Am 2. August wird der Handyhersteller Nokia über das 2. Quartal des aktuellen Geschäftsjahres informieren. Gleich zwei Derivate-Analystenteams haben im Vorfeld des Quartalsergebnisses Derivatestrategien für Nokia veröffentlicht.

Bei der HSBC steht das aus dem zu erwartenden Cashflow basierende Kursziel für die Nokia-Aktie bei 23 Euro, 15% über dem aktuellen Niveau. Nokia ist wegen der Schwäche bei Motorola und vor dem Start des iPhone-Verkaufs von Apple ausserhalb der USA in einer vielversprechenden Situation, weil in Nordamerika nur 4,8 Mio der weltweit 91,1 Mio Nokia-Handys im 1. Quartal verkauft wurden und Nokia deshalb nicht allzu stark vom Markteintritt von Apple betroffen ist.

Aktie bekommt Schub

Für das 2. Quartal erwarten die HSBC-Analysten von Nokia einen Zuwachs der Handyverkäufe um 27%, deutlich über dem Wachstum des Gesamtmarktes. Hinzu kommen weitere günstige Einmaleffekte aufgrund des Starts des Ausrüstergeschäftes von Nokia Siemens Network. Ein optimistischer Ausblick des Nokia-Managements auf die zweite Jahreshälfte könnte der Aktie einen Schub in Richtung des Kursziels verleihen.
Normalerweise würde hier laut den Analysten von HSBC der Kauf von kurz laufenden Call-Optionen naheliegen, um den Nutzen des absehbaren möglichen Kursanstiegs zu maximieren. Weil aber die implizite Volatilität im Vergleich zur historischen Volatilität stark gestiegen ist, raten die Analysten der HSBC zu einem Verkauf von Put-Optionen. Die Volatilität erfasst die Schwankungsbreite eines Basiswertes, die historische Volatilität beruht auf den Daten der Vergangenheit, die implizite hingegen auf den Erwartungen eines Derivate-Emittenten.

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Wichtig für Preisberechnung

Eine steigende implizite Volatilität ist im Umfeld der Veröffentlichung eines Quartals- oder Jahresergebnisses möglich, wenn sich der Markt (noch) keine klare Meinung zu dieser Aktie gebildet hat. Die implizite Volatilität ist zudem für die Berechnung der Call- und Put-Preise sehr wichtig.
Grundsätzlich ist es deshalb für die Käufer von Hebelprodukten sinnvoll, Calls und Puts dann zu kaufen, wenn die Volatilität niedrig ist, und sie zu verkaufen, wenn sie hoch liegt. Der Grund für den Verkauf der Puts liegt hier also bei der gestiegenen impliziten Volatilität. Den Ausübungspreis eines kurz laufenden Puts setzen die HSBC-Analysten bei 21.50 Euro an.

Verkauf gedeckter Calls

Für die Analysten bei Goldman Sachs ist die Nokia-Aktie nach einem Kursanstieg von 35% in diesem Jahr und den vielen Kaufempfehlungen von Analysten ausgereizt. In den letzten Monaten waren die Schätzungen für 2008 von etlichen Analysten angehoben worden. Auch für diese Analysten ist die gestiegene implizite Volatilität ein wichtiges Argument. Aktuell befindet sich die implizite Volatilität auf dem höchsten Stand seit fast einem Jahr und 3 Punkte über dem Niveau der historischen Volatilität.
Die Goldman-Sachs-Analysten raten zum Verkauf gedeckter Calls mit einem Ausübungspreis von 24 Euro. Fundamental betrachtet, entspricht das einem Kurs-Gewinnverhältnis von 18 auf der Basis des für 2008 zu erwartenden Gewinns. In den letzten drei Jahren wurde die Nokia-Aktie für das 12- bis 16-Fache des nächstjährigen Gewinns gehandelt.
Etliche an der SWX gelistete Calls und Puts weisen implizite Volatilitäten von 35% und mehr auf. Damit liegen diese Volatilitätsniveaus doppelt so hoch wie die des Basiswertes. Gewinnmitnahmen bzw. die Mitnahme von hohen Volatilitätsniveaus sind auch über den Verkauf von Retail-Calls und Puts möglich.