Vor der kürzlich eingetretenen Entspannung an den Aktienmärkten hatten die wichtigsten Volatilitäts-Indikatoren, die Auskunft über die historischen oder zukünftig erwarteten Schwankungen an den Aktienmärkten geben und für die Optionspreisbestimmung sehr wichtig sind, neue Rekorde erreicht. Es mag Ironie des Schicksals sein, dass ausgerechnet die Volatilität zu einem Zeitpunkt wieder anstieg, als sich Experten mit der
Frage beschäftigten, warum diese auf absehbare Zeit niedrig liegen dürfte.

Die Analysten der Dresdner Bank weisen auf die umgekehrte statistische Beziehung zwischen der Höhe der Volatilität und dem Risikoappetit der Anleger hin.

Vom hohen zum niedrigen Beta

Es gibt eine Reihe von Gewinnern und Verlierern, wenn die Volatilität steigt. Grundsätzlich sind alle diejenigen, welche Hebelprodukte und einige Typen von strukturierten Produkten, für welche die Volatilität bei der Preisbestimmung wichtig ist, während einer Phase mit niedriger impliziter Volatilität gekauft hatten, die Gewinner. Zu den Verlierern zählen Anleger, die jetzt beispielsweise spät Index-Puts kaufen – diese sind nicht nur durch die grössere Nachfrage, sondern auch durch die höhere Volatilität teurer geworden.
Technisch steht hinter dem veränderten Risikoappetit ein Wechsel von einem hohen Beta zu einem niedrigen. Bei einem Beta von 1 verändert sich der Kurs einer Aktie prozentual genauso stark wie der Gesamtmarkt, ein Beta von 1,5 bedeutet einen Anstieg einer Aktie um 1,5%, wenn der Gesamtmarkt um 1% steigt. Ein tiefes Beta geht mit hoher Stabilität bei den Gewinnen, niedrigen Risiken bezüglich der Gewinnentwicklung und tendenziell tiefer Bewertung einher. Konkret bedeutet das einen Trend weg von zyklischen Werten hin zu stabilen, von Firmen mit tiefer zu hoher Bilanzqualität, von Technologie zu defensiven Sektoren und von kleinen Werten zu hoch kapitalisierten Aktien.
Laut den Analysten der Dresdner Bank gibt es einige Branchen, deren Kursentwicklung überdurchschnittlich gut ist, wenn die Volatilität niedrig ist. Dazu zählen Technologiewerte, Ölausrüster, Minenwerte, die Industriemetalle, Elektronikfirmen, Telecom-Netzbetreiber, Getränke- und Nahrungsmittelhersteller, Haushaltgüter, Tabak- und die Öl- sowie Gaslieferanten. Die Aktien aus diesen Sektoren «mögen es tief» – bezüglich der Volatilität.

Attraktive Derivate

Umgekehrt zählen Ölausrüster, Technologiefirmen, Elektronikhersteller, die Autokonzerne sowie die Versicherungsbranche zu den schlechtesten Sektoren, wenn die Volatilität steigt. Outperformer in diesen Zeiten sind die Aktien von Tabakkonzernen, Getränkeherstellern, der Pharmabranche, die Nahrungsmittelproduzenten und die Versorger.
Um als Anleger von der Volatilitätsentwicklung zu profitieren, gibt es drei Wege. Zunächst ist es ratsam, volatilitätssensitive Derivate, inbesondere konventionelle Optionen, dann zu kaufen, wenn die implizite Volatilität niedrig ist. Dann sind einige Volatilitätsinstrumente erhältlich, mit denen direkt auf einen Anstieg der Volatilität gesetzt werden kann. Ein gutes Beispiel ist der Indextracker VIXFC, der sich auf den VIX stützt. Schliesslich können systematisch Branchenzertifikate – etwa die EuroStoxx-Zertifikate oder die DJ Titan-Zertifikate – auf die Branchen gekauft werden, die sich in Zeiten höherer Volatilität bisher besser entwickelt haben als der Gesamtmarkt.

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