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Der Start war noch gut, das Ende harzig

Der im 2. Halbjahr einsetzende Abschwung der Konjunktur hat etlichen Schweizer Konzernen erheblich zu schaffen gemacht. Dennoch konnte eine ganze Reihe von Unternehmen für das Jahr 2008 durchaus erfre

Von Kurt Bahnmüller
am 30.06.2009

Begonnen hatte das Geschäftsjahr 2008 gar nicht so schlecht. Zumindest die ersten sechs bis acht Monate brachten vielen Unternehmen durchaus noch akzeptable Ergebnisse bei Umsatz und Ertrag. Doch vom Herbst an begann es bei vielen Firmen zu kriseln. Die Umsätze bildeten sich zurück, die Aus- lastung der Fertigungsanlagen wurde geringer und schliesslich schrumpften auch noch die Gewinne zusammen. Gegen Ende Jahr stellte sich deshalb bei vielen Firmen Katerstimmung ein. Erste Überlegungen punkto Reduktion der Produktion - und damit der Zahl der Arbeitskräfte - wurden angestellt. Darauf folgte in den ersten Monaten dieses Jahres in etlichen Betrieben Kurzarbeit.

Nimmt man die neuesten Zahlen der 500 grössten hiesigen Industrie-, Handels- und Dienstleistungsfirmen - zusammengestellt von Dun & Bradstreet (Schweiz) und der «Handelszeitung» - näher unter die Lupe, so stellt man fest, dass nicht wenige Firmen das Geschäftsjahr 2008 - den teils widrigen Umständen zum Trotz - mit überraschend guten Ergebnissen abschlossen. Andere Branchen wiederum, beispielsweise die Zulieferer in der Automobilindustrie, wurden von der rückläufige Konjunkturentwicklung hart erfasst. Dabei mussten einige namhafte Konzerne rote Zahlen schlucken.

Mehr als die Hälfte legte noch zu

Andererseits gibt es Unternehmen, welche trotz Krise ihre Umsätze noch in erfreulichem Masse steigern konnten, wie aus der Tabelle «Sie wuchsen am stärksten» hervorgeht. Verschiedentlich allerdings resultiert die teils starke Zunahme auf Zukäufen von Firmen und weniger auf eigenem internem Wachstum.

Dass 2008 gar nicht so schlecht ausgefallen ist, zeigt zudem die Tatsache, dass immerhin rund 260 Firmen ihren Umsatz steigern konnten; demgegenüber stehen rund 100 Firmen, die weniger umsetzten. 35 Firmen konnten ihren Umsatz 2008 um über 20% steigern, weitere 65 vergrösserten ihr Umsatzvolumen letztes Jahr zwischen 10 und 20%.

Auch die neuste Liste der grössten Schweizer Industrieunternehmen, Handels- und Dienstleistungsfirmen wird vom Rohstoffhandelsunternehmen Glencore International AG angeführt. Auf den folgenden vier Plätzen hat sich im Vorjahresvergleich ebenfalls nichts geändert. Auf den Rängen 2 bis 5 figurieren Nestlé, Roche, Novartis und ABB. Cargill International schob sich mit einem Umsatzwachstum von rund 35% auf den 6. Rang vor, während der vorjährige Sechste, Xstrata (Schweiz), auf den 10. Platz abrutschte.

141 Umsatzmilliardäre - plus 2

In der diesjährigen «Top-500-Liste» der grössten Industrie-, Handels- und Dienstleistungsfirmen sind insgesamt 141 Umsatzmilliardäre aufgeführt, zwei mehr als im vergangenen Jahr. Den Sprung in den exklusiven Klub der Umsatzmilliardäre schafften vier Firmen, nämlich die Energiedienst Holding, die Migros-Tochter Micarna SA, die Fritz Meyer Holding AG und die Kudelski AG.

Mehr Umsatz ist das eine; diese Verbesserung sollte aber auch mit einem höheren Ertrag verbunden sein. Ein Blick auf die Tabelle «Die 30 Firmen mit dem höchsten Ebit» zeigt, dass 2008 auch ertragsmässig für nicht wenige Unternehmen (noch) recht erfolgreich verlief. 14 Konzerne erzielten ein Betriebsergebnis von mehr als 1 Mrd Fr. Nestlé und Roche erreichten gar ein Ebit von über 10 Mrd Fr. Zehn Konzerne konnten ihr Betriebsergebnis verdoppeln. Insgesamt haben von den rund 200 Firmen, welche das Betriebsergebnis publizieren, deren 90 einen höheren Ebit-Betrag erzielt, während 100 Firmen ein geringeres Betriebsergebnis ausweisen müssen.

Beim Gewinn hapert es

Ähnlich sieht es bei der Entwicklung des Gewinns aus; von den rund 200 Firmen, die diesen veröffentlichen, erzielten deren 70 eine Steigerung, während 125 Firmen einen geringeren Reingewinn im Vergleich zum Vorjahr ausweisen mussten. Zehn Unternehmen gelang es, den Reingewinn zu verdoppeln, elf weitere Firmen steigerten diesen zwischen 50 und 100%. 16 Firmen gelang noch eine Verbesserung des Reingewinns zwischen 20 und 50%.

22 Firmen mit roten Zahlen

Die schwieriger gewordenen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen führten dazu, dass insgesamt 22 Firmen das vergangene Jahr mit roten Zahlen abschliessen mussten, wie aus der Tabelle «Sie schrieben 2008 rote Zahlen» hervorgeht. Davon mussten sechs Firmen gar ein Minus zwischen 180 und 565 Mio Fr. ausweisen. Der Ascom Holding gelang letztes Jahr anderseits die Rückkehr in die schwarzen Zahlen.

Franken wird zweimal gedreht

Aufschlussreich ist ein Blick auf die Tabelle der grössten Investoren. Von den rund 150 Firmen, welche Auskunft über ihren Mittelfluss geben, haben immerhin deren 80 die Ausgaben für Sachanlagen erhöht, zehn von ihnen gar verdoppelt.

Weitere 35 Konzerne steigerten ihre Investitionen zwischen 20 und 100%. Andererseits haben knapp 60 Firmen ihr Investitionsbudget letztes Jahr verringert.

Gehaltene Zahl der Arbeitsplätze

Welche Auswirkungen hat die konjunkturelle Talfahrt auf die Zahl der Arbeitsplätze in Schweizer Unternehmen? Aufgrund der vorliegenden Zahlen sieht die Situation - fokussiert auf das Jahr 2008 - gar nicht so schlecht aus. Von den 500 Firmen geben etwas mehr als 300 die Zahl der Beschäftigten an. Von diesen haben letztes Jahr immerhin 195 Firmen die Zahl der Arbeitsplätze erhöht, einige von ihnen sogar mit zweistelligen Zuwachsraten. In der Mehrzahl der Fälle allerdings bewegt sich die Zunahme der Zahl der Beschäftigten im einstelli- gen Prozentbereich. Knapp 90 Firmen haben anderseits ihre Belegschaft reduziert.

Starker Grosshandel

In der diesjährigen Liste der grössten Firmen der Schweiz figurieren Unternehmen aus über 80 Branchen. Bei stark diversifizierten Konzernen und Unternehmensgruppen wird es allerdings im- mer schwieriger, diese einer bestimmten Branche zuzuordnen. In der neusten Liste steht der Grosshandel an der Spitze mit diesmal 33 Firmen, gefolgt von der Maschinenindustrie und der Nahrungsmittelbranche mit je 30 Firmenvertretern.

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