Männer wie er gehen nicht in den Ruhestand. Auch im fortgeschrittenen Alter von 67 Jahren braucht Moritz Suter die publikumswirksame Herausforderung - um jeden Preis. Selbst die Übernahme der hochdefizitären Basler Zeitung (BaZ) kann ihn nicht schrecken.

Basels neuer Medienfürst ist ein Mann fürs Grobe. Kaum ein anderer weiss besser, wie man nach brutalen Abstürzen wieder aus dem Tal der Tränen herauskommt. Stellenstreichungen wie demnächst bei der BaZ sind für den ehemaligen Chef der Regionalfluglinie Crossair keine neue Erfahrung. Das riskante Geschäft mit der Fliegerei hat Suter hart gemacht. Frischen Anschauungsunterricht liefert sein turbulenter Präsidentenjob bei der Airline Hello, die er mehrheitlich besitzt.

Die Basler Fluggesellschaft stürzte kurz nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers in ein tiefes Loch. Nur eine Radikalkur konnte das Schlimmste verhindern. Die Flotte musste von sechs auf drei Maschinen zusammengestrichen werden, weil die Kooperation mit Iceland Express nicht verlängert werden konnte. Viele Mitarbeiter verloren ihren Job, der Rest arbeitete kurz.

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Eine Erhöhung des Aktienkapitals von 3 auf 8 Millionen Franken sicherte schliesslich das langfristige Überleben - freilich bei stark geschrumpften Umsätzen. Dieses Jahr schafft Hello gerade mal 50 Millionen Franken, halb so viel wie vor zwei Jahren. Immerhin bleibt ein einstelliger Millionengewinn übrig.

Doch die Durststrecke dürfte bald vorüber sein. Seit wenigen Monaten wird wieder regulär gearbeitet und seit Kurzem gar neues Personal rekrutiert. Zudem werden die bestehenden drei Boeing MD90 bis Mitte 2010 durch vier Airbus A320 ersetzt. Die Sitzplatzkapazität bei Hello wächst dadurch auf fast 700, nachdem sie zuvor auf knapp 500 halbiert worden war.

Geht es nach Hello-Chef Robert Somers klettert der Umsatz im kommenden Jahr wieder auf den Vorkrisenwert von 100 Millionen Franken. Beim Personal erwartet der Chef eine Aufstockung von derzeit 120 auf 180 Angestellte. «In die Anstellung und Ausbildung investieren wir rund 1 Million Franken», ergänzt Somers.

Piepen von Pieper

Patron Suter nimmt die Lorbeeren zur Sanierung allerdings nur ungern für sich allein in Anspruch. Er bezeichnet sich denn auch als non-acting Präsident, was ihm kaum einer so recht glauben mag. «Wir sind der Meinung, dass Hello mit diesen rigorosen Massnahmen und Kostensenkungen für das schwierige Jahr ihre Hausaufgaben gemacht hat und gut gerüstet ist», meinte er vor Monaten gegenüber der «Handelszeitung».

Klar das Verdienst von Suter ist indes die Weichenstellung vor bald zwei Jahren für den heutigen Wachstumsschub: Die Aktienkapitalerhöhung Anfang 2009 war eine vorausschauende Langzeitstrategie, um das Leasing der vier neuen Flugzeuge sicherzustellen. Der Listenpreis beläuft sich total auf über 280 Millionen Dollar.

Überwiegend getragen wurde die Aktienkapitalerhöhung dem Vernehmen nach von Michael Pieper, Patron der Küchenbaufirma Franke und Freund von Moritz Suter aus alten Crossair-Zeiten. Dies geschah jedoch nur in dem Ausmass, dass Suter Mehrheitsaktionär von Hello blieb; er hält also mindestens 50,1 Prozent. Pieper zeichnet seitdem als Mitinhaber sowie Verwaltungsratsmitglied. Zwei stille Minderheitsteilhaber vervollständigen das Aktionariat. Wie von einem ehemaligen Top-Manager der Basler Airline zu erfahren ist, wollte Moritz Suter nie mit Geld von Freunden spekulieren.

Mehrere Abgänge

Im Gegensatz zum neuen Expansionskurs bei Flugzeugen und Angestellten musste die Geschäftsleitung von Hello kürzlich Federn lassen: Prominentester Abgang war Rolf Ringwald, ehemaliger Ground Operations Manager & Operations Coordinator und Chief Commercial Officer ad interim von Hello. Der Deutsche arbeitet seit wenigen Monaten für Swiss Private Aviation, die Geschäftsfliegerei-Tochter im Lufthansa-Konzern, in leitender Funktion.

«Ich bin freiwillig gegangen - und zwar ohne ‹bad feelings›», erklärt Ringwald. Er sei seit der Gründung der Fluggesellschaft beinahe sechs Jahre für das Unternehmen tätig gewesen. Noch letzten Samstag habe er mit Robert Somers, dem irischen CEO der Basler Airline, gegessen. «So, wie ich es beurteilen kann, ist die Zukunft von Hello mit den neuen Airbus A320 auf die nächsten Jahre hinaus gesichert», meint Ringwald. Der Schweizer Markt habe die Umflottung bestens aufgenommen und auch die hiesigen Reiseveranstalter machten wieder mit.

Selbst zu Moritz Suter habe er weiterhin ein kollegiales Verhältnis. «Wir haben zusammen eine Firma aufgebaut.» Ringwald kennt ihn seit seinen Jahren bei Crossair und Swiss von 1991 bis 2004. «Wir telefonieren ab und zu», sagt der ehemalige Kadermann von Suter. «Klar, ist er ein Unternehmer der alten Schule.» Was man nun auch bei der Übernahme der Basler Zeitung (BaZ) sehe. «Er ist aber auch ruhiger geworden.» Als Besitzer gebe Suter die strategische Richtung zwar unmissverständlich vor. «Er diktiert hingegen nie und mischt sich nicht ins Tagesgeschäft ein. Man muss die Dinge nicht umsetzen, wie er es will», so Ringwald.

Finanzieller Atem

Anekdoten über den schillernden Suter will Ringwald keine erzählen. «Zweifelsfrei erlebt man mit ihm Schwänke», sagt er und schweigt. Wichtiger ist ihm die Botschaft, dass Hello sogar im vergangenen Krisenjahr solide aufgestellt war. «2009 war für uns alle ein Krampf», erinnert er sich, doch Sorgen wegen einer Schliessung habe man sich nie gemacht. «Wir haben bewusst spekuliert, dass unser Geschäft wieder anzieht. Zudem haben wir gewusst, dass wir dank der Aufstockung des Aktienkapitals dafür den finanziellen Atem haben.»

Das mit den Anekdoten rund um Moritz Suter ist so eine Sache. Weder aktuelle Kaderleute noch ehemalige Top-Manager plaudern aus dem Nähkästchen. Was seine Rolle als Patron betrifft, sagt René Donno, seit einem Jahr Geschäftsleitungsmitglied von Hello, stellvertretend: «Moritz Suter ist als Verwaltungsratspräsident immer verfügbar, mischt sich aber nicht in unser Tagesgeschäft ein.»

Leute, die ihn sowohl vom Crossair-Ende als auch vom Hello-Start kennen, sind sich allerdings nicht ganz sicher, ob er seine Fluggesellschaft langfristig in der Luft halten kann. «Ich weiss nicht, ob das noch die Fliegerei ist, wie sie sich Moritz Suter vorstellt», meint ein langjähriger Weggefährte. Die Welt verändere sich und auf eine unabhängige Schweizer Charter-Airline habe niemand gewartet. Trotzdem habe er grossen Respekt, dass Suter es als Unternehmer nach Crossair mit Hello nochmals gewagt habe.