Mit dem Porsche vor Aldi, Einkauf, wo es Spass macht – der hybride Kunde bestimmt die Zukunft des Einzelhandels. Für den CEO des Gottlieb-Duttweiler-Instituts, David Bosshart, ist klar, dass «Discount-Formate ein hohes Reifestadium erreicht haben». Lebensmittel- Discounter würden sich zunehmend Richtung Supermarkt entwickeln, erklärt der Handelsprofi im Gespräch mit der «Handelszeitung». Dies lasse sich vor allem an der Erhöhung der Artikelzahl, der Sortimentsausweitung Richtung Non-Food sowie der Integration von Frischeabteilungen und Convenience-Ecken ablesen. Sehr geschickt betreibe Aldi Suisse etwa ein leichtes Trading-up, also eine höherwertige Positionierung hinsichtlich Preis, Sortimentsgestaltung und Auftritt.

Die Dreifaltigkeit der Anbieter

Wer denken würde, dass man bei Raum und Personal sparen muss, habe die Situation falsch eingeschätzt. «Den Wilden Westen für Discounter gibt es nicht mehr», glaubt Bosshart. Also würden auch Discounter nach Mehrwerten suchen, die sie verkaufen wollen. So versuchen sich Aldi, Lidl und Co. dazu seit längerem auf der Öko-Schiene.

Die Grundfrage lautet für jeden Marktteilnehmer: Wie kann man qualitatives Wachstum schaffen? Eine weitere Konsolidierung des Marktes dürfe nicht auf Kosten der Innovation gehen. Beispielsweise sei das Weinbar-Konzept D-Vino von Denner solch eine innovative Kraft. Vollsortimenter wie Migros und Coop sind herausgefordert und setzen weiter auf die Dreiteilung auf der Angebotsseite von günstigen Linien (z.B. Budget von Migros oder Prix-Garantie von Coop) über Standard bis Top-Linien.

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«Es ging völlig in die Hose»

Vorbild ist hier die englische Supermarktkette Tesco, von der sich Migros und Coop jene Segementierung hinsichtlich Preis und Zielgruppe abgeschaut haben. Inzwischen eifert selbst Migros-Tochter Denner nach, indem Ende letzten Jahres die Premium-Linie «Primess» lanciert wurde. Das sei völlig folgerichtig, meint auch der Schweizer Handelsspezialist Gotthard F. Wangler. Es sei wichtig gewesen, dass Aldi kam, da sich nun etwas im Markt bewegt. Und über eins sind sich alle Experten einig: «Es war falsch und ging völlig in die Hose, dass in Deutschland über Jahre versucht worden war, die Harddiscounter über den Preis zu schlagen», fügt der deutsche Planet-Retail-Kollege Matthias Queck hinzu.