Mitte Juli beginnt in den USA der Reigen der Quartalsabschlüsse. Für die Analysten von Goldman Sachs ist die kommende Ergebnissaison der erste wirkliche Test ihrer Berechnungen zu den Optionsstrategien um Firmenabschlüsse. Dabei haben sich drei Regeln als brauchbar erwiesen:

Aktien mit hoher Volatilität sind geeignet, um Optionen zu verkaufen: Calls, wenn das Anlageszenario negativ ist, Puts, wenn es positiv ist. Hingegen sind Aktien mit tiefer Volatilität Kaufkandidaten. Hier können bei positiven Szenarien Calls gekauft, bei negativen Puts gekauft werden.
Optionen können generell verkauft werden, wenn die Volatilität zu hoch ist, und gekauft werden, wenn die Volatilität niedrig ist.
Optionen auf Aktien von Firmen mit Konkurrenten, die im gleichen Geschäftsbereich tätig sind, können verglichen werden.

Google und Southwest attraktiv

Anhand dieser Grundsätze lassen sich aktuelle Kauf- und Verkaufschancen ermitteln. Auf dem Hintergrund von vernünftig niedriger Volatilität und kleiner Spanne bei den Gewinnerwartungen – und damit geringem Überraschungs- und Bewegungspotenzial – sind der Internet-Werbedienstleister und –Suchmaschinenbetreiber Google sowie Southwest Airlines, die grösste und erfolgreichste amerikanische Billig-Fluglinie, erwähnenswert.
Google wird am 19. Juli über das Quartal berichten. Aktuell sind Google-Optionen billig (das heisst, die in den Preis einfliessende implizite Volatilität ist tief), sie sind zudem auch günstiger als vor einem Jahr zum gleichen Zeitpunkt. Mit einem Strangle, dem Kauf von Calls und Puts mit gleichem Ausübungspreis und gleicher Laufzeit, können Anleger laut den Analysten von Goldman Sachs am besten von einem kurzfristigen Ausschlag am Berichtstag und den mittelfristigen Perspektiven profitieren. In der Schweiz sind über 30 Calls und sechs Puts auf Google gelistet, die Umsetzung dieser Strategie ist damit möglich.
Southwest Airlines wird am 18. Juli über das abgelaufene Quartal berichten. Analysten und Investoren werden ihr Augenmerk auf Auslastungs- und Kapazitätsziffern legen. Southwest hatte die Kapazitäten trotz einer Wachstumsverlangsamung der US-Luftlinien in den letzten Monaten gesteigert. Die Optionspreise bewegen sich in der Nähe historischer Tiefstwerte. Hier empfehlen die Analysten aufgrund des grösseren Überraschungspotenzials eine Straddle-Strategie. Das ist der Kauf von Calls und Puts mit unterschiedlichen Ausübungspreisen und gleicher Laufzeit. Weil es weder auf dem schweizerischen noch auf dem deutschen Markt entsprechende Retail-Derivate gibt, müssen Anleger auf US-Optionen ausweichen.

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Nokia teurer als Motorola

Auch bei den Vergleichspaaren wurden die Analysten von Goldman Sachs fündig. So sind Optionen des Handy-Herstellers Nokia relativ teuer im Vergleich zu den Optionen des Konkurrenten Motorola. Nokia legt insbesondere in den aufstrebenden Märkten zu und weist gegenwärtig die viel attraktivere Produktepalette auf als Motorola, das keinen rechtzeitigen zugkräftigen Nachfolger für das Erfolgsmodell «RAZR» entwickelt hat. Einzelne Analysten haben Nokia aus Bewertungsgründen zurückgestuft, die Aktie war in kurzer Zeit um 40% gestiegen. Für Nokia sind 52 Calls und Puts, bei Motorola 13 Scheine ausstehend.

Wal-Mart ist günstig

Billig erscheinen den Analysten von Goldman Sachs zudem die Detailhandelskette Wal-Mart sowie die Heimwerkerkette Home Depot im Vergleich mit ihren Konkurrenten Target bzw. Lowe’s. Bei Target sind beim Quartalsabschluss weniger aufregende Neuigkeiten zu erwarten als bei Wal-Mart, das neuerdings auch Dell-Computer verkauft. Und bei Home Depot stützt die Ankündigung eines grossen Aktienrückkaufprogramms die Kurse. Ein Dutzend Wal-Mart-Scheine und acht Home-Depot-Warrants sind in der Schweiz erhältlich, für Calls und Puts ihrer Konkurrenten muss aber auf den deutschen oder den amerikanischen Markt ausgewichen werden.