Während der letzten zwei Jahre haben die Aktienkurse der meisten Ölfirmen infolge der gestiegenen Rohölpreise deutlich zugelegt: ExxonMobile und Chevron gewannen je 50%, Total und Eni je 25%. In den letzten Tagen haben die Kurse korrigiert, einige Titel scheinen ausgereizt.

Unterbewerteter Titel

Dennoch gibt es noch Ölaktien mit Aufwärtspotenzial. Die Analysten von HSBC bezeichnen die Aktien des russischen Konzerns Lukoil als eine der am stärksten unterbewerteten – und setzen für die in New York gehandelten ADRs (Anteilscheine auf die an der Moskauer Börse gehandelten Aktien) ein Zwölfmonats-Kursziel bei 110 Dollar, 40% über dem aktuellen Kurs. Fundamental sprechen die diversifizierte Basis an Ölfeldern sowie die Raffineriekapazitäten für das Unternehmen. Weitere Punkte, die für die Lukoil-Aktie werben, sind die guten Beziehungen zur russischen Regierung, die strategische Partnerschaft mit dem US-Konzern ConocoPhilips sowie die vergleichsweise soliden Bilanzverhältnisse.
Die gegenwärtige Bewertung mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 9 liegt unter den historischen durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnissen des Unternehmens. Und auch alle anderen Bewertungskriterien wie Buchwert zu Vorsteuergewinn oder der Buchwert zu Umsatz weisen auf eine tiefe Bewertung im Vergleich zu Konkurrenten aus aufstrebenden Ländern hin. Die US-Konzerne werden für das Zwölffache der erwarteten Gewinne für 2008 gehandelt. Trotz dieser positiven Argumente hat der Aktienkurs in letzter Zeit schlechter abgeschnitten als die russischen Aktienindizes und die breiteren MSCI-Länder- und Branchenindizes.
Ursache der tiefen Bewertung und der seit 18 Monaten stagnierenden Kurse ist Ungewissheit um die Höhe der Investitionen für die Erschliessung neuer Ölfelder. Bei der HSBC geht man davon aus, dass der niedrige Schuldenstand, die steigende Höhe der Dividenden sowie die sich laufend verbessernde Profitabilität genug Gewähr für einen ausreichenden Cashflow bieten, um solche Investitionen zu finanzieren.
Laut den Analysten von HSBC liegt die implizite Volatilität beim aktuellen Kurs bei 30,8% und damit etwas höher als die historische Volatilität mit einem Zeithorizont von sechs Monaten. Trotz des jüngsten Anstiegs der Volatilität ist das unter dem längerfristigen Durchschnitt. Sie empfehlen den Kauf von Calls auf den ADR und Ausübungspreisen bei 85 Dollar sowie einer Laufzeit bis Ende Dezember 2007. Ende Juli ergaben sich so Kaufkosten von 5,6% des Spotpreises. Investoren, die Calls verkaufen, die tief im Geld sind, könnten diese Kosten noch weiter senken. Damit sinkt zwar einerseits der Breakeven-Punkt, andererseits begrenzen Investoren dadurch auch das Kurspotenzial. Alternativ könnte ein Put verkauft werden, der aus dem Geld liegt. Dann besteht nach oben keine Begrenzung mehr, es fehlt aber an einer Grenze für ein Verlustrisiko, wenn der ADR-Kurs stark fällt.

Attraktive Derivate

Lukoil-Aktien sind in einigen in der Schweiz gehandelten Aktienbaskets vertreten. Goldman Sachs bietet eine hinsichtlich der Ausübungspreise und Laufzeiten gute Mischung von Calls auf den Lukoil-ADR an. Für die Umsetzung der von HSBC vorgeschlagenen Strategie eignen sich die Calls LKOBO und LKOBN am besten, die Ausübungspreise liegen bei 90 bzw. 80 Dollar. Die beiden Calls LKOBS und LKOBU haben die gleichen Strikes, aber sechs bzw. zwölf Monate längere Laufzeiten und eignen sich für etwas konservativere Anlageszenarien.

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