Auch wenn im Juli ein Teil der US-Unternehmen Gewinnzahlen gemeldet hatte – der Grossteil der Ergebnisse folgt im August, weil viele Bücher erst Ende Juli geschlossen wurden. Die Derivateanalysten von Goldman Sachs haben jetzt untersucht, wie sich Optionen und Kursentwicklung im Umfeld der Ergebnissaison zueinander verhalten.

Einfache Richtungswetten

Besser als ausgefeilte Optionsstrategien schnitten die einfachen Richtungswetten ab, bei denen sich Anleger vor der Veröffentlichung eines Geschäftsergebnisses bereits eine klare Meinung zu einer Aktie gebildet und sich entsprechend mit Optionen positioniert hatten. Hinzu kommt, dass die Volatilität als wichtiger Faktor bei der Optionspreisbestimmung immer stärker beachtet wird. Hier gilt prinzipiell das Gleiche wie bei Aktienkursen: Tief kaufen und hoch verkaufen.
Für Anleger halten die Derivateanalysten drei konkrete Hinweise bereit: Investoren, die eine klare Meinung bezüglich der Richtung einer Kursentwicklung, aber keine bezüglich der Grösse des Ausschlags der Aktie haben, fahren erstens am besten, wenn sie Optionen verkaufen. Zweitens sind Anleger, die hinsichtlich der Richtung unsicher sind, die aber eine klare Meinung zum Ausschlag des Kurses des Basiswertes haben, am besten mit einem Kauf von Optionen bedient (weil ein hoher Ausschlag automatisch die implizite Volatilität nach oben treibt und Optionspreise verteuert, unabhängig davon, ob es sich um Calls oder Puts handelt).
Und drittens müssen Aktienkurse um 5 bis 7% anziehen, um die Kosten für Wetten auf steigende Kurse bei Basiswerten einzuspielen. Das ist mehr als bei Verkaufsstrategien. Die Analysten von Goldman Sachs weisen aber darauf hin, dass dies Durchschnittswerte sind und dass man Positionen einzeln betrachten muss.
Bei der Umsetzung dieser Hinweise erinnern die Analysten an das kleine Abc für Derivateanleger: Zunächst gilt es, für den Basiswert ein Szenario zu erarbeiten. Dann lohnt es sich, zu untersuchen, was der Markt vorwegnimmt und bereits in die Aktien- und Optionskurse «eingepreist» hat.
Anleger, die davon ausgehen, dass ein Aktienkurs stärker als erwartet ausschlägt und damit einen Anstieg der Volatilität voraussehen, dürften Optionen eher kaufen als verkaufen. Die Kursveränderung muss aber auch hier ausreichend gross sein, um die Kosten der Optionsprämie zu decken – und die Reaktion sollte rasch erfolgen, weil Volatilitäten und damit auch Optionspreise nach der Ergebnismeldung meist rasch zurückgehen. Schliesslich sollte das Augenmerk laut den Analysten von Goldman Sachs auch der impliziten Volatilität gelten. Weil diese für die Preisbestimmung von Optionen mitentscheiden ist, sollten Anleger nicht nur ein Szenario zur Kursentwicklung des Basiswertes, sondern auch zur Volatilität haben. Hier gilt – bei einem Szenario mit stabilen Kursen beim Basiswert – das einfache Rezept, Volatilität zu kaufen, wenn sie niedrig ist, und zu verkaufen, wenn sie hoch liegt.

Geeignete Derivate

Auf der Basis von den rein quantitativen Kriterien geben die Analysten von Goldman Sachs einige Aktien an, bei der die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Basiswerte deutlicher bewegen, als eingepreist ist. Die Optionen sind hier also noch günstig und können aufgrund der genannten technischen Faktoren gekauft werden. Bei Sun Microsystems hatte dieses Vorgehen vergangene Woche sehr gut funktioniert.
Kaufkandidaten sind die Aktien des Netzwerkausrüsters Cisco, des Computerspeicherherstellers Network Appliance und der gehobenen US-Warenhauskette Nordström. Zwischen dem 8. und dem 16. August werden diese Firmen über den aktuellen Geschäftsgang berichten. Verkaufen sollte man dagegen die Optionen des Kudelski-Konkurrenten Echostar. Hier ist die Volatilität hoch, und es ist eher unwahrscheinlich, dass sich die Aktie mehr bewegen wird, als bereits bei den Optionen eingepreist ist.

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