Die Finanzkrise und die weltweite Rezession haben die Champagnerlaune verdorben. 2007 war für die auf Mergers & Acquisitions (M&A), also auf Übernahmen und Zusammenschlüsse spezialisierten Finanzboutiquen ein Rekordjahr. Dementsprechend dominierte am M&A-Mid-Market-Forum, das am vergangenen Wochenende in Mailand stattfand, grosse Unsicherheit über die Zukunft ? in einigen Ländern klar mehr als in anderen.

Im Gegensatz zu M&A-Spezialisten aus Deutschland und Spanien, die angesichts des schwersten Wirtschaftseinbruchs seit dem Zweiten Weltkrieg sehr besorgt sind, macht Peter M. Binder, M&A-Spezialist und Partner bei Binder Corportate Finance, nicht auf Weltuntergangsstimmung.

«In der Schweiz läuft der M&A-Markt für Nachfolgeregelungen und strategische Käufe und Verkäufe nach wie vor gut», stellt Binder fest. Die Krise wirke sich primär auf den Preis der Transaktionen aus und nicht auf deren Gesamtzahl (siehe «Nachgefragt»). Mittlere Deals, die strategisch Sinn machten, liessen sich relativ problemlos finanzieren. Für KMU gebe es keine Kreditklemme.

Allerdings kommen auf die Metall- und die Maschinenindustrie schwierige Zeiten zu, weil die Bestelleingänge im Oktober regelrecht eingebrochen sind. Ebenso schwer wird es laut Binder der Bereich Affordable Luxury haben, das heisst Luxusgüter wie Uhren, die zwischen 1000 und 5000 Fr. kosten, oder Delikatessen. «Die Konsumenten verzichten angesichts der rezessiven Grundstimmung lieber auf eine nicht dringend nötige Anschaffung oder verschieben sie auf später», so Binder.

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Es gibt aber Sektoren, die dem widrigen wirtschaftlichen Umfeld trotzen. Dazu gehören der Health-care-Bereich, die Energieindustrie, der Technologiesektur und der Umweltbereich. Dies geht aus einer Umfrage von M&A International hervor, der weltweit führenden M&A-Allianz, die das jährliche Forum organisiert. Das Netzwerk sieht überdurchschnittliche Möglichkeiten in Osteuropa sowie in Asien, insbesondere Indien. Auch die Schweiz mit ihrer soliden KMU-Landschaft biete Chancen.

Gute Chancen in Deutschland

Solche könnten in Deutschland liegen, dem grössten Wirtschaftspartner der Schweiz, der von der Rezession stark geschwächt wird. «Da gibt es Top-Gelegenheiten», glauben die deutschen M&A-Spezialisten. Doch die grösstenteils konservativ aufgestellten Schweizer KMU trauen den Businessplänen der deutschen Firmen nicht. 2006 bis 2008 gelten nicht mehr länger als Referenzjahre. Was interessiert, so Binder, ist die Zukunft. «Und wie sich diese 2009 und in den Folgejahren entwickelt, steht in den Sternen.»

 

 

NACHGEFRAGT


«2009 wird ein durchschnittliches Jahr»

Der Partner bei Binder Corporate Finance AG, Bern, zum M&A-Markt in der Schweiz.

Was sind für KMU die deutlichsten Folgen der Finanzkrise?

Peter Binder: Kleinere Übernahmen und Zusammenschlüsse bis zu 50 Mio Fr. lassen sich relativ problemlos finanzieren. Hier engagiert sich nebst der Zürcher Kantonalbank insbesondere auch die UBS stark.

Die UBS?

Binder: Ja, sie mischt proaktiv mit. Der Grund scheint mir klar: Die UBS will den KMU klar signalisieren, dass sie nach wie vor für sie da ist, und bietet gute Konditionen. Für die KMU herrscht keine Kreditklemme seitens der Banken.

Wo drückt dann der Schuh?

Binder: Schwieriger sind M&A-Transaktionen, bei denen Banken Kredite syndizieren. Hier ist seit dem Kollaps von Lehman Brothers das Vertrauen der Banken untereinander schwer angeschlagen.

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Heisst das, dass die grossen Deals in naher Zukunft ausbleiben werden?

Binder: Sie werden es auf lange Zeit sehr schwierig haben. Die mittelgrossen Transaktionen ? hauptsächlich von 50 bis 200 Mio Fr. ? werden weiter gut laufen. Allerdings dürfte in gewissen Fällen ein Deal verschoben werden, weil die Preise nicht stimmen. Hier lautet die grosse Frage, welche die gesamte M&A-Branche intensiv beschäftigt: Werden sich die Bewertungen wieder erholen? Und falls ja, wann und in welchem Umfang?

Was ist Ihre Prognose?

Binder: Ich stelle für die Schweiz fest, dass der M&A-Markt für Nachfolgeregelungen und strategische Käufe und Verkäufe nach wie vor gut läuft. Die Krise hat weniger Einfluss auf die Gesamtzahl der Tranksaktionen als auf die Gesamtsumme.

Erwarten Sie für das Jahr 2009 einen Zusammenbruch?

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Binder: Nein. 2007 war für die M&A-Branche ein Rekordjahr. 2009 wird wie 2008 ein durchschnittliches M&A-Jahr.