sein wird als das Vermögen der Millionäre in Europa. Im Vergleich zu anderen Regionen liegen die Margen bisher aber nur etwa im Mittelfeld.Eine Besonderheit in diesem Markt ist auch, dass das Investmentbanking der UBS und das Wealth Management sehr eng miteinander verzahnt sind. «Viele Private-Banking-Kunden sind Unternehmer, die Aufträge im Investmentbanking erteilen», sagt Nielsen. Die UBS gibt anlässlich der Publikation der Quartalszahlen nicht nur für das Vermögensverwaltungsgeschäft, sondern auch für die Investmentbank einen verhaltenen Ausblick. Vermutlich werde sich auch im 4. Quartal 2009 zeigen, dass sich die Erholung der Investmentbank noch in der Anfangsphase befinde. Vor allem ab 2010 erwartet die Bank aber weitere Fortschritte beim Wiederherstellen der operativen Ertragskraft. Das Geschäft beginne sich langsam zu normalisieren.