Mario Götze schoss am Sonntagabend Fussball-Deutschland in den siebten Himmel – heute wurde das Team mit einem rauschenden Fest in Berlin empfangen. Riesengross ist die Euphorie nach dem vierten Weltmeister-Titel, äusserst begehrt das Original-Trikot mit dem vierten Stern. Einige hundert Hemden hatte Adidas im Vorfeld fertigen lassen – klar, dass diese nach wenigen Minuten ausverkauft waren.

Derzeit laufen die Maschinen in China auf Hochtouren, eine Adidas-Sprecherin wird von der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» bei der Frage nach dem Lieferzeit mit «im Laufe dieser Woche» zitiert. Es gäbe zu vielen Unsicherheiten in der komplizierten Logistikkette, heisst es weiter – die Geschäfte würden schrittweise beliefert.

Aktie seit Jahresbeginn unter Druck

Aller Euphorie zum Trotz: Dem Unternehmen aus Herzogenaurach hat der WM-Sieg an der Börse nur kurz Auftrieb gegeben. Nach deutlichen Kursgewinnen zum Wochenstart ging es heute mit den Titeln des Ausrüsters der deutschen Fussball-Elf bereits wieder nach unten. Die Aktien fielen bis gegen 14.30 Uhr um über 1,6 Prozent auf 72.30 Euro zählten im Dax damit zu den Schlusslichtern.

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Einige Analysten hatten sich kritisch geäussert: So nahmen die Experten von UBS ihr Kursziel um drei Euro auf 88 Euro zurück. DZ-Bank-Analyst Herbert Sturm senkte sein Kursziel ebenfalls auf 88 von zuvor 90 Euro. Er erwartet enttäuschende Ergebniszahlen zum zweiten Quartal, die am 7. August veröffentlicht werden. Allerdings hielt er wie auch die UBS an seiner Kaufempfehlung fest.

Die Experten von Equinet stuften die Aktien hoch auf «buy» von «accumulate». Seit Jahresbeginn haben Adidas rund 20 Prozent verloren. Börsianer machen dafür unter anderem das Russland-Engagement verantwortlich, das durch die Ukraine-Krise in den Vordergrund gerückt sei. Zudem fürchten viele Anleger, dass die Konkurrenz für Adidas immer härter wird.

Zwei Milliarden Umsatz durch die WM

Der «Trikot-Sturm» in Deutschland relativiert sich denn auch bei genauer Betrachtung: Rund zwei Millionen Deutschland-Leibchen soll Adidas in diesem Jahr bisher verkauft haben – das entspräche rund einem Viertel der Umsätze mit Vereins- und Nationaltrikots. Wie viele derzeit nachproduziert werden ist unklar: Beim WM-Sieg der Spanier in Südafrika waren es deren 100'000 bei einem Gesamtverkauf von einer Million Trikots. Die Grössenordnung in diesem Jahr dürfte also auf 150'000 bis 200'000 geschätzt werden, der Verkaufspreis liegt bei 85 Euro.  

Mit der WM will Adidas – Trikots, Fussballschuhe und Bälle zusammengerechnet – insgesamt gut zwei Milliarden Euro umsetzen. Der Umsatz mit dem Vier-Sterne-Trikot würde also bestenfalls in der zweiten Nachkommastelle des gesamten WM-Volumens sichtbar.

(vst – mit Material der Agentur Reuters)