Die Krise hat die Finanzmärkte fest im Griff. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres markierten nicht nur die Börsen Tiefststände, sondern auch der Schweizer Markt für Mergers & Acquisitions (M&A). Im 1. Quartal kam es zu 115 Transaktionen, im 2. waren es 102. Das bedeutet gegenüber den Vorjahresquartalen Rückgänge von 34 respektive 45%. Dies geht aus der von The Corporate Finance Group (TCFG) exklusiv für die «Handelszeitung» zusammengestellten Liste mit angekündigten, hängigen und abgeschlossenen Übernahmen und Fusionen mit Schweizer Beteiligung hervor.

Diese Abnahme deckt sich mit Beobachtungen im Ausland. Gemäss Thomson Reuters ist das angekündigte weltweite Transaktionsvolumen in derselben Grössenordnung zurückgegangen. Ein Indiz deutet jedoch darauf hin, dass der Boden gefunden sein könnte und sogenannte Mega-Deals wieder möglich sind. Gab es im 1. Quartal 2009 nur einen Milliardendeal mit dem Zuger Rohstoffunternehmen Xstrata als Käufer, kam es im 2. Quartal zu sechs Transaktionen in Milliardenhöhe mit BTG Investment, Zurich FS, Swiss Prime Site, Holcim, Novartis und Xstrata.

Marc Möckli, Partner von TCFG, rechnet damit, dass sich der Schweizer M&A-Markt im 2. Halbjahr 2009 auf einem tiefen Niveau stabilisieren wird. Laufende Transaktionen kommen nicht so schnell voran, und nur wenige neue Deals kommen auf den Markt, sodass der M&A-Spezialist für 2009 mit einem Rückgang von rund 30% gegenüber dem Rekordjahr 2008 rechnet.

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Für die Branche bedeutet dies, dass zurzeit Überkapazitäten abgebaut werden. Laut Möckli sind insbesondere jene Institute, welche die Strukturen auf die Boomjahre vor der Krise ausgerichtet hatten, zu schmerzlichen Einschnitten gezwungen. Das Honorarvolumen bei M&A-Transaktionen ging gemäss Angaben von Thomson Reuters im 1. Halbjahr 2009 gegenüber dem Vorjahr um 59% zurück. «Ein so dramatischer Rückgang kann natürlich nicht spurlos an einer Branche vorbeigehen», sagt Möckli.

Weiterhin grosse M&A-Aktivitäten werden im Finanzsektor erwartet, wo gegenwärtig Restrukturierungen dominieren. Möcklis Meinung nach wird es auch im Industriesektor vermehrt zu solche Transaktionen («distressed M&A» und «forced M&A») kommen. Nach wie vor aktuell bleiben Deals in relativ stabilen Sektoren mit gut prognostizierbaren Cashflows wie Health Care, Versorgung und tägliche Konsumgüter. Darüber hinaus stehen bei zahlreichen KMU in den nächsten Monaten und Jahren neue Nachfolgelösungen an.