Während der letzten zehn Monate ist Microsoft deutlich hinter dem Markt zurückgeblieben: Die Aktie des Software-Giganten stagnierte, der US-Technologie-Index Nasdaq hingegen legte seit Jahresbeginn um 15% zu.

Das könnte sich mit dem kommenden Ergebnis ändern – Microsoft wird am 25. Oktober über das 1. Quartal des derzeitigen Geschäftsjahres berichten. Das ist wenigstens die Überzeugung der Analysten von Merrill Lynch. Sie führen dafür drei Argumente an: Erstens dürften die sehr gut angelaufenen Verkäufe für das Computerspiel Halo 3 den Umsatz und die Profitabilität des Unterhaltungsbereichs verbessern. Die Erwartungen für die Sparte liegen für das abgelaufene Quartal bei 1,4 Mrd Dollar, für das gesamte Geschäftsjahr bei 7,1 Mrd Dollar. Der Unterhaltungsbereich nähert sich mit einer negativen Quartalsmarge von 6% langsam der Profitabiliätsschwelle, möglicherweise wird diese 2008 erreicht werden.

Nagelprobe für Vista

Zweitens macht Microsoft gerade im konsumnahen Bereich viel Umsatz im 2. Geschäftsquartal (bzw. 4. Quartal des Kalenderjahres). Die relativ gute Konsumentenstimmung in den USA und ausserhalb lässt hier kaum negative Überraschungen befürchten. Drittens ist das Vista Service-Pack 1 im nächsten Frühjahr fällig.
Viele Firmen hatten bereits bei der Lancierung des Vista-Betriebssystems angekündigt, zunächst einmal dieses Service-Paket abzuwarten, bevor sie über einen Wechsel vom stabilen Windows-NT-Vorgängerbetriebssystem auf die Neuentwicklung nachdenken würden. Grosse Computerhersteller wie HP, Dell, Lenovo, Fujitsu-Siemens oder Acer werden ihre Neugeräte gleich mit dem Servicepack ausstatten. Auch wenn die Microsoft-Prognose, die von einem Vista-Anteil von 78% bei den Neuauslieferungen ausgeht, in den Augen der Merrill-Lynch-Analysten etwas zu optimistisch ist, dürfte sich der Anteil von Vista an Neuauslieferungen sukzessive erhöhen. Damit steigt auch der Umsatz für Microsoft. Bei Microsoft gibt es damit kurz- und mittelfristige Katalysatoren für die Kursentwicklung. Kurzfristig steht die Ergebnismeldung im Vordergrund. Die Messlatte liegt hier für den gesamten Konzern bei einem Umsatz von 12,51 Mrd Dollar und einem um Einmalfaktoren bereinigten Gewinn pro Aktie von 39 Cent. Der Aktienkurs ist in den letzten Tagen in Erwartung eines soliden Ergebnisses auf über 31 Dollar gestiegen. Wenn die Marke von 31.50 Dollar passiert wird, steht charttechnisch der Weg bis 36 Dollar offen.

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Konservatives Angebot

Die grössten Chancen rechnen sich die Merrill-Lynch-Analysten für Calls mit baldigem Verfall und einem Ausübungspreis von 32.50 Dollar aus. Eine Reihe von Anbietern, darunter UBS, Vontobel, Goldman Sachs und Deutsche Bank, hat Hebelprodukte auf den Markt gebracht. Von der Laufzeit und dem Ausübungspreis passt der Call MSFTI, dessen Spread (die Differenz zwischen Ankaufs- und Verkaufspreis) ist indes mit 38% unverhältnismässig gross. Auch länger laufende Scheine gehen mit tieferen Risiken einher, die erwähnten Emittenten haben entsprechende Scheine mit Ausübungspreisen um 35 Dollar und Verfall im nächsten Juni im Angebot.
Für konservative Anleger gibt es auf dem deutschen Markt etliche Anbieter, die Produkte mit Bonus-Struktur oder Discounter haben. Auch hier gilt wie bei den Hebelprodukten: Je tiefer die Knock-out-Schwellen, desto konservativer das Chancen-Risiko-Verhältnis.