Die Ursachenforschung für das Subprime-Debakel in den USA und die nachfolgende Finanzmarktkrise hat erst begonnen. Jetzt schon lässt sich jedoch anhand der vorliegenden Studien ableiten, dass eine zunehmend oberflächlichere Überprüfung der Kreditnehmer am Anfang der Turbulenzen stand. Ab dem Jahr 2000 haben sich die Ausleihungen am US-Hypothekarmakt verdreifacht. Diese Volumenausweitung hat gemäss einer IMF-Untersuchung neue Anbieter auf den Markt gerufen. Aggressive neue Kreditverleiher sorgten dafür, dass auch die angestammten Geldgeber ihre Ausleihpolitik lockerten.

Schlechte Dokumentation

Mit dem Anstieg der Häuserpreise in einer Region und der wachsenden Branchenkonkurrenz ist die Ablehnungsrate bei der Vergabe von Krediten markant gefallen. Der Kreditboom hatte zwei negative Effekte: Einerseits waren die Banken wegen den gesteigerten Aktivitäten gezwungen, mehr tiefer qualifiziertes Personal einzustellen, und andererseits drückten die Verantwortlichen in einem Kreditinstitut bei der Bonitätsüberprüfung ein Auge zu, um von einem Marktanteilsgewinn zu profitieren.

Bereits früher haben Studien der Weltbank gezeigt, dass die meisten Finanzkrisen mit der starken Ausweitung bestimmter Kredite in Verbindung stehen. Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph E. Stiglitz hat als ehemaliger Weltbank-Chefökonom eigentliche «Geschwindigkeitslimiten» empfohlen, damit eine Bank ihr Kreditportfolio nicht zu schnell ausdehnt. Genau das ist aber im jüngsten Fall geschehen, und damit war auch klar, dass ein grosser Anteil schlechter Kredite darunter sein musste. Dazu kam die vermehrte Securitisation im Hypothekarbereich. An einer Tagung der BSI Gamma Foundation präsentierte Amit Seru von der University of Chicago eindrückliche Zahlen zur nachlässigeren Erfassung der Kreditrisiken. Während 2001 lediglich bei rund einem Viertel der vergebenen Kredite eine niedrige Dokumentation registriert wurde, war dies fünf Jahre später bereits bei knapp der Hälfte der Fall.

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Die Rating-Agenturen waren in der Phase des Kreditbooms allein schon deshalb keine verlässlichen Partner, weil sie teils Finanzprodukte und Geldinstitute bewerteten, von denen sie bezahlt wurden. Selbst nach Ausbruch der Krise und einer markanten Verschlechterung der Finanzrisikoprofile wurden die Bonitäten nur leicht reduziert und der stabile Ausblick beibehalten.

Abschreibungsbedarf

Stiglitz vertritt die Meinung, dass Interessenkonflikte zwischen Rating-Agenturen und Banken konsequent zu eliminieren sind. Zudem sind die Finanzprodukte aus seiner Sicht transparenter zu gestalten. Ürsprünglich war mit der Securitisation die Annahme verbunden, dass damit die Bankbilanzen entlastet würden. Die Verbriefung der Schulden sollte zu einer breiten Verteilung auf die Anleger führen. Faktisch sind diese Schulden allerdings in den Bilanzen geblieben. Das ist für die Wirtschaftsprüfer auch im laufenden Jahr eine echte Herausforderung (siehe Kasten). Es gilt, den aktuellen und den künftigen Abschreibungsbedarf möglichst genau abzuschätzen. Wird mit Bewertungsmodellen gearbeitet, weil kein Marktpreis vorhanden ist, sind die getroffenen Annahmen ausschlaggebend für die Berechnung des Fair Value. Dabei können sich jedoch gerade bei Liquiditätsengpässen innert kürzester Zeit Veränderungen ergeben.