Ungewohnt trifft man Franco Knie für einmal nicht in der Manege, sondern im Büro. Vor drei Wochen ist die Tournee 2009 zu Ende gegangen, und im Winterquartier in Rapperswil wird bereits eifrig am neuen Programm gefeilt. Die Erwartungen sind hoch. Denn trotz der Krise war die vergangene Saison ein Erfolg. «Wir hatten in gewissen Städten sogar mehr Besucher als 2008», sagt Franco Knie, technischer Direktor beim Zirkus Knie. Besonders St. Gallen und Zürich liessen die Kassen klingen. «Beide Städte waren bis zu 90% ausgelastet», sagt Knie.

Genf: Schwieriges Pflaster

Trotz der guten Besucherzahlen zog die Krise aber nicht völlig unbemerkt am Zirkus vorbei. «Im Jura und im Welschland merkten wir, dass die Menschen mehr auf ihr Portemonnaie achten müssen», so Knie. Zudem musste in Genf wegen eines Umbaus vom gewohnten Standort abgewichen werden. «Das führte zu einigen Problemen», so Knie. Es fehlten Parkplätze und die Erschliessung war mangelhaft.

Nützlich waren die Erfahrungen in Genf aber dennoch. So muss der Zirkus im kommenden Jahr in Zürich auf die Landiwiese ausweichen, da der Sechseläutenplatz im Umbau ist. «Wir sind bereits seit längere Zeit in Kontakt mit der Stadtverwaltung, damit sich die Fehler in Genf nicht wiederholen», sagt Knie. Dass sich die Standortverlagerung negativ auf den Billettverkauf auswirken könnte, glaubt Knie nicht. «In Zürich waren wir bis anhin immer auch auf der Landiwiese mit unseren Wagons und Tieren präsent. Einzig der Zoo könnte vielleicht unter der veränderten Lage leiden», so Knie.

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Für die nächste Spielsaison rechnet der technische Direktor daher ebenfalls mit einem guten Jahr. «Wir haben bereits rege Anfragen für geschlossene Gesellschaften. Das ist ein gutes Zeichen», sagt Knie. Zudem habe man auch im nächsten Jahr wieder attraktive Künstler engagieren können. «Neben Joseph Gorgoni, der als Kunstfigur ‹Marie-Thérèse Porchet› durch das Programm leitet, haben wir erstmals eine Katzennummer», sagt Knie. Aber auch die Familie soll wieder stärker eingebunden werden.

Suche nach einem Clown

Zudem stemmen auch in der nächsten Saison wieder Artisten aus aller Welt das Programm. Das gemeinsame Zusammenleben bereite aber den vielen Nationen keine Probleme. «Wir versuchen das Gefühl einer grossen Familie zu vermitteln. Es gibt immer einen Weg, sich zu verständigen, auch wenn es schlussendlich mit Händen und Füssen geschieht», lacht Knie. Den Chinesen würden aber Dolmetscher zur Seite stehen.

Bei der Auswahl der Artisten legt die Familie grossen Wert darauf, dass die Künstlernummern ins traditionelle Zirkusbild passen. «Das ist der Erfolg vom Zirkus Knie», sagt der technische Direktor. Damit könne sich der Zirkus vom allgemein grossen Unterhaltungsangebot distanzieren. So steht der Knie nicht in direkter Konkurrenz zu anderen Zirkussen. Vielmehr müsse er sich mit den unzähligen Openair-Veranstaltungen messen. «Es besteht die Gefahr einer Übersättigung», so Knie.

Um das Traditionelle zu unterstreichen, steht in der nächsten Saison beispielsweise wieder einmal ein Clown in der Manege. Dessen Suche war aber nicht ganz einfach. «Die klassischen Zirkus-clowns sind schwierig zu finden», sagt Knie. So hätten sich diese nicht weiterentwickelt, obwohl die Besucher anspruchsvoller werden. Wieder nicht im Programm ist eine klassische Raubtiernummer. Seit Längerem sieht die Familie Knie davon ab. Der Grund liege unter anderem darin, dass den Tieren zu wenig Platz für die Haltung zur Verfügung gestellt werden könnte.

Knie: «Zirkus lebt man»

Die Familie Knie wird immer wieder als Dynastie bezeichnet. Dass diese eines Tages zu Ende gehen könnte, glaubt Franco Knie nicht. «Bis jetzt ist es noch nie vorgekommen, dass keiner von uns mehr Lust auf das Zirkusleben hatte.» Als Kind sei es ein Erlebnis, in einem solchen Umfeld aufzuwachsen. Aus diesem Grund würde er die tägliche Arbeit auch nicht als Beruf bezeichnen. «Zirkus lebt man.» Um daher das weitere Bestehen des gesamten Zirkus sicherzustellen, sei es wichtig, die Tradition zu sichern. «Der Zirkus darf sich nicht zu rasch verändern. Nur so werden wir auch in Zukunft Erfolg haben», sagt Knie.