Warum kennt die Schweizer Werbeszene nur so wenig Frauen in höheren Positionen? Wären die nicht besser punkto Intuition und Emotionalität?

Danielle Lanz: Ich glaube nicht, dass man als emotionaler Mensch bessere Werbung macht. Wichtig ist, dass man fähig ist, das Wesentliche möglichst auf den Punkt zu bringen. Und das hat mehr mit guter Auffassungsgabe, logischem Denken und mit Talent zu tun als mit Emotionalität.

Warum gibt es in Cannes für die Schweiz oft so wenige Löwen?

Lanz: Da muss man differenzieren: Bei den renommierten internationalen Werbefestivals wie Cannes steht die Schweiz im Verhältnis zu ihrer Grösse durchaus gut da. In der Spitze kann die Schweiz international durchaus mithalten. Aber der Durchschnitt der Werbung ist tatsächlich miserabel. Das ist er aber überall, auch in den gelobten Werbeländern wie England oder Brasilien.

Trotzdem spielt die Musik woanders. Viele gute Köpfe wandern nach Frankfurt, London oder sonst wo hin aus. Warum?

Lanz: Das nehmen wir bei Ruf Lanz nicht so wahr. Wir erhalten praktisch jede Woche Bewerbungen von Talenten aus dem Ausland, allen voran aus Deutschland. Wir nehmen nicht an, dass die alle nur vor hohen Steuern flüchten wollen. Heute findet ein Talent-Verkehr in beide Richtungen statt, von dem auch beide Seiten profitieren.

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Sie sind dieses Jahr Jury-Mitglied in der Kategorie «Promotionen» in Cannes. Können Sie der Schweizer Werbung damit helfen?

Lanz: Selbstverständlich versuche ich, ein gutes Wort für die Schweizer Werbung einzulegen ? vorausgesetzt, ich finde eine Arbeit auch wirklich herausragend.

Das klingt nicht gerade optimistisch.

Lanz: Die Schweizer haben gegenüber grossen Ländern wie Amerika oder auch Deutschland oft den Nachteil, dass man die Marken, für die sie werben, international nicht kennt. Wenn unter einer herausragenden Anzeige Levis oder Mercedes-Benz steht, macht es beim Juror natürlich schneller Klick als bei unseren lokalen Brands. Wenn eine Arbeit wirklich gut ist, erkläre ich in Cannes gerne den Kontext.

Rechnen Sie sich für Schweizer Beiträge in der Promo-Kategorie Löwen-Chancen aus?

Lanz: Die Kategorie Promo gibts in Cannes erst seit einem Jahr. Sie ist aber der langjährigen Kategorie Direct Lions sehr ähnlich, und dort hat die Schweiz in den vergangenen Jahren nicht schlecht abgeschnitten ? jedenfalls zumindest deutlich mehr Preise als in der Kategorie Film und Print gewonnen.

Wie viele Arbeiten wurden letztes Jahr in der Kategorie Promo eingereicht? Und wie viele davon haben gewonnen?

Lanz: Aus 47 Ländern wurden rund 800 Arbeiten eingereicht, davon 24 aus der Schweiz. Nur gerade 20 der eingereichten 800 Arbeiten bekamen einen Lion. Man sieht, es wird ziemlich hart juriert. Und man kann stolz sein, wenn man einen Löwen nach Hause tragen kann.

Wie viele Löwen haben Sie bei Ruf Lanz schon gewonnen?

Lanz: In den vergangenen drei Jahren konnten wir insgesamt 4 Löwen sowie 13 Nominationen nach Hause tragen. Das heisst, wir haben sie uns schicken lassen. Diese Dinger sind ganz schön schwer ?