«Bei einem Drittel der Todesfälle ist die Ursache fehlende Information» sagte Mark Lewis, neuer Strategiechef von EMC, an der Kundenkonferenz der Dokumenten-Managment-Sparte in Lissabon. «Viele Menschen würden noch leben, wenn man die richtigen Informationen zu richtigen Zeit am richtigen Ort hat.»

Eine Möglichkeit ist ein Dokumenten-Management und die auch in der Schweiz immer wieder bekannt gewordenen Fälle in Ämtern und Organisationen mit teuren und nicht richtig funktionierenden Systemen zeigen, dass hier einiger Verbesserungsbedarf besteht. EMC stellte in Lissabon mit der «xCP»-Plattform ein neues Produkt für die Verwaltung von Daten vor, mit der solche Probleme gelöst werden könnten. «Unsere Plattform lässt sich mit den Produkten aller anderen Hersteller nahtlos verbinden» erklärt Jeetu Patel, CTO der Information Intelligence Group, der Softwaresparte von EMC, «und das bildet einen wichtigen Baustein für den Weg zum Cloud Computing.»



Kurs auf die Wolke



EMC hatte sich bereits an den letzten World-Konferenzen für das Cloud Computing entschieden. Man verspricht sich viel Potenzial als Lieferant wichtiger Komponenten wie Speichersysteme und Softwarelösungen. «Früher oder später landen auch Firmen vor der Herausforderung, sich so zu organisieren, dass sie eine private und eine öffentliche Cloud gibt, mit der sie arbeiten» erwartet Patel weiter, «und hierfür ist es sehr wichtig, dass diese Komponenten, zu der auch Content-Management-Systeme zählen, mit den Produkten aller anderen Hersteller problemlos zusammenarbeiten.» Bei den Produkten der Konkurrenten sei das nicht der Fall – die Oracle-Lösung arbeite mit anderen Oracle-Produkten am besten zusammen, dasselbe gelte für die IBM-Produkte und auch für die aus dem Hause Microsoft. Dennoch hat man sich mit Microsoft auf eine Zusammenarbeit verständigt – Microsoft gilt als Softwarehaus, das keine eigene Hardwaresparte unterhält, die direkt im Wettbewerb mit anderen EMC-Produkten stehen könnten, als bevorzugter Partner für diese Produkte.

«Im Gegensatz zu den anderen Herstellern bieten wir zudem noch Managed-Service-Dienste bei dieser Plattform an und es lassen sich Arbeitsprozesse optimieren.» Alleine dadurch würde viel Geld gespart, wenn man das richtig vornimmt. «Wenn ich nach dem Einsparpotenzial befragt werden, sage ich immer zwischen 30 bis 40%, obwohl es in Einzelfällen deutlich mehr sein können.» Wie ermitteln das Patel und seine Experten? «Das ist beim Dokumenten-Management sehr einfach» holt er aus, «Kunden können messen, wie viel rascher bestimmte Prozesse laufen, wie viel mehr die Angestellten mit den gleichen Ressourcen abwickeln können – und dass und wie viele Problemfälle später weniger zurück kommen, weil sich durch optimierte Prozesse auch die Qualität der Arbeit oft verbessert.»



Sichtbare erste Erfolge



Das hat man von den anderen einschlägigen Herstellern wie Oracle, IBM oder Microsoft auch schon gehört. «Ja, aber im Gegensatz zu diesen haben wir problemlose Zugänge und Optionen für Virtualisierung und IT-Security» meint Patel weiter. Die Virtualisierungstechnologie  kommt von der Tochter VMware und damit praktisch aus dem eigenen Haus und mit RSA hat EMC eine sehr starke IT-Sicherheitsfirma aufgekauft.

Die Verbindung der Produkte dieser Akquisitionen zahlte sich jetzt auch finanziell für EMC aus. Beim jüngsten Quartalsergebnis wurden die Prognosen spielend übertroffen und die Prognosen – anders als bei Cisco beispielsweise – noch angehoben. Und laut den Analysten der Deutschen Bank dürfte der positive Trend auch ins nächste Jahr anhalten. Laut den Analysten der Citigroup schaffte EMC auch eine Margenverbesserung dank des verbesserten Geschäftsmix mit einem zunehmend höheren Anteil an Softwareprodukten im Gesamtumsatz.

Und auch die nächste Zukunft lässt sich bereits abschätzen: Traditionell stellt IBM im vierten Quartal eine neue Version der Mainframe-Grossrechner vor. EMC-Speichersysteme verkaufen sich besonders gut in diesem Umfeld. Absehbar ist auch eine Auffrischung der Clariion-Modelle im mittleren Segment. Hier schrumpfte der Umsatz, und der Rückgang wäre noch stärker ausgefallen, wenn sich nicht die Software für die Daten-Deduplizierung (man speichert nur eine Kopie und nicht mehr hunderte, wenn man grosse Datenanhänge innerhalb einer Organisation verarbeitet) glänzend verkauft worden wäre. Leicht zurück gegangen war im Vorfeld der neuen Produkte auch der Umsatz im Content-Management-Bereich.



Dells Strategiewechsel gibt zu reden



Gespannt sein darf man auf die Zukunft der Partnerschaft mit Dell. Dell hatte zwar gegen HP das Rennen um den Speicherspezialisten 3Par verloren, aber alleine schon das Mitbieten hat in der Branche und auch bei EMC, das über Dell 6 bis 7% seines Umsatzes einspielt, etwas Stirnrunzeln ausgelöst. Dell ist laut den Analysten der Citigroup nach dem Kauf von Equallogic, einem relativ kleinen Speicherunternehmen, «auf den Geschmack gekommen», aber im oberen Marktsegment gibt es für Dell als Wiederverkäufer keine Alternative zu EMC, denn hier tummeln sich ansonsten mit HP, IBM und Oracle/Sun auschliesslich erbitterte und finanziell sehr potente Erzfeinde.

Einen Seitenhieb auf Dell setzte es von Mark Lewis. 1997 habe Dell Apple geraten, die Firma zu liquidieren und das Geld den Anlegern zurück zu geben. «Wer aber vor fünf Jahren Dell-Aktien gekauft hatte, verlor die Hälfte seines Einsatzes» erzählte Lewis, «aber wer das gleiche bei Apple tat, verfünffachte sein Investment.»

Und die EMC-Aktie? Die tauchte zwar 2006 deutlich stärker als der Gesamtmarkt, hielt sich aber seither viel besser als die im Nasdaq-100 zusammengefassten Technologieaktien und auch besser als die im Dow Jones Industrial versammelten Blue Chips.


 

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