HELVETIA. «Da ist Fantasie drin», kommentiert René Locher, Analyst der Bank Sal. Oppenheim, die jüngsten Übernahmegerüchte von Helvetia. Lange Zeit war es still um die Schweizer Versicherer. Als Folge der US-Hypothekarkrise haben auch sie an den Aktienmärkten an Wert verloren und sind günstig bewertet. Stefan Loacker, CEO der Helvetia, will auf Anfrage der «Handelszeitung» solche Fantasien nicht kommentieren. Vielmehr betont Loacker: «Die Helvetia ist heute kerngesund und in keiner Form anlehnungsbedürftig. Wir sind bestens gerüstet, unseren eigenständigen Weg fortzusetzen.» Der CEO will mit der Strategie von Helvetia sicherstellen, dass der Versicherer seine Position weiter ausbaut und für die Anleger Wertsteigerungen sicherstellt.

Das Zeichen an der Börse müsste der Konzernspitze der Helvetia allerdings zu denken geben. Kaum wurde der Versicherer vergangene Woche als mögliches Übernahmeziel genannt, lege die Aktie kräftig zu. Diesmal wurde dem deutschen Rückversicherer Münchener Rück, der bereits 8,2% der Helvetia-Aktien hält, Interesse nachgesagt. Und prompt reagierten die Dividendenpapiere innert Wochenfrist mit einem Plus von 10%. Auch die Münchener Rück kommentiert die Gerüchte nicht.

Herausforderungen der Branche

Für alle mittelgrossen Versicherer wie Helvetia, Bâloise und Nationale Suisse stellt sich die gleiche Herausforderung: Sie können nur überleben, wenn sie eine klare Strategie haben und sich im Ausland auf Nischen spezialisieren. Zudem ist der Schweizer Markt gesättigt. Im Nichtleben-Geschäft tobt ein Preiskampf. Helvetia hat diesbezüglich mit ihren Vertriebspartnern einen Vorteil: Seit 1999 existiert mit den Raiffeisenbanken ein Kooperationsmodell. Zudem arbeitet Helvetia mit der Sammelstiftung Swisscanto und der Bank Vontobel zusammen.Pikant dabei ist, dass die Raiffeisen-Gruppe und die Bank Vontobel je 4% der Helvetia-Aktien besitzen und zusammen mit dem Hauptaktionär, der Genossenschaft Patria (29,8% der Helvetia-Aktien), einen starken Aktionärs-pool bilden. Dieser ist für Übernahmeversuche eine hohe Hürde. Neu hält der Versicherer Bâloise ebenfalls 4% der Helvetia.

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Grossaktionäre im Rücken

Die dominante Rolle der Grossaktionäre stärkt CEO Loacker den Rücken. «Wir verfügen gerade in der Schweiz über ausgezeichnete Marktzugänge», sagt er und ergänzt: «Wir haben die Voraussetzungen, um auch im umkämpften Heimmarkt Schweiz langfristig erfolgreich zu sein.»Und im Ausland? «Die europäische Dimension ist für die Helvetia sicherlich die grösste strategische Chance», sagt Loacker. Gleichzeitig aber auch die grösste Gefahr. Hier kämpfen alle Schweizer Wettbewerber mit dem gleichen Risiko: Die richtige Nische zu finden und zu besetzen. Helvetia ist in Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien und Spanien, setzt auf das Label Swissness, auf Vorsorgeprodukte und besetzt in Frankreich mit der Transportversicherung eine Nische. Loacker glaubt an den Erfolg: «Der Schweizer Heimmarkt bietet eine starke und solide Plattform, von der aus sich die Auslandsaktivitäten weiterentwickeln lassen.»