Laut den Experten der Société Générale steht eine Hurrikansaison mit vielen grossen Stürmen bevor. Grund ist die als «El Niño» bekannte grossräumige Wetter- und Meeresströmungskonstellation. Die Analysten haben aus den Zeitreihen der letzten 57 Jahre einige Regelmässigkeiten gefunden, welche die Basis für ihre Empfehlungen im Vorfeld der Hurrikansaison sind. Gegenüber Aktienanlegern sind Derivate-Investoren gleich mehrfach bevorzugt, weil ihre Instrumente diese Effekte stärker nutzen und sie – dank Index- und Branchenzertifikaten – kostengünstigere Möglichkeiten haben, Trends, welche nur bestimmte Regionen und Branchen betreffen, zu nutzen.

Versicherer leiden vor allem

Aktien fallen während Hurrikanen, sie steigen aber innerhalb von zehn Tagen wieder auf das Niveau, das sie vor solchen Stürmen hatten. Kleinkapitalisierte Werte fallen stärker, erholen sich aber danach wieder kräftiger. Obligationen-Renditedifferenzen weiten sich nach Hurrikanen aus, diese Ausweitung geht der Erholung der Aktienkurse gewöhnlich voraus.
Ein wachsames Auge werfen Anleger bei Hurrikanen immer auf die Versicherungs- sowie die Öl- und Gasindustrie. Versicherer und Rückversicherer wie die Swiss Re müssen für solche Schäden gerade stehen, und zerstörte Raffinerien am Golf von Mexico hatten vor zwei Jahren auch in Europa die Benzinpreise auf neue Rekordniveaus katapultiert. Versicherungsaktien schneiden historisch schlecht ab während der Hurrikansaison, erholen sich aber schnell wieder. Die Aktien brechen aber seit dem Jahr 2000 aufgrund innovativer Wege, Risiken breiter zu verteilen – etwa durch «Katastrophenbonds» – weniger stark ein als noch im letzten Jahrzehnt; und breite Allversicherungskonzerne leiden stärker als die Aktien von spezialisierten Versicherungen oder – etwas überraschend – von Sachversicherern.
Weil die Versicherungsbranche global ausgerichtet ist und in der Regel fast alle Vertreter einer Branche eine Bewegung mitmachen, ungeachtet ihrer jeweiligen Qualitäten, zeigen sich die Auswirkungen weltweit und es können auch Stoxx-Sektorzertifikate wie DEIOE oder DJXIC oder der breiter gefasste weltweite Schein DJINS gewählt werden.

Bestimmte Ölfirmen profitieren

Aktien der Öl- und Gasindustrie halten sich während Hurrikanen besser als der Gesamtmarkt, besonders wenn ihre Produktionsstätten auf dem Land sind (und nicht auf Bohrinseln und Förderplattformen). Raffinerieaktien aus der Golf-Region fallen zurück, die von Raffinerien ausserhalb der Golf-Region zählen zu den Gewinnern. Ebenfalls gut halten sich Energie-Transportfirmen. Zertifikate, die hier in Frage kommen, sind der Öl-Servicefirmen-Tracker Oilag, das Bonuszertifikat Bonce, das auf den Stoxx-600-Öl- und Gasindex lautet, oder der Index-Tracker Spoil, der den S&P-Ölbohrindex als Basiswert hat.
Überraschend sind die gemischten Ergebnisse aus dem Bausektor. Häuserbauer-Aktien steigen, die von Baumaterialhändlern wie Home Depot fallen. Gut schneiden die Hersteller von mobilen Wohneinheiten und von Fertighäusern ab. Auch die Aktien von Batterieherstellern sowie Baumaterialien legen zu. Auf den S&P-Homebuilder-Index sind in der Schweiz gegenwärtig zwei Short-Produkte erhältlich, Vontobel hat je drei Calls und Puts auf Home Depot ausstehend.
Auch etliche Future-Märkte verhalten sich im Umfeld von Hurrikanen auffällig – und viele Retailanleger sind hier indirekt über Zertifikate auf einzelne Rohstoffe, Baskets von Rohwaren oder Sektorprodukten engagiert. Rohölfutures steigen während Stürmen, insbesondere die mit kurzer Restlaufzeit. Auch die Differenzen zwischen kurz- und langfristigen Kontrakten steigen, sie fallen aber, wenn die Stürme abgeflaut sind. Beim Erdgas steigen die Preise von Einmonats-Futures, die Sechsmonats-Futures hingegen fallen. Und auch Getreide-Futures fallen: Die kurzfristigen US-Mais- und Weizen-Futures fielen während «Katrina», die in London gehandelten Kontrakte hingegen stiegen. Und auch andere Kontrakte, für welche die USA der wichtigste Produzent sind, wie beispielsweise Sojabohnen, fielen während dem letzten grossen Hurrikan. Kurzfristig lassen sich solche Entwicklungen mit den Tracker-Zertifikaten auf diese Rohstoffe spielen. Längerfristig kosten die Roll-over-Transaktionen einen Teil der Performance.

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