Die in Hinwil domizilierte Walter Reist Holding (WRH) ist mit ihren Produkten für den Printmedienbereich durch Innovationen, Qualität und Leistungsfähigkeit zum weltweiten Branchenleader avanciert. Insbesondere der Name Ferag, ein Unternehmen der WRH, gilt als Synonym für die genannten Eigenschaften. Einen wichtigen Stellenwert der WRH-Produktpalette bilden unter anderem die hoch entwickelten Materialflussverkettungen. Sie beruhen auf einem speziellen Transportkettensystem mit Haltevorrichtungen sowie einem in Schienen geführten Rollsystem. Dieses Transportsystem ermöglicht äusserst hohe Geschwindigkeiten bei sicherer Einzelfassung der Produkte (z.B. komplette Zeitungsbunde).

Im Zuge der Weiterentwicklungen für den Printmedienbereich haben die Ingenieure der WRH erkannt, dass die Erkenntnisse aus den fördertechnischen Anwendungen im Printmedienbereich auch für andere Materialflusssysteme einsetzbar sind. Im Rahmen der «Rollenden Fördertechnik (RFT)» wurden verschiedene Anwendungen zur Marktreife gebracht. Einige Exponate wurden erstmals an der CeMAT 2008 in Hannover präsentiert.

Keine zusätzlichen Antriebe

Hohe Reibung in Transportsystemen, wie z.B. bei Band- und Flachketten-Förderern, führt nebst einer benötigten grossen Antriebsleistung auch zur extremen Beanspruchung der Transportmittel durch hohe Zugkräfte und zu einer starken Erwärmung der Gleitstellen, was sich zwangsläufig im raschen Verschleiss der Bänder und Führungen niederschlägt. Zudem sind in der Praxis lange Förderstrecken antriebsbedingt in mehrere Abschnitte aufgeteilt, mit der Konsequenz, dass ebenfalls erhebliche Mehrkosten und Funktionseinschränkungen durch zusätzliche Antriebe und Gutübergabestellen entstehen. Dort, wo diese Nachteile einen entscheidenden Einfluss auf die Gesamtkosten und die Funktionssicherheit bewirken – und das ist in den meisten Anlagen der Fall –, wurde bisher nur ungenügend versucht, die Gleitreibung durch Rollreibung zu ersetzen.

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Auf Basis der patentierten WRH-Transportkettenentwicklung hat das Unternehmen jetzt innovative Bauelemente realisiert, welche in der Fördertechnik die zuvor genannten Probleme eliminieren. Den Lösungsansatz für die Rollende Fördertechnik stellt ein ovales Mittelstück dar, bei dem umlaufende, achsfreie zylindrische Körper die Last rollend tragen. Es funktioniert auf der Basis von echter Rollreibung, die nachgewiesen eine deutliche Senkung des Bewegungswiderstandes gegenüber der Gleitreibung ermöglicht. Aufgrund der fehlenden Gleitreibung ist auch der Verschleiss aller dynamischen Bauteile sehr gering. Dem Anwender steht also mit der WRH-Technologie ein nahezu wartungsfreies, langlebiges Transportsystem zur Verfügung.

Die Rollende Fördertechnik ist ein Produktbereich bei der WRH, dem sowohl Horizontalförderer und Wendelförderer (Flachbandförderer) als auch Hängebahnförderer für vielschichtige, dreidimensionale Förderanlagen (vertikal, horizontal, schräg laufend usw.) zugeordnet sind. Durch die Reduktion der Reibung werden im Wesentlichen nennenswerte Energieeinsparungen beim Antrieb erzielt. Untersuchungen der TU Chemnitz (Prof. Dr. Klaus Nendel), welche an der Entwicklung beteiligt war, haben ergeben, dass der Einsparanteil bis zu 60% ausmacht. Das heisst, mit der WRH-Technologie lassen sich wesentlich kleinere Antriebe integrieren bzw. es wird unter Umständen nur ein Zentralantrieb statt mehrerer kleiner Antriebseinheiten benötigt. Anderseits lassen sich mit einem Antrieb wesentlich längere Transportstrecken realisieren.

Kaum Einschränkungen

Mit herkömmlichen Wendelförderern können selbst im Leerzustand ohne Fördergut höchs-tens bis zu vier 90-Grad-Kurven ausgeführt werden. Diese Einschränkung wird mit den neuen RFT-Kurvenelementen fast aufgehoben. Zwei bis drei 360-Grad-Umlenkungen und mit nur einem durchgehenden Transportband sowie nur einem kleinen Antrieb lassen sich problemlos einrichten. Zur Verminderung der Reibungsverluste sind alle Kurven auf der inneren Radiusseite mit den speziellen Rollkörperelementen versehen, welche das Gliederband leicht, exakt und ohne Reibungsverlust umlenken. Auffallend ist darüber hinaus die kompakte Bauweise. Die kleinere Antriebseinheit und die enge Kurvenführung ermöglichen Transportlinien auf engstem Raum.

Die WRH-Rollelemente dienen zur Abstützung der Tragmittel (Mattenketten und -bänder), vor allem in kurvengängigen Flachförderern. Dabei kann die Kurvenkonstruktion so ausgelegt werden, dass sie auch in bestehende Transportanlagen nachgerüstet werden können, also eine Retrofit-Alternative darstellen. Durch den geringen Widerstandsbeiwert der RFT-Kurvenelemente lassen sich je nach Bedarf wesentlich höhere Transportlasten bzw. -geschwindigkeiten, signifikante Energieeinsparungen und/oder deutlich längere und flexiblere Streckenverläufe mit mehreren Kurven realisieren. Zudem bestehen die Elemente ausschliesslich aus Kunststoff, womit das System schmierungs- und nahezu wartungsfrei betrieben wird sowie auch bei aggressiven Umgebungsbedingungen, im Lebensmittelbereich oder in Reinräumen, ideale Anwendungsmöglichkeiten bietet. Dem Slogan der Walter Reist Holding «mit Leichtigkeit fördern» wird so weitgehend Rechnung getragen.

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Breiter Anwendungsbereich

Der Anwendungsbereich dieser Gliederband-Flachförderer ist eigentlich in der gesamten Wirtschaft zu finden. Die wartungsarmen Kunststoffausführungen sind, wie bereits zitiert, prädestiniert für Transportaufgaben in der Lebensmittelindustrie, der verpackenden Industrie, aber auch im Non-Food- und industriellen Bereich (Elektronik, Metallbau, Oberflächentechnik, Montagen usw.). Zudem halten die Bänder – je nach Grösse und Ausführung – auch hohen Tragfähigkeiten stand.

Die WRH-Förderer sind deshalb nicht als Alternative zu klassischen Systemen anzusehen, denn sie weisen ein wesentlich breiteres und effizienteres Anwendungsspektrum auf als herkömmliche Systeme.