Seit Wochen pendelt der Euro um 1.46 Fr. Das ist keineswegs nach dem Geschmack der Schweizer Exporteure. Denn so werden ihre in die EU-Länder exportierten Güter teurer, allenfalls zu teuer. Der Euroraum ist mit einem Anteil von mehr 60% an den Schweizer Ausfuhren der weitaus wichtigste Exportmarkt. Grob gerechnet kostet eine Abschwächung des Euro um 1% die Schweizer Wirtschaft rund 1 Mrd Fr.

Straumann: Risiken für die Bilanz

Bei Straumann macht Finanzchef Beat Spalinger kein Geheimnis aus den Währungsrisiken und sagt: «Der gegenüber Euro und Dollar starke Franken hat 2009 unseren Ebit um 15 auf 165 Mio Fr. geschmälert.» Der Zahnimplantatehersteller tätigte 2009 einen Umsatz von 736 Mio Fr. Spalinger befürchtet, dass sich die Wechselkurse auch 2010 negativ auf die Bilanz auswirken könnten. Der Konzern federt die Risiken ab, indem er in der Schweiz, in Deutschland und in den USA produziert. Im Euroraum bleibt aber zwischen den Umsätzen von 49% und den Kosten von 25% eine beträchtliche Differenz. Zur Risikobegrenzung setzen deshalb die Verantwortlichen auch auf finanzielle Hedging-Instrumente wie Termingeschäfte und Devisenoptionen.

Stadler Rail: Marge schmilzt weg

Ausserordentlich verwundbar gegenüber dem Euro ist Fahrzeugbauer Stadler Rail. Denn 80% der Wertschöpfung werden in der Schweiz generiert, wobei im mehrjährigen Durchschnitt zwei Drittel in den Euroraum exportiert werden. Die Euroschwäche hat denn auch bereits Spuren hinterlassen. «Bei bestimmten, vor längerer Zeit erteilten Aufträgen ist jetzt die Marge weggeschmolzen», erklärt Mediensprecher Tim Büchele. «Aus dem gleichen Grund haben wir in jüngster Zeit gewisse Ausschreibungen verloren.»

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Bei Siegfried, einem Hersteller von pharmazeutischen Wirkstoffen, gehen 30% der Produktion in den Euroraum. «Wir haben nicht mit der aktuellen Euroschwäche gerechnet», verrät Finanzchef Michael Hüsler. Er hofft jedoch, dass die ankurbelnde Konjunktur die schwache Währung mehr als wettmachen wird.

Das könnten laut David Marmet, Leiter Volkswirtschaft bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB), denn auch die Chancen für den Export sein: «Der starke Franken wirkt sich zwar negativ aus, aber entscheidender ist für die Schweizer Wirtschaft, dass der Euroraum wieder zum Wachstum zurückfindet.» Der Franken dürfte laut ZKB zwar immer noch Aufwertungspotenzial haben. Doch der Euro werde wohl kaum unter 1.45 Franken fallen. Denn die Nationalbank werde sich einem zu starken Aufwertungsdruck des Frankens entgegenstemmen.

BIP-Wachstum ist entscheidend

Marcus Hettinger, Leiter Devisen bei Credit Suisse Research, verweist auf Analysen. Diese zeigten, dass beim Export die Verwundbarkeit gegenüber Veränderungen des BIP-Wachstums im Ausland rund viermal grösser sei als gegenüber Wechselkursveränderungen. Hinzu komme, dass ein Drittel der Schweizer Unternehmen in Franken fakturieren und so das Wechselkursrisiko auf die ausländischen Importeure abwälzen würden. Zudem würden knapp zwei Drittel der Schweizer Exporteure nicht mit dem Preis, sondern mit ihren Qualitätsvorteilen gegenüber der internationalen Konkurrenz auftrumpfen.

Dieses Argument trifft nur bedingt auf jene vielen KMU zu, die als Zulieferer in den EU-Raum exportieren. Christof Burkard, Leiter Politik beim Branchenverband Swissmechanic, der rund 1300 exportorientierte mittelständische Unternehmen vertritt, hebt hervor, dass KMU gegen-über Wechselkursschwankungen in der Regel viel verwundbarer seien als grosse Konzerne. «Aufgrund der zu geringen Grösse und der kurzfristigen Auftragsabwicklung haben KMU nur beschränkte Möglichkeiten, sich systematisch mittels Hedging gegen die Risiken abzusichern.» Die Swissmechanic-Mitglieder wünschen sich einen stabilen Euro von über 1.50 Fr.

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Die Grosskonzerne sind vom starken Franken und schwächelnden Euro unterschiedlich betroffen. Nestlé zum Beispiel machte für seinen 2009 um 2,1% auf 107,6 Mrd Fr. geschrumpften Umsatz primär Wechselkurseffekte verantwortlich. Es dürfte jedoch nicht einzig am Euro gelegen haben, sondern an weiteren Währungen, die in den letzten Monaten gegenüber dem Franken einbüssten. Bei Novartis, wo die Bilanz in Dollar ausgewiesen wird, erklärt Sprecherin Isabel Guerra: «Massgebend ist für uns das Verhältnis des Euro zum Dollar.»

Sicherheitskonzern Kaba erwirtschaftet rund 40% des Umsatzes im Euroraum, produziert aber auch dort, mit einem Kostenanteil von ebenfalls rund 40%. «Wir verfügen also über einen natürlichen Hedge; den Einnahmen in lokalen Währungen stehen auch Kosten in gleicher Höhe gegenüber», verrät Sprecher Jean-Luc Ferrazzini.

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