Helvetic-Airways-CEO Bruno Dobler ist für das am 1. April 2008 gestartete neue Geschäftsjahr zuversichtlich. Er rechnet wie im Vorjahr mit rund 500000 Passagieren, einer Sitzauslastung von durchschnittlich 60% und einem Gewinn von erneut rund 5 Mio Fr. Zum ersten Mal seit der Gründung vor fünf Jahren hat die Fluggesellschaft in der Geschäftsperiode 2007/08 statt roter Zahlen einen Betriebsgewinn von 5 Mio Fr. eingeflogen.

«Wir sind gut unterwegs», sagt Dobler, kann aber nicht verhehlen, dass das Tempo des Aufschwungs bei Helvetic nicht so rasant ist wie noch vor einem halben Jahr erhofft. Damals kündigte der CEO auf den Frühling 2008 an, für ei- ne schuldenfreie Helvetic eine fünfte Maschine des Typs Fokker 100 in Betrieb zu nehmen. Diese wollte er in den Linienbetrieb integrieren.

Schulden bei Patinex

Beide Ziele wurden verfehlt. Die Helvetic-Flotte umfasst weiterhin vier Flugzeuge, drei davon stehen über ein sogenanntes Wet-Lease-Abkommen inklusive Crew vollständig für die Swiss im Einsatz. «Der Flottenausbau hat sich aufgrund der zurzeit teuren Marktpreise für Flugzeuge verzögert», begründet Dobler.

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Wahrscheinlicher ist, dass Helvetic-Besitzer Martin Ebner vor einem allfälligen Ausbau zuerst seine offenen Schulden eintreiben will. Über seine Beteiligungsfirma Patinex hat Ebner insgesamt 50 Mio Fr. in die Rettung von Helvetic gesteckt. 15 Mio davon in Form eines Kredits, der bis heute nicht vollständig zurückbezahlt ist. Bruno Dobler versichert, dass der zurzeit noch offene einstellige Millionenbetrag bis Ende des Sommerflugplans im Oktober 2008 beglichen und Helvetic Airways zu 100% eigenfinanziert sei.

Fraglich ist trotzdem, ob es für Helvetic Sinn machen würde, ein zweites Flugzeug im Linienverkehr einzusetzen. Mit den heute 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hätte es laut Dobler genug Personal. Auch bezüglich der Ausbildung von zusätzlichen Piloten sitzt Helvetic an der Quelle, seit kürzlich Helvetic-Inhaber Ebner seinem CEO Dobler dessen Flug-schule Horizon abgekauft und mit einem neuen Flugsimulator ausgerüstet hat.

Zu bezweifeln ist allerdings, ob eine zweite Helvetic-Linienmaschine im Markt bestehen könnte. Unter Ebner wurde das einst grosse Streckennetz auf heute sieben Destinationen in Italien, Spanien und Kosovo reduziert. Dies reicht im Winterhalbjahr nicht einmal, um ein Flugzeug genügend auszulasten.

Kooperation im Fokus

Wenn also Helvetic Airways den eigenen Linienbetrieb ausbauen wollte, müsste man sich auf neue Destinationen wie Barcelona, Wien oder London vorwagen, welche die Fluggesellschaft in den vergangenen Jahren allesamt wegen Verlusten aus dem Streckennetz gekippt hat.

Aus diesem Grund schweben Dobler und Ebner, der jüngst sogar von einem möglichen Flottenausbau der Helvetic auf bis zu 20 Flugzeuge sprach, wohl viel eher die Intensivierung des Wet-Lease-Geschäfts vor, mit dem zum Beispiel die junge Basler Airline Hello von Moritz Suter seit ihrer Gründung Gewinne erzielt. Mit diesem kann zwar weniger Geld verdient werden als mit einem gut ausgelasteten Linien-Flugzeug im Eigenbetrieb, dafür sind keine Risiken vorhanden.

Die Swiss dürfte an einer weiteren Zusammenarbeit mit Helvetic auf jeden Fall interessiert sein, weil sie so auf den Kauf eigener Flugzeuge verzichten kann.

Für die optische Anpassung sorgt Helvetic gleich selbst und wird in diesem Jahr auch noch das dritte und vierte Flugzeug der Flotte von Pink in den weiss-roten Swiss-Look umspritzen.