Für die griechischen Banken ist der Heimmarkt mit rund 11 Mio Einwohnern längst zu klein geworden. In den Boomjahren haben sie zunächst in die Nachbarländer der Balkanregion expandiert. Später folgten Neueröffnungen und Übernahmen in der Türkei, Ägypten, der Ukraine, Polen und Russland. Diese Expansion wurde durch die Finanzkrise im letzten Jahr gestoppt. Die Engagements im Ausland repräsentieren mittlerweile einen substanziellen Anteil an der gesamten Kapitalisierung. Takis Arapoglou, Chef der National Bank, schätzt allein die Aktivitäten in der Türkei auf rund ein Drittel der Kapitalisierung seiner Bank. Bis die finanziellen Turbulenzen einsetzten, trug das Auslandgeschäft überproportional zum Wachstum bei. Jetzt werden die weiteren Expansionsschritte allerdings in einem verlangsamten Rhythmus vorgenommen.

Rettungsring

Die gesamte Bankenbranche wurde mittlerweile von der internationalen Finanzmarktkrise voll erfasst. Obwohl die Geldinstitute wegen der wenig ausgeprägten Verbindung in die USA kaum toxische Kredite in ihren Büchern aufwiesen, schlägt nun die Verschlechterung in der realen Wirtschaft auf die Bankbilanzen durch. Branchenkenner gehen davon aus, dass sich der Anteil an notleidenden Darlehen in diesem Jahr verdoppeln könnte. In dieser kritischen Situation hat sich die Regierung zu einer Stützungsaktion für die Banken entschieden. Der Staat greift den Geldinstituten mit bis zu 28 Mrd Euro unter die Arme (siehe Kasten). Anfänglich herrschte bei den Banken noch Uneinigkeit, ob der Rettungsring auch wirklich ergriffen würde. Die andauernde Liquiditätsverknappung hat aber rasch zu einem Meinungsumschwung geführt.

Zunächst gilt es, die Liquidität bei den Banken durch den Einschuss von zusätzlichen Mitteln zu stärken. Aus dem Banken-Hilfsfonds wurden bereits je knapp 1 Mrd Euro an die EFG Eurobank und die Alpha Bank, die Nummern zwei und drei hinter Marktleader National Bank, ausbezahlt. Bei der Eurobank entspricht dies rund 40% der Marktkapitalisierung, während es bei der Alpha Bank etwa ein Drittel ist. Schliesslich erhält die staatlich kontrollierte Agricultural Bank of Greece einen Liquiditätszuschuss von 675 Mio Euro. Der Staat übernimmt im Gegenzug neue Vorzugsaktien ohne Stimmrecht. Damit wird sichergestellt, dass sich die Regierung nicht umfassend in die Strategie des Managements einschaltet. Sie hat aber ein Vetorecht, wenn es um die Fixierung der Chefgehälter, die Bonuszahlungen und die Dividenden geht.

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Wie stark sich mit diesen Massnahmen die Kredittätigkeit der Banken ausweitet, bleibt allerdings abzuwarten. Weil die Geldinstitute ihre Kreditvergabe in den letzten Monaten stark gedrosselt haben, leiden vor allem die kleinen und mittleren Unternehmen an Liquiditätsengpässen. Das ist auch eine Chance für kleinere Banken, die sich in Nischenmärkten etablieren können. Nach den Beobachtungen von Christos Sorotos, CEO der Aspisbank, sind jetzt bedeutend mehr Kunden bereit, die Bankverbindung zu wechseln: «Das eröffnet gute Wachstumsmöglichkeiten.»

Vertrauensfrage

Bei der griechischen Notenbank wird damit gerechnet, dass sich der Anteil der notleidenden Kredite im laufenden Jahr um 80% erhöhen wird. Entsprechend dürften weitere Banken die staatlichen Liquiditätshilfen in Anspruch nehmen. Die Gelder werden jedoch nicht à fonds perdu an die Geldinstitute ausbezahlt. Gemäss dem Stützungsplan wird erwartet, dass die Banken die vom Staat übernommenen Vorzugsaktien innerhalb von fünf Jahren zurückkaufen und annullieren.

Mit den Liquiditätsspritzen versucht die Regierung der Wirtschaft wieder Leben einzuhauchen. Das gelingt aber nur, wenn die Banken das zusätzliche Geld auch an den Markt weitergeben. Finanzexperte Minos Zombanakis sieht darin das grösste Problem: «Niemand traut dem anderen.» Als Folge davon wird noch immer kaum Geld unter den Banken ausgeliehen. Kommt dazu, dass die Geschäftsbanken nur zögerlich Rückstellungen tätigen, um ihre Bilanzen nicht zu belasten. Kritisch ist die Situation vor allem bei den Konsumkrediten, wo die Marktkenner mit einer Verdoppelung der Ausfälle rechnen.