Die deutsche Signal Iduna bezeichnet ihre 5,18%-Beteiligung an der Bâloise-Holding als rein «finanzielles Engagement». Fakt ist, dahinter steckt wesentlich mehr. Denn aus Managementkreisen der deutschen Versicherungsgruppe geht hervor, dass dieser Vorstoss strategischer Natur ist. Eine weitere Erhöhung sei nicht auszuschliessen, heisst es.

Flucht zur Konkurrenz

Brisant ist, dass die beiden Versicherungsunternehmen seit Ende des letzten Jahres miteinander im Clinch sind. Grund ist die Diskussion über die Zukunft der Versicherungsgruppe Deutscher Ring (DR) in Hamburg. Während sich DR Leben und DR Sach zusammen mit der deutschen Bâloise-Tochter unter eine Führung fügten, flüchtete sich DR Kranken in die Arme von Signal Iduna, einem der härtesten Konkurrenten von Bâloise auf dem deutschen Markt. Auslöser waren die geplanten Restrukturierungen durch die Bâloise-Holding

Mit dem Zusammenschluss mit DR Kranken profitiert Signal Iduna von einem erweiterten Absatzkanal. So vertreibt DR Kranken hauptsächlich an Privatpersonen, während sich die Gesellschaften rund um Signal Iduna verstärkt auf Firmenkunden konzentrieren.

Gemäss einem Bericht der «Financial Times Deutschland» will Signal Iduna nun ihr bestehendes Bâloise-Aktienpaket auf 10% erhöhen. Trotz der durch Bâloise auferlegten Stimmrechtsbeschränkung von 2% wäre dadurch dennoch die Einberufung einer ausserordentlichen Generalversammlung möglich. «Damit hätte Signal Iduna die Möglichkeit, massgeblichen Einfluss auf die Unternehmensstrategie auszuüben», sagt René Locher, Analyst bei Sal. Oppenheim. So könnten beispielsweise Änderungen in den Statuten beantragt werden.

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Zukauf abwarten

Mit einem möglichen Aktienpaket von 10% wäre die deutsche Versicherungsgruppe der grösste Einzelaktionär von Bâloise. Bis anhin war dies die britische Chase Nominees mit einem Anteil von rund 9,2% am hiesigen Versicherungsunternehmen. «Es ist durchaus denkbar, dass Signal Iduna ihr Engagement erhöht», sagt Georg Marti, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB).

Von offizieller Seite her wollten beide Unternehmen keine Stellung nehmen. So sei bis auf weiteres Stillschweigen vereinbart worden, sagten Bâloise und Signal Iduna. Allerdings geht aus Managementkreisen seitens Signal Iduna hervor, dass die bevorstehenden Gespräche vorerst abgewartet werden. So wolle man das momentane Verhältnis nicht weiter strapazieren. Erste Verhandlungen zwischen den beiden Interessengruppen fanden bereits am 24. April statt. Weitere Gespräche sollen im Mai durchgeführt werden.

Wirrwarr um OVB

Für Verwirrung sorgt derzeit auch die erhöhte Beteiligung durch Signal Iduna am unabhängigen Finanzvertrieb OVB, an dem Bâloise über DR Leben und DR Sach zu 50% beteiligt ist. Bereits vor dem Clinch erhöhte die deutsche Konkurrentin ihren Anteil von 10% auf 25%. Das Unternehmen lässt verlauten, dass dies in keinem Zusammenhang mit der Auseinandersetzung zwischen Bâloise und Deutschem Ring stehe. Vielmehrwerde das Engagement genutzt, um von der wachsenden Marktstärke von OVB in Osteuropa zu profitieren. «Dennoch stellt sich zunehmend die Frage nach der Unabhängigkeit von OVB», sagt Locher von Sal. Oppenheim.

Der Knatsch in Deutschland wird für Bâloise zunehmend zur Belastung, was sich in negativen Artikeln und Kommentaren in der deutschen Presse spiegelt. Dies wiederum ist nicht förderlich für die angestrebte Expansion der Bâloise im deutschen Versicherungsmarkt. Kommt hinzu, dass aufgrund der vorgängigen Zusammenarbeit zwischen DR Kranken und der deutschen Bâloise-Tochter nun wichtige Internas an Signal Iduna durchsickern.

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Vor diesem Hintergrund stellen deutsche Versicherungsinsider, die nicht namentlich genannt werden wollen, die Frage, ob sich die Bâloise nicht von ihrem Deutschlandkurs verabschieden müsse. Zudem weisen sie darauf hin, dass der deutsche Versicherungsmarkt übersättigt ist.