Gegenwärtig liegen die Aktienbörsen näher an den
Juli-Höchstständen als an den August-Tiefstständen. Mit der Beruhigung der Märkte ist auch die implizite Volatilität – sie gibt Auskunft für die zu erwartende Schwankungsbreite bei Basiswerten – von den August-Spitzen fast wieder auf das Juli-Niveau zurückgefallen.

Bei den Optionen zeigt sich indes ein anderes Bild. Die Volatilität bei Calls ist stärker zurückgekommen als bei Puts. Laut den Analysten von BNP Paribas steht dahinter weiterhin Skepsis über die fundamentale Gesundheit der Aktienmärkte. Es gibt demnach sowohl an der Eurex als auch an der SWX ausreichend Anleger, die sich über Puts vor weiteren möglichen negativen Überraschungen an den Aktienbörsen absichern.

Interessante Asymmetrien

Bei Goldman Sachs mag man solche Asymmetrien. Einerseits sind die potenziellen Kosten, abseits zu stehen, hoch, denn viele Ökonomen prognostizieren eine weiterhin solide wachsende Weltwirtschaft. Zudem raten die Analysten davon ab, sich gegen den von der US-Notenbank vorgegebenen Trend zu stellen – der Bondmarkt rechnet diesbezüglich eher noch mit weiteren Zinssenkungen. Schliesslich sind die Bewertungen keinesfalls exorbitant. Entscheidend für die Zeit bis Jahresende ist aber noch ein weiterer Faktor: Saisonal ist das 4. Quartal in 7 der letzten 17 Jahre das beste gewesen. Deshalb hat Goldman Sachs nicht faul jetzt pünktlich vor Beginn der Weihnachtssaison Tipps für Derivateanleger mit einem Anlagehorizont bis Jahresende zusammengefasst. Dabei schlagen sie vorab Calls auf eine Reihe von Basiswerten vor.

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Rohöl: Ausgehend vom aktuellen Niveau liegen fundamental 7% bezüglich des Zielpreises per Jahresende drin. Anleger sollten sich an Calls halten, die fest auf einen Dezember- oder März-Call lauten, damit die Rollover-Transaktionskosten beim Basiswert den Gewinn nicht schmälern. Bei den geringsten Förderschwierigkeiten liegen beim Rohöl sogar Winterpreise von 90 und mehr Dollar pro Fass drin. Futures auf den Brent-Kontrakt haben die CS, ABN Amro und Goldman Sachs, NYMEX-Kontrakte werden von Vontobel und ABN Amro angeboten.

Finanz-Aktien: Nach wie vor hält sich einige Unsicherheit um Bankenwerte. Bei der spanischen BBVA ist die Lücke zwischen gegenwärtigem Kurs und Analysten-Konsenserwartung mit 35% besonders hoch. Zudem liegt hier die implizite Volatilität, anders als bei vielen anderen Instituten, wieder auf der Höhe von vergangenem Juli. Die Aktie blieb aufgrund der Ungewissheit um den spanischen Immobilienmarkt hinter den europäischen Bankenindizes zurück, das Erholungspotenzial für Calls und Aktie ist dank des Lateinamerikageschäftes gross. In Deutschland sind zahlreiche Zertifikate von Anbietern wie BNP Paribas, Deutsche Bank, ABN Amro, UBS oder der Dresdner erhältlich.

Carrefour: Beim Retail-Riesen sehen Analysten ein Aufwärtspotenzial zwischen 25 und 30% für die nächsten zwölf Monate. In der zweiten Novemberhälfte wird das Unternehmen in Paris einen Analystentag abhalten, bei dem Margenschwäche und Umsatzwachstum zur Sprache kommen sollen. Wenn das Management hier mit Lösungen aufwartet, ist das Kurspotenzial für Calls besonders gross. Vontobel und Goldman Sachs haben hier Zertifikate ausstehend.

Fiat: Beim italienischen Autobauer werden Anleger beim nächsten Quartalsergebnis – es ist für den 24. Oktober fällig – besonders auf die finanzielle Gesundung achten. Der Gewinnkonsens der Analysten liegt noch an der unteren Schwelle des vom Fiat-Management vorgegebenen Erwartungsbandes von 1.80 bis 2.20 Euro pro Aktie. Wenn sich Gewinne darüber einstellen, profitieren zunächst die Besitzer von Hebelprodukten. Vier solche Calls werden von Merrill Lynch angeboten.

Abgerechnet wird schliesslich im Dezember – und spätestens an Weihnachten wird sich dann zeigen, wie stark Investoren von den im Oktober erschienenen Derivate- oder Geschenktipps profitiert haben.