Hedge-Fonds machen ihr Geld in mehreren Stufen und mit mehreren Strategien: An der Basis stehen oft Zinsarbitrage-Geschäfte, die als Carry Trades bekannt geworden sind, oder andere, relativ einträgliche Quellen wie Obligationen oder Zinsderivate mit hohen Coupons. Auf diese Basis wird ein «Hebel» gestülpt. Diesen bilden oft Derivate mit entsprechendem Chancen-Risiken-Profil.

Wenn sich an der Anlagebasis etwas Winziges ändert – weil sich etwa Zins- und Währungsverhältnisse verschieben –, gerät das ganze Gefüge ins Wanken. Hedge-Fonds müssen dann relativ rasch Positionen verkaufen – und sie verlieren dann Geld, wenn sie nicht das erhalten, was sie in ihren Büchern haben.
Daraus speisen sich die am Markt kursierenden Gerüchte über Schieflagen bei etlichen Hedge-Fonds. Der Global Alpha Fund von Goldman Sachs und weitere Vehikel, die ausschliesslich mit quantitativen Modellen arbeiten, zählt indes eher zu den Ausnahmen, weil sich die Modelle – sie basieren auf einer Hand voll einfacher Basisinvestments – schlicht nicht für sich rasch verändernde Marktlagen eignen.

Profiteure der Krise

Die Mehrheit der Hedge-Fonds hat den Juli ordentlich überstanden. Während die bekannten Aktienbörsen zwischen 5 und 8% nachgegeben hatten, weist der Credit Suisse/Tremont Hedge-Fund-Index für den Monat einen unveränderten Stand aus. Die Performance seit Jahresanfang steht bei 8,7%. Schlecht abgeschnitten haben Zins-Arbitrage-Funds, Wandelanleihen-Fonds und Managed-Futures-Spezialisten. Short-Bias, also Fonds, die auf fallende Kurse setzen, zählen zu den Gewinnern. Fonds mit anderen Strategien weisen kaum Veränderungen auf.
Dies zeigen auch Analysen der Société Générale und von Merrill Lynch. Beide Banken verfolgen die Mittelzu- und -abflüsse von Hedge- Fonds und beide registrierten, dass viele Hedge-Fonds bezüglich des US-Aktienmarktes «short» sind, also auf weiter fallende Kurse setzen. Im Visier stehen besonders die an der Nasdaq gelisteten Technologiewerte sowie die im Russell-2000-Index zusammengefassten kleinkapitalisierten US-Aktien. Zudem setzen etliche Fonds auch auf weiter fallende Zinsen und haben sich entsprechend über Zinsderivate positioniert. Und beim Rohöl setzen Hedge-Fonds – auch im Vorfeld der Hurrikan-Saison – auf wieder steigende Preise, dort bestehen massive Kaufpositionen. Auch wenn erst in einigen Monaten Klarheit bestehen wird und Mitte August der 45-Tage-Kündigungszeitpunkt für Anleger, welche per Quartalsende aus Hedge-Fonds aussteigen möchten, ablief, könnten etliche Hedge-Fonds wie schon 2001 bis 2003 zu den Gewinnern der Turbulenzen zählen.

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Nachteile der Zertifikate

Theoretisch sollten Anleger, welche auf Hedge-Fonds-Indizes gesetzt hatten, die Baisse schadlos überstanden haben. Der von CS in Euro emittierte Tracker auf den Tremont-Index hat indes seit Juli 5% eingebüsst. Weil der Basiswert nur einmal im Monat berechnet wird, werden grössere Index- schwankungen erst verspätet ausgewiesen. Der Tracker verzeichnete in den letzten Tagen hohe Handelsvolumen, die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufspreisen hat sich trotz der Turbulenzen nur wenig von 0,7 auf 0,9% vergrössert. Ein zweites Indexzertifikat ist das von der Dresdner in Dollar ausgegebene Produkt auf den HFRX-Global Hedge Fund-Index. Hier liegt der Spread etwas höher, der Kurs ist seit Mitte Juli um 5% zurückgegangen.
Auch wenn die für den Juli vorliegenden Hedge-Fonds-Indizes ein Bild relativer Stabilität zeichnen – die beiden Indexzertifikate führen ein gewisses Eigenleben und weisen bereits jetzt auf tiefere Kurse per Ende August hin.