Die UBS steht als eine der schwächsten Global Player innerhalb der gebeutelten Finanzindustrie da, braucht eine 68 Mrd Fr. dicke Rettungslei-ne vom Staat und wird von der Politik mitbestimmt.

Dieser Malus ist nicht zu unterschätzen. Der Zürcher Bankenprofessor Hans Geiger bringt die neue Lage auf den Punkt, wenn er die Credit Suisse zur Siegerin erklärt. «Der Markt kennt nun das Rettungspaket, die CS kann trotz Verlusten vorerst darauf verzichten», lautet sein Fazit. Geiger vermutet, dass grosse ausländische Finanzhäuser vor zwei Wochen die Offenlegung des Schweizer Rettungspakets provozierten, indem sie die UBS ins Visier nahmen und ihr fast kein frisches Geld mehr ausliehen.

Jetzt aber, so sollte man meinen, kann es mit der UBS nur noch aufwärts gehen. Alle faulen Kreditpapiere sind aus der Bilanz entfernt, das Eigenkapital gestärkt, der Staat als Vertrauenspartner an Bord. Der Spread des fünfjährigen Credit Default Swap als Versicherungsprämie gegen einen UBS-Konkurs sank nach der Rettungsaktion von über 200 Basispunkten auf noch gut 100.

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«Es bleibt viel harte Arbeit»

Nach der dramatischen Notoperation befindet sich die Patientin UBS zwar nicht mehr in unmittelbarer Lebensgefahr, ob sie aber als eigenständige Bank gute Chancen im Markt hat, bleibt ungewiss. Darüber macht sie sich nicht einmal selbst Illusionen. «Das Massnahmenpaket mit dem Bund ist ein wichtiger Meilenstein zur Vertrauensbildung, weil damit die Risikopositionen weitgehend eliminiert werden», sagt Sprecher Serge Steiner. «Doch es bleibt ein langer Weg mit viel harter Arbeit, um mit Fakten überzeugen zu können.» Erst wenn die Zahlen mehrere Quartale hintereinander überzeugend ausfallen würden, würde das Vertrauen zurückkehren und die Reputation wieder hergestellt.

Bankenanalyst Peter Thorne von Helvea bezeichnet die Chancen, dass die UBS zurück zu früherem Glanz findet, als intakt. «Die UBS hat überall auf der Welt tausende Berater, die einen guten Job für ihre Kunden machen», sagt Thorne. «Die meisten bleiben, falls neue Abschreibungen ausbleiben.» Professor Geiger bleibt skeptisch. «Kann die UBS langfristig ihre Position als Nummer eins in der Vermögensverwaltung behaupten?», fragt der Ökonom. «Bis vor kurzem war ich davon überzeugt, jetzt zweifle ich daran.» Die Marke habe durch den Gang nach Bern Schaden genommen.

UBS-Privatkunden haben von Juli bis September knapp 50 Mrd Fr. Vermögen abgezogen. Geht dieser Aderlass weiter, verliert die Bank nicht nur ihre Vormachtstellung in der globalen Vermögensverwaltung, sondern auch die Aussicht auf Wachstum und steigende Gewinne. Der bis 2007 glänzende Finanzmulti wäre dann eine Art weisser Elefant geworden. Zwar wäre die grosse UBS günstig zu haben, doch die beschädigte Marke würde potenzielle Käufer abschrecken.

Zerlegung als Ultimo Ratio

Ein Krebsgang mit abfliessenden Vermögen, rezessionsbedingten Verlustlöchern und noch mehr Kapitalinjektionen könnten als Ultimo Ratio eine Zerlegung der UBS nötig machen. Das Private Banking würde zu einem hohen Preis versteigert, die IT-Plattform des Schweizer Geschäfts könnte die staatliche Infrastruktur für den Finanzplatz Schweiz werden, das Investment Banking ginge in Konkurs. Die Aktionäre würden das meiste ihres Einsatzes verlieren, die Marke UBS würde verschwinden, dafür hätte der Finanzplatz kein UBS-Klumpenrisiko mehr.

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PR-Berater Klaus Stöhlker sieht den UBS-Brand im Ausland weniger beschädigt als in der Heimat. Die Bank trete in der angelsächsischen Welt bereits wieder unter ihrem bekannten Werbeslogan «You & Us» auf.

Das zurückkehrende Pulsieren der Marke sei Konzernchef Marcel Rohner zugute zu halten. «Abgesehen davon wirkt der CEO aber blass, seine Botschaften bleiben nicht haften», sagt Stöhlker. Dagegen sei Präsident Kurer ein Lichtblick, der als «Brücke in die Zukunft» überzeuge. 


Die trügerische Stille um die Credit Suisse

Derzeit bleibt es um die Credit Suisse (CS) mehrheitlich ruhig. Das überrascht, denn obwohl die CS auf mögliche Staatskrücken verzichtet und sich neues Kapital über den Markt beschafft, kommunizierte sie gleichzeitig hohe Abschreiber im 3. Quartal. Entsprechend verbucht die Bank einen Verlust von 1,3 Mrd Fr. Im 2. Quartal erzielte sie noch einen Gewinn von 1,2 Mrd Fr.

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Aber auch den Markt scheint dies wenig zu interessieren. Vieleher erfreuen sich die Investoren ausschliesslich an der Kapitalerhöhung und danken mit Zukäufen. Wie es scheint, hat es die CS auf ein Neues geschafft, im Schatten der Konkurrentin UBS Negativnachrichten zu kommunizieren.

«Dabei hat die CS im Gegensatz zur UBS noch immer riskante Positionen in der Bilanz», sagt Javier Lodeiro, Analyst bei Sal. Oppenheim. So ist die CS noch immer in Leveraged Finance (fremdfinanzierte Übernahmen) und Geschäftshypotheken (Commercial Mortgage Backed Securities, CMBS) engagiert. Und deren Risikoprämie ist nicht nur im September, sondern vor allem im Oktober stark angestiegen. «Daher ist im 4. Quartal wieder mit deutlichen Wertberichtigungen zu rechnen», sagt Andreas Venditti, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB).

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Zusätzlich dürfte sich auch die Neukundenakquisition erschweren. Denn im 3. Quar- tal konnte die CS vor allem auf Kosten der angeschlagenen UBS Nettoneugelder verbuchen. «Aber mit der Staatsintervention steht die UBS heute wieder besser da», so Venditti.(mw)