Die wirtschaftliche Abkühlung hat die Saläre der Top-Manager 2008 nach unten gedrückt. Ein Lohnvergleich der «Handelszeitung» bei den 55 grössten Schweizer Unternehmen (siehe Kasten) zeigt, dass sich das durchschnittliche Gehalt eines Geschäftsleitungsmitglieds um 16% auf knapp 2 Mio Fr. zurückgebildet hat. Bereits im Jahr zuvor hatte die Finanzmarktkrise bei den gleichen Firmen für eine leichte Verringerung der Spitzenlöhne um 2% gesorgt.

Niedrigere Bonuszahlungen

Der verschlechterte Geschäftsgang liess die Bonuszahlungen nicht nur bei den Banken nach unten gleiten, auch in der Industrie und bei den Handelsfirmen fielen die variablen Vergütungen teilweise markant niedriger aus. Bei knapp zwei Dritteln der untersuchten Gesellschaften lag der Durchschnittsverdienst für die Spitzenleute tiefer. Vergütungsexperte Hans Münch von Towers Perrin geht davon aus, dass sich die Talfahrt bei den Managerlöhnen wegen der konjunkturellen Verlangsamung auch im laufenden Jahr fortsetzt (siehe Interview).

Im Bankensektor wurde bei den grössten Instituten durchwegs weniger verdient. Die mit Staatsgeldern gerettete UBS hat ihre Konzernleitungsmitglieder mit durchschnittlich 750000 Fr. entschädigt, nachdem es im Vorjahr noch 4,8 Mio Fr. waren. Damit ist die Grossbank im nationalen Lohnvergleich auf eine hintere Position abgerutscht. An der Ranglistenspitze verbleibt die Credit Suisse, obwohl sich die Vergütung auf 7,1 Mio Fr. fast halbiert hat. Deutlich rückläufig sind die Gehälter auch bei den Vermögensverwaltungsbanken Julius Bär und Vontobel. Die Zürcher Kantonalbank schliesst sich diesem Abwärtstrend an.

Anzeige

Etwas weniger ausgeprägt sind die Lohnkürzungen im Versicherungssektor. Auch nach einem Abschreiber in Milliardenhöhe rangiert das Management der Swiss Re hinter der CS auf Platz zwei. Die Zurich Financial Services hält sich als global operierender Versicherer trotz verminderten Spitzensalären innerhalb der Top Ten. Bei der Bâloise sind die Vergütungen gestiegen, weil sich vorübergehend eine Doppelfunktion mit Rolf Schäuble als CEO und VR-Präsident ergab. Swiss Life und Helvetia weisen niedrigere Löhne aus.

Die beiden Pharmamultis Novartis und Roche haben die Plätze getauscht. Das hängt auch mit der führungsmässigen Entflechtung an der Spitze von Roche zusammen. Franz Humer hat das Doppelmandat als Verwaltungsratspräsident und CEO aufgegeben. Dies führte unter anderem zu einem niedrigeren Verdienst in der Konzernleitung von 5,4 Mio Fr. Die Top-Manager von Novartis liegen jetzt knapp darüber, wobei Daniel Vasella mittlerweile als bestverdienende Schweizer Führungskraft noch als einzige Person beide Spitzenpositionen im Aufsichtsgremium und Management bekleidet.

Mit Nestlé, Holcim und Richemont sind drei weitere Grosskonzerne unter den zehn Gesellschaften mit dem höchsten Durchschnittsverdienst zu finden. Eine im letzten Jahr anfänglich noch gute Konjunktur sorgte beim Luxusgütermulti Richemont für einen markanten Lohnanstieg von 3,6 Mio auf 5,1 Mio Fr. Demgegenüber lagen die Vergütungen bei Nestlé und Holcim im Jahresvergleich leicht tiefer. Nochmals aufwärts ging es auch beim Reisekonzern Kuoni, obwohl die Tourismusbranche bereits an Schwung verlor.

Der Wirtschaftseinbruch hat bei den zyklischen Industriewerten Georg Fischer und Rieter auf das Ergebnis und die Entlöhnung durchgeschlagen. Beide Traditionsfirmen übertrafen 2007 erstmals die Millionengrenze, sind aber im letzten Jahr aufgrund der schlechten Performance wieder unter diese Marke gefallen. Ähnlich wie an der Konzernspitze kam es bei Georg Fischer erstmals in der Schweiz auch zu Kürzungen für einen Teil der Rentner.

Anzeige

Licht und Schatten prägten in den vergangenen Jahren OC Oerlikon. Beim Technologiekonzern schnellten die Vergütungen unter dem Diktat von kurzfristig orientierten Finanzinvestoren auf 3,8 Mio Fr. hoch. Durch die wirtschaftliche Verlangsamung haben sich die Löhne auf 1,2 Mio Fr. reduziert, vergleichbar mit der Entschädigung bei Sulzer (1,5 Mio Fr.), einem Unternehmen, das heute ebenfalls im Einflussbereich des russischen Oligarchen Viktor Vekselberg steht.

Schindler hat die Saläre im Top-Management in den vergangenen Jahren ständig angehoben, zuletzt auf durchschnittlich knapp 2 Mio Fr. Alfred N. Schindler ist als gewichtiger Familienaktionär und Firmenlenker mit 7,4 Mio Fr. unter die zehn bestverdienenden Chefs aufgestiegen. Eine vergleichbare Rolle kommt auch Hansjörg Wyss bei Synthes zu. Der Verdienst von 3,4 Mio Fr. für ein Konzernleitungsmitglied reicht bei der Medizinalfirma erstmals für einen Platz unter den Top Ten. Die hohe Antrittsentschädigung für CEO Joe Hogan liess die durchschnittlichen Vergütungen bei ABB von 3,8 Mio auf 5,6 Mio Fr. hochschnellen. Bei Clariant gab es im Verlauf des Jahres diverse Wechsel in der Konzernleitung, die zu einer höheren Vergütung führten.

Anzeige

Wenige Verschiebungen gab es bei den Detailhändlern Migros und Coop. Die national ausgerichteten Genossenschaften entschädigten ihre Geschäftsleitungen mit je gut 600000 Fr. Im Vergleich zu ausländischen Retailern mit einer ähnlichen Umsatzgrösse, aber einer Aktiengesellschaft als Rechtsform, sind das moderate Vergütungen. Im Energiesektor steht Atel (neu: Alpiq) mit einem Durchschnittssalär von 1,4 Mio Fr. an der Spitze.

Staatsbetriebe im Vergleich

Bei den staatsnahen Unternehmen liegen die Spitzenlöhne der Swisscom noch knapp über der Nationalbank, die mit der erhöhten Verantwortung im Zuge der Finanzmarktkrise deutlich zugelegt hat. Dahinter folgt die Post (584000 Fr.) bereits mit klarem Abstand, während die Ruag (533000 Fr.) und die SBB (521000 Fr.) am Ende der Lohnrangliste figurieren.