Läuft die Wirtschaft nicht auf Hochtouren, wird auch weniger transportiert. Diese Erfahrung mussten letztes Jahr praktisch alle Unternehmen im Bereich Transport, Güterverkehr und Logistik machen. Doch es sind bereits Anzeichen da, dass im laufenden Jahr die Rückgänge von 2009 weitgehend kompensiert werden können. Dies trifft auch auf den Kombiverkehrs-Operateur Hupac SA in Chiasso zu. In den ersten vier Monaten des laufenden Jahres konnte das Verkehrsvolumen wieder gesteigert werden.

Im Krisenjahr 2009 sanken die Volumina im europaweiten Verkehrsnetz der Hupac um 13,5% auf 607284 auf Strassensendungen. Gegenüber dem Vorjahr gingen somit knapp 100000 Sendungen verloren, dies grösstenteils konjunkturbedingt wegen der rückläufigen Marktnachfrage. Eine deutliche Rückverlagerung auf die Strasse konnte Hupac durch verschiedene absatzfördernde Massnahmen verhindern, dazu zählt auch das Konjunkturprogramm des Bundesamts für Verkehr im Segment des Alpentransits durch die Schweiz.

Europaweit sei eine leichte Erholung des Verkehrsmarkts zu erkennen, stellt Hans-Jörg Bertschi, Verwaltungsratspräsident der Hupac AG, fest. Der Markt sei jedoch durch eine hohe Instabilität gekennzeichnet und stelle die Wachstumsstrategie der Hupac weiterhin vor grosse Herausforderungen. In den ersten vier Monaten des laufenden Jahres verzeichnete Hupac eine Verkehrssteigerung von rund 18% gegenüber der gleichen Periode des Vorjahrs.

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Dank eines umfassenden Sanierungsprogramms kann Hupac ein ausgeglichenes finanzielles Ergebnis für 2009 ausweisen. Der Konzernumsatz fiel um 18,8% auf 481,1 Mio Fr. Die Gestehungskosten konnten überproportional reduziert werden, was zu einer Steigerung des Bruttogewinns um 8,8% auf 98,0 Mio Fr. führte. Per Jahresende erzielte Hupac einen unveränderten Gewinn von 2,8 Mio Fr.

Höherer Cashflow

Zu den Sanierungsmassnahmen gehörten die systematische Erhöhung der Zugsauslastung, die Rückgabe der angemieteten Bahnwagen, Kurzarbeit und der Abbau von Zeitarbeit in den Terminals sowie der Aufschub von Investitionen in neues Rollmaterial.

Erfreulich entwickelte sich der Cashflow der Gruppe, welcher per Jahresende 46,7 Mio Fr. (+37,8%) betrug. Mit Investitionen in Sachanlagen in Höhe von 55,7 Mio wurde erneut ein hohes Volumen erreicht. Sie betrafen vornehmlich den Bau des Anfang 2010 in Betrieb genommenen HTA-Hupac- Terminal Antwerp, den weiteren Ausbau des Terminals Busto Arsizio-Gallarate und die Anschaffung von Bahnwagen.

Entscheidend für Hupac ist es, auch in den kommenden Jahren Infrastrukturen und Kapazitäten für marktgerechte Leistungen im Schienengüterverkehr bereitzustellen. Dazu gehören Umschlagterminals in verschiedenen europäischen Ballungsräumen und gezielte Massnahmen zur Produktivitätserhöhung, wie zum Beispiel der Ausbau des Nord-Süd-Korridors durch die Schweiz für Zugslängen bis 750 m anstatt der heutigen 575 m. «Wenn wir mit der Verlagerung im Alpentransit Ernst machen wollen, muss die 4-m-Profil-Anpassung des Gotthardkorridors ganz oben auf die Prioritätenliste gesetzt werden», fordert Hupac-Direktor Bernhard Kunz. Das mit Abstand grösste Verlagerungspotenzial liegt im Segment der 4-m-Sattelauflieger. Damit diese Verkehre bei der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels auf die Schiene verlagert werden können, ist der sofortige Ausbau des Gotthardkorridors unverzichtbar. Sollte die 4-m-Profil-Anpassung erst mit Bahn 2030 oder gar noch später realisiert werden, kann der Verlagerungseffekt des Neat-Tunnels erst mit jahrzehntelanger Verzögerung ausgeschöpft werden.

Neuorientierung von SBB Cargo

Im Weiteren begrüsst die Hupac AG die Entscheidung der SBB, eine eigenständige, auf den internationalen Güterverkehr spezialisierte SBB-Cargo-Tochter zu gründen und somit die Marktöffnung zu unterstützen. «SBB Cargo International ist die Chance, dass nach der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels überhaupt noch Schweizer Cargo-Züge und Lokführer im internationalen Verkehr unterwegs sind», unterstreicht VR-Präsident Hans-Jörg Bertschi. Denn die neue Flachbahn wird die Wettbewerbsposition von ausländischen Bahnen und Newcomern massiv verbessern, während der Wettbewerbsvorteil der SBB mit ihrer Spezialisierung auf die Bergtraktion hinfällig würde. «Wir setzen uns dafür ein, dass die geplante neue Gesellschaft als flexibel und kostengünstig produzierendes Bahnunternehmen erfolgreich im Markt positioniert werden kann», so Bertschi.

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