Wandelanleihen sind im Prinzip gewöhnliche Obligationen mit dem Extra einer Option: Der Anleger hat zusätzlich zu den Zinszahlungen das Recht, seine Option auszuüben und die Anleihe innerhalb der Laufzeit in eine festgelegte Anzahl Aktien zu tauschen. Diese Wandlung lohnt sich dann, wenn der Aktienkurs stark gestiegen ist und der Kurswert der bezogenen Aktien den Nominalwert der Wandelanleihe übertrifft.

Durch das Wandlungsrecht profitieren diese Papiere von steigenden Aktienkursen. «Auf der anderen Seite ist der Anleger aber geschützt, wenn der Kurs der Aktie fällt», erklärt Klaus Göggelmann, Experte für Wandelanleihen bei Fisch Asset Management. «Die Wandelanleihe verhält sich dann wie eine normale Obligation mit einer festen Verzinsung sowie Rückzahlung am Laufzeitende.» Für die Vorteile einer Wandelanleihe muss der Anleger allerdings eine etwas tiefere Verzinsung als bei vergleichbaren Obligationen in Kauf nehmen. Wer in Wandelobligationen investiert, muss zudem wissen, dass diese Papiere das Risiko eines Portefeuille erhöhen, wenn sie anstelle von Obligationen gehalten werden, und es verringern, wenn sie anstelle von Aktien gekauft werden. Mit einer Beimischung von Wandelanleihen können Investoren daher das Chance-Risiko-Verhältnis ihres Depots optimieren.Studien zeigen, dass die langfristige Rendite von Aktien und Wandelanleihen fast gleich hoch ist, wobei allerdings Wandelanleihen ein sehr viel tieferes Risiko haben. Bei einer Aufwärtsbewegung der Aktienkurse erreichen die Wandelanleihen etwa zwei Drittel der Aktienperformance. In Abwärtsphasen beschränken sich die Verluste aber auf nur etwa die Hälfte des Kursverfalls am Aktienmarkt.«Gerade jetzt, in diesem sehr schwierig einzuschätzenden Marktumfeld, bieten sich Wandelanleihen daher als Anlagemöglichkeit an», meint Klaus Göggelmann. «Die Gefahr einer Rezession kann man keineswegs ausschliessen, die Börsen könnten sich aber auch bald wieder erholen.» Angesichts einer solch unsicheren Entwicklung können die Anleger mit Wandelanleihen von einer positiven Entwicklungen profitieren, begrenzen aber ihr Abwärtsrisiko, falls die Börse weiterhin schwächelt.

Risikoprofil ändert sich

Rolf Biland vom Vermögenszentrum VZ sieht Wandelanleihen allerdings etwas kritischer. «Das Risikoprofil ein und derselben Wandelanleihe ist nicht immer gleich: Je näher der Aktienkurs dem Wandelpreis kommt, umso aktienähnlicher verhält sich der Wandler. Das macht eine Anlageentscheidung für den durchschnittlichen Anleger extrem schwierig.» Daher empfiehlt sich für die meisten Privatanleger der Kauf eines Fonds. Ein wichtiges Auswahlkriterium ist, welche Märkte der Fonds abdeckt und welche Risikostrategie er fährt. So weiss Rolf Biland: «Es gibt Fondsmanager, die je nach Marktsituation bewusst ein steigendes Risiko ihres Fonds in Kauf nehmen, während andere das Risiko aktiv kontrollieren. Das bedeutet, dass auch die Fondsauswahl keine einfache Sache ist.» Wer also beispielsweise auf Wandelanleihen von Schwellenländern setzt, hat grössere Renditechancen als bei auf Europa beschränkten Fonds, er trägt aber auch ein grösseres Risiko. Allerdings kann man nicht nur auf geografische Gesichtspunkte abstellen, ebenso wichtig ist etwa die Bonität der im Portefeuille befindlichen Unternehmen. Daher können selbst Fonds ganz unterschiedliche Charakteristiken haben, welche im selben Markt investieren. Rolf Biland meint: «Vor einer Anlageentscheidung sollte jeder Investor auf jeden Fall genau die Factsheets und Fondsprospekte studieren.» Auch Gebühren und Ausgabeaufschlag sollten in die Entscheidung einbezogen werden.

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Die Konditionen der UBS-Zwangsanleihe sind fair

Die Abschreibungen wegen der Hypothekenkrise haben der UBS sehr zugesetzt. So sehr, dass sie dringend neues Kapital aufnehmen muss. Das UBS-Management will dafür eine besondere Wandelanleihe ausgeben, die nicht am Kapitalmarkt platziert werden soll. Geplant ist die Ausgabe mittels Privatplatzierung, was der UBS erlaubt, die Wandelanleihe lediglich an zwei Investoren abzugeben. Dabei handelt es sich um den Staatsfonds GIC aus Singapur und einen nicht öffentlich bekannten arabischen Investor.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Wandelanleihen handelt es sich zudem bei dem Instrument der UBS um eine Zwangswandelanleihe mit einer Laufzeit von zwei Jahren. Das bedeutet, dass der Käufer kein Wahlrecht hat, ob er die Anleihe am Ende der Laufzeit in Aktien umtauscht, der Umtausch ist Pflicht. Dafür bekommen die Investoren einen hohen Coupon von 9%. Wandelanleihenexperte Klaus Göggelmann von Fisch Asset Management hält die Verzinsung der UBS-Wandelanleihe aber für fair: «Wir haben ausgerechnet, was es kosten müsste, wenn man eine solche Anleihe aus der Obligation und den entsprechenden Optionen nachkonstruieren will. Dabei sind wir auf etwa diese 9%ige Verzinsung gekommen.»Viele der bisherigen Aktionäre der UBS wollen sich aber in jedem Fall gegen die Pläne des Managements zur Wehr setzen. Denn bei einer Kapitalaufnahme über die Zwangswandelanleihe bleiben sie aussen vor und ihre Beteiligung wird verwässert. Wie gross die Verwässerung ist, hängt vom Referenzkurs ab, der an der ausserordentlichen Generalversammlung festgelegt werden soll. Dabei gilt, je tiefer der Kurs, desto grösser der Verwässerungseffekt. Das UBS-Management beziffert die Verwässerung auf 8,1 bis 11,6%. Eine halbwegs gute Nachricht können die Aktionäre allerdings aus den Plänen des UBS-Managements herauslesen. Die Wandelanleihe ist mit einem Mindestwandlungspreis von 51.48 Fr. ausgestattet. Dieser Kurs spiegelt die Erwartungen der Geschäftsleitung und Investoren wider, wo sich der Kurs in zwei Jahren mindestens befinden sollte.