Bisher hielten in der Schweiz die Konsumausgaben die Binnenkonjunktur in Schwung. Schaut man auf die Konsumentenstimmung oder die Detailhandelszahlen, schien der Privatkonsum, der 60% zum BIP beisteuert, fast schon abgekoppelt vom rezessiven Umfeld. Während in den USA und Europa die Konsumentenlaune Tiefststände erreichte, ermittelte das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) im Februar gar eine Verbesserung bei der Lage der Haushalte und der Einschätzung der Wirtschaftslage. Düsterer erschien nur die Einschätzung der Arbeitsplatzsicherheit.

Rezessionsspuren im Non Food

Doch nun kommt die Rezession doch noch in den Portemonnaies der Konsumenten an, wie Ökonomen auf Anfrage der «Handelszeitung» bestätigen. «Der zentrale Konsumbremser ist die Arbeitsplatzunsicherheit», sagt Economiesuisse-Ökonom Rudolf Minsch. Die stark steigenden Arbeitslosenzahlen und die Häufung der Negativmeldungen werden sich auf die Konsumlaune und auch auf den Kauf auswirken. «Es ist daher zu erwarten, dass die Konsumenten in den nächsten Monaten ihren Konsum reduzieren.»

Dass die Konsumenten nun deutlich auf die Ausgabenbremse treten, konstatiert auch Michael Grass von BAK Basel Economics: «Wir gehen davon aus, dass die privaten Konsumausgaben schon im 1. Quartal 2009 rückläufig waren.» Auch im Detailhandel seien die Spuren der Rezession im Non-Food-Sektor in den Januar-Umsätzen bereits zu sehen.

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Arbeitgeberdirektor Thomas Daum erwartet eine stete Verschlechterung: «Das Konsumwachstum wird sich nicht schlagartig, sondern sukzessive verlangsamen und im Winter auf die Nulllinie fallen.» Der private Konsum folge stark der Beschäftigungs- und Reallohnentwicklung. Während Letztere wegen der tiefen Teuerung als günstig bezeichnet werden könne, trübe sich die Beschäftigungsentwicklung ein.

BAK-Ökonom Grass betont, für den privaten Konsum spiele neben dem Einkommen zudem die Ausgabenneigung eine wichtige Rolle. Und diese hänge entscheidend davon ab, inwieweit die Konsumenten wieder Vertrauen in die wirtschaftliche Entwicklung fassen. Grass: «Sollte es beispielsweise auch im Jahresverlauf 2010 keine Anzeichen für eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage geben, hätte dies auch erhebliche Rückwirkungen auf den privaten Konsum.»

Ein weiterer Dämpfer für den Privatkonsum ist durch die anstehende Lohnrunde zu erwarten. Kof-Ökonom Michael Graff: «Der Effekt auf den einzelnen Haushalt wird wohl mit der kommenden, aus Arbeitnehmersicht schlechteren Lohnrunde eintreten.» Auswirken werde sich das weniger auf Güter des täglichen Bedarfs als auf langlebige Gebrauchsgüter sowie Luxusartikel.

Auch 2010 keine Entspannung

Die negativen Arbeitsmarktaussichten lassen auf der Konsumfront auch für 2010 keine Entspannung erwarten - das Seco rechnet mit einer Arbeitslosenquote von 3,8% im laufenden Jahr. 2010 dürfte sie auf 5,2% steigen. Arbeitgeberdirektor Daum: «Der Konsum im Jahr 2010 wird stark von den Konjunkturaussichten im Herbst/Winter 2009 abhängen.» Positiver Anreiz kann die aus Konsumentensicht sehr attraktive Preisentwicklung sein, negativ könnte eine starke Erhöhung der Krankenkassenprämien zu Buche schlagen.

Aus Daums Sicht ist die Arbeitslosenversicherung (ALV) der wichtigste Konsumstabilisator, nicht die Konjunkturpakete des Bundes. «Die ALV wird 2009 zirka 1,8 bis 2 Mrd Fr. Schulden aufbauen, womit der Konsum fast im gleichen Umfang gestützt wird wie die Konjunkturpakete.» Wegen des hohen Wirkungsgrads (der grösste Teil der ALV-Leistungen dient der Fortsetzung des bisherigen Konsums) und wegen der Vermittlung von sozialer Sicherheit sei sie auch der effektivste Stabilisator.

Konsumstabilisierend wirkt sich auch die Kurzarbeit aus. Serge Gaillard, Chef der Direktion Arbeit im Seco, zu den Kosten: «Im aktuellen Finanzplan der ALV wurden für Kurzarbeitsentschädigung (KAE) 280 Mio für 2009 und 310 Mio Fr. für 2010 eingestellt.» Darin enthalten seien die Mehrkosten der Verkürzung der Karenzzeit und die Verlängerung der Bezugsdauer.

Der Direktor des Angestelltenverbands, Stefan Studer, fordert, dass ein drittes Stabilisierungspaket den Fokus auf den Arbeitsmarkt richten solle. Insbesondere müsse verhindert werden, dass sich auf dem Arbeitsmarkt aufgrund einer längeren Rezession kostspielige und wachstumshemmende strukturelle Probleme ergeben. Und: «Es muss etwas beschlossen werden, das wieder Mut zum Aufbruch macht.»