Dank des schwachen Euros und Dollars sind Reisen ins Ausland so günstig wie schon lange nicht mehr. Die Reisebüros geben die Währungsdifferenzen nach eigenen Angaben zwar an die Kunden weiter - mit konkreten Zahlen halten sie sich allerdings bedeckt.

Am Strand liegen und die Seele baumeln lassen: Diesen Sommer kostet das süsse Nichtstun an Europas Stränden bis zu 20 Prozent weniger als im Sommer 2010.  Bei Hotelplan Suisse fahren Kunden zwischen 5 und 20 Prozent günstiger als im Vorjahr, wie Firmen-Sprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagt.

Die Preise könnten allerdings noch tiefer sein: Denn die Kataloge für die Sommerferien wurden bereits im vergangenen Winter gedruckt - Anfang Dezember kostete ein Euro rund 1.32 Franken.

Die Schweizer Reisebüros, die viele Angebote in Euro einkaufen, handelten mit ihren europäischen Geschäftspartnern auch die Preise für ihre Hotelangebote oder Arrangements zu diesem Zeitpunkt aus. Im Vergleich zum aktuellen Kurs verlor der Euro seit damals gegenüber dem Schweizer Franken rund 10 Prozent.

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Druck steigt mit jedem Rappen

Die Schweizer Reisebüros passen nun nicht alle Preise an, auf Anfrage bieten jedoch viele Zusatzangebote, um mit dem tiefen Eurokurs mitzuhalten. Denn der Konkurrenzdruck spiele in der Branche, sagt Walter Kunz, Geschäftsführer des Schweizerischen Reisebüro-Verbandes (SRV). «Der Druck auf die Schweizer Reisebüros steigt mit jedem Rappen, den der Euro verliert», erklärt er.

Die Kunden seien sehr preissensibel geworden. «Sie vergleichen die Preise auch im Internet mit ausländischen Anbietern», hält Kunz fest.

So passt etwa Hotelplan die Preise für Sonderangebote, Last-Minute-Reisen sowie seine «Direkt-Reisemarken» Denner Reisen und Migros Ferien regelmässig an, wie Sprecherin Huguenin-dit-Lenoir sagt.

Kuoni hat unter anderem für seine Helvetic Tours- und Städtereisen ein flexibles Preissystem eingeführt. «Die Kunden erfahren am Telefon, im Internet oder im Reisebüro die aktuellen Preise», erklärt Kuoni-Sprecher Peter Brun. Richtpreise seien jedoch im Katalog.

Auch die SBB passen den Umrechnungskurs für den Euro bei Europa-Reisen vierteljährlich an. Die letzte Anpassung erfolgte im Juni.

Reisebüros geizen mit Zahlen

Nachrechnen lassen sich die Angaben der Reiseveranstalter jedoch nicht. Denn keine der angefragten Firmen wollte den Euro-Kurs nennen, nach dem die aktuellen Preise berechnet werden. Sie machten «Konkurrenzgründe» geltend.

«Reiseveranstalter sind doch kein Bazar», sagt Kuoni-Sprecher Brun. Es könne nicht sein, dass die Reisebüros ihre Preise wie an der Börse dauernd anpassen müssten. Beispielsweise Autos oder Kleider würden ja auch nicht jeden Tag günstiger oder teurer.

Wie auch immer: Schweizer Touristen profitieren selbst ohne Wechselkurs-Rabatte der Reisebüros in den Sommerferien im Euroland. Wer etwa übers Internet Unterkünfte direkt bucht, kann dies zum tagesaktuellen Währungskurs tun. Zudem sind auch Verpflegung oder Souvenirs dank des starken Frankens für Schweizer Touristen günstiger.

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Günstige Zukunft

Strandferien im südlichen Europa erleben denn auch einen Boom, wie Branchenvertreter Kunz bestätigt: «Reisen ins Ausland sind zurzeit äusserst attraktiv.» Das komme auch den Schweizer Reiseveranstaltern zugute.

Momentan drucken diese übrigens die Kataloge für die kommenden Winterferien. «Es sieht super aus», schwärmt Kunz. Denn dank der heutigen Währungssituation des Euro und des Dollars könnten die Reisebüros noch günstiger kalkulieren. Etwa Reisen in die USA, Karibik oder auch nach Asien, die in Dollar verrechnet werden, dürften fürs Schweizer Portemonnaie attraktiv werden.

(cms/laf/sda)