William Burns freut sich und ist gar für ein Spässchen zu haben. «Ich erkenne immer sofort, ob ich eine Grippe habe oder nur eine Erkältung», sagt der gebürtige Schotte. Ein Raunen geht durch die Reihen. «Neulich war ich zum Beispiel in Edinburgh im Hotel. Da sagt mein Sohn, es liege eine 10-Pfund-Note im Gang - und ich wusste sofort, dass ich wirklich krank war, denn sonst hätte ich die Banknote nicht einfach liegen lassen.» Er hat an diesem Tag, vergangenen Montag, nur Gutes zu vermelden: Roche produziert ganze Berge der gefragten Tamiflu-Kapseln und macht damit 2 Mrd Fr. Umsatz. Die maximale Kapazität beträgt 4 Mrd Kapseln pro Jahr, was etwa dem Bedarf von 400 Mio Behandlungen entspricht. Zudem gibt Roche unentgeltlich weitere 11 Mio Packungen an die Weltgesundheitsorganisation WHO ab. Positiv auch, dass es gelungen ist, die Haltbarkeit von Tamiflu von bisher fünf auf sieben Jahre zu verlängern. Denn die Kapseln, mit denen sich ab 2004 im Kampf gegen die Vogelgrippe viele Länder eingedeckt haben, müssen bald entsorgt werden.

Tamiflu-Medienecho ist Gold wert

Die Simultanübersetzung gibt es am Grossanlass nicht nur auf Deutsch und Französisch, sondern auch auf Russisch. Die Journalistinnen der «Prawda» sind glücklich, denn Englisch ist nicht ihre Stärke. Sie geniessen die Einladung ans Rheinknie. Flüge und Übernachtungen bezahlt Roche. Von überall her sind sie gekommen, an die hundert Journalisten, sogar aus Brasilien und Japan. Der Aufwand dürfte sich für Roche lohnen. Nicht nur die reale, sondern auch die mediale Verbreitung des Wundermittels Tamiflu ist Gold wert. Die Schweinegrippe ist für Roche - so makaber es klingt - ein Geschenk des Himmels.

Nächstes Jahr wechselt der 62-jährige Burns in den Verwaltungsrat. Als langjähriger Weggefährte und Vertrauter von Roche-Präsident Franz B. Humer hat er in seinen 23 Jahren bei dem Konzern viel erreicht. Der Tamiflu-Erfolg ist nun so etwas wie die Krönung seiner operativen Karriere. Zusammen mit Burns treten auf Ende Jahr auch Diagnostikchef Jürgen Schweizer (65) und Forschungschef Jonathan Knowles (62) zurück. Humer beweist einmal mehr ein geschicktes Händchen: Burns Nachfolger wird Genentech-Chef Pascal Soriot (50), er wechselt von San Francisco nach Basel. Geschickt, weil damit die schwieri- ge Integration der US-Tochter wider Willen endlich vorankommen könnte.

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