Das staatlich kontrollierte Telekommunikationsunternehmen OTE stand noch vor Jahresfrist zum Verkauf. Aus Regierungskreisen war damals zu vernehmen, dass einem «strategischen Partner» ein Aktienpaket von rund 20% abgetreten würde, sofern der ehemalige Telefon-Monopolist damit auch zusätzliches technologisches Know-how erwerben könne. Mittlerweile ist das kein Thema mehr. Das börsenkotierte Unternehmen bleibt zu knapp 40% im Staatsbesitz, nachdem Wirtschaftsminister Jorgos Alogoskoufis im letzten Herbst erklärte, er sehe «keinen Bedarf, die Beteiligung an OTE zu verringern». Offensichtlich war damals nur ein grosser Player vom Format einer Deutschen Telekom, France Télécom oder Telefonica am Athener Regierungssitz genehm. Von diesen Marktleadern zeigte sich jedoch keiner ernsthaft interessiert.

Synergien beim Service

Im Gegenzug ist nun OTE selbst in die Offensive gegangen. Zu einem Kaufpreis von über 2 Mrd Euro hat der griechische Festnetzanbieter den Anteil an der Mobilfunk-Tochter Cosmote von knapp 70% auf rund 90% aufgestockt. CEO Panagis Vourloumis ist überzeugt davon, dass mit dem erweiterten Engagement bei der profitablen Tochtergesellschaft auch die eigene Performance deutlich verbessert werde. Evrikos Sarsentis, Director Strategic Development bei Cosmote, erwartet dank dem engeren Schulterschluss markante Synergien beim Service und über die «economies of scale» auch tiefere Kosten.

Die Wachstumsmöglichkeiten sind im griechischen Handy-Markt noch längst nicht ausgeschöpft. Während in Europa durchschnittlich bereits die Hälfte der Gespräche über ein Mobiltelefon erfolgt, liegt dieser Anteil im südöstlichen Mittelmeerstaat erst bei rund 40%. «Wir wollen unseren Marktanteil als Preisleader rasch ausweiten», sagt Sarsentis. Obwohl Cosmote vor exakt zehn Jahren erst mit Verspätung beim Mobilfunk eingestiegen ist, gelang es dem Unternehmen mit einem kundenfreundlichen Service und Kampfpreisen, innerhalb von gut drei Jahren die Konkurrenz hinter sich zu lassen. Mittlerweile deckt die OTE-Tochter mit rund 6 Mio Kunden etwa zwei Fünftel des Heimmarktes ab. Gleichzeitig hat sich Cosmote im Balkangebiet zu einem gewichtigen Anbieter entwickelt (siehe Kasten).

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Weil sich die Breitbandanschlüsse in Griechenland von einem tiefen Niveau aus rasch nach oben entwickeln, gibt es laufend mehr Schnittstellen auch zum Mobiltelefon. Vor einem Jahr hat Cosmote die ersten ADSL-Services in Verbindung mit einem Handy lanciert. «Solche Innovationen tragen uns einen Wettbewerbsvorteil ein», ist Marilena Fatsea, Director Corporate Affairs, überzeugt.

Damit sich OTE eigenständig behaupten kann, muss der Konzern die Expansionsstrategie rasch vorantreiben. Neue Anbieter und billige Fernmeldetechnologien drücken in den nächsten Jahren bei einem sinkenden Marktanteil auf die Erlöse aus dem griechischen Festnetzgeschäft. «Wir rennen gegen die Uhrzeit, um unser Geschäft aufzubauen, bevor uns die Konkurrenz mit voller Wucht trifft», sagt OTE-Chef Vourloumis. Bei Cosmote ist dieser Plan bisher aufgegangen. Die Umsätze sind massiv gestiegen. Im Geschäft mit den Festanschlüssen wird sich der Krebsgang jedoch fortsetzen. Derzeit entfallen noch knapp 70% der Fixtelefonie auf den ehemaligen Monopolist.