Von der Zinssenkung der US-Notenbank profitierten die Aktienmärkte unmittelbar mit hohen Kursgewinnen. Für Derivateanleger ist wichtig, abzuschätzen, welche Branchen und Basiswerte auf mittlere Sicht besonders profitieren werden – und ob bereits jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist, sich entsprechend zu positionieren.

Laut den Analysten der Citibank, welche die Zinszyklen seit 1990 analysiert haben, profitieren drei Branchen besonders von Zinssenkungen: Konsumwerte stiegen sechs Monate nach dem ersten Zinsschritt um durchschnittlich 18,4%, Finanztitel um 17,8% und Industrieaktien um 15,7%. Zu den Konsumwerten zählen in den USA auch die Aktien der Häuserbauer, zu den Finanztiteln die Investmentbanken und Hypothekarinstitute wie das etwas in Schieflage geratene Unternehmen Countrywide. Die Finanztitel zogen letzte Woche bereits 4,5% an, einzelne Aktien wie die von Lehman, Goldman Sachs oder Citigroup mit 10, 7 und 5% noch einmal deutlich mehr.
Diese Bankaktien und damit auch viele Derivate liegen indes noch ein gutes Stück unter ihren Jahreshöchstwerten. Bei Lehman fehlen 25%, bei Goldman Sachs 14 und bei der Citigroup 15% bis zu den Höchstständen. Mit einem Minus von 5% liegen die Finanzwerte am hinteren Ende der Sektoren an der US-Börse. Ebenfalls erholen konnten sich die Aktien von Firmen, die Häuser bauen. Robert Toll, CEO des Unternehmens Toll Brothers, sagte an einer von der Credit Suisse veranstalteten Branchenkonferenz, dass der aktuelle Abschwung dramatischer ausgefallen sei als die Abkühlung während der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts.
Laut Analysten sind mit einer Zinssenkung die Probleme hier nicht vom Tisch – und eine Erholung dieser Aktien dürfte sich erst mittelfristig einstellen. Ebenfalls profitieren konnten Konsumaktien, obwohl Analysten durchgerechnet haben, dass die jüngste Zinssenkung die durchschnittliche monatliche Belastung pro Haushalt um gerade mal 20 Dollar reduziert. Und der Anstieg des Rohölpreises, etlicher Rohstoffe sowie der Minenaktien lässt sich gut mit der Erwartung eines weiteren Nachfrageüberhangs erklären.

Passende Discount-Zertifikate

An der SWX sind etliche Derivate gelistet, mit denen Anleger die Zinsdynamik in den USA spielen können. Wer auf den Gesamtmarkt setzt, ist mit Produkten auf den S&P-500-Index gut bedient. Für diese gross kapitalisierten Werte hat ABN Amro Mini Futures auf den Markt gebracht, Vontobel, Goldman Sachs, Merrill Lynch und die UBS bieten konventionelle Hebelprodukte an. Index-Tracker kommen unter anderem von der Deutschen Bank, Dresdner Bank, der Bank Leu, Julius Bär und der Credit Suisse. Discount-Zertifikate haben die Bank Vontobel und Goldman Sachs entwickelt und die bereits erwähnten Adressen sind auch mit Kapitalschutz-Produkten vertreten.
Eine Wette auf eine Erholung bei den US-Hausbauern sind die ABN-Amro-Scheine auf den S&P-Homebuilder-Index. Für die Entwicklung in einzelnen Sektoren eignen sich die von der Dresdner begebenen Tracker auf die DJ Titan-Branchenindizes. In diesen sind zwar auch nichtamerikanische Aktien enthalten, aber es dominieren in etlichen Sektoren die US-Werte ausreichend stark, dass damit Branchentendenzen ausgenutzt werden können.

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Attraktive US Small and Mid Caps

ABN hat einen Alpha-Index-Tracker entwickelt, mit dem eine gewisse Marktunabhängigkeit ausgenutzt werden kann – und der Kursentwicklung dieses Scheins (ALFUS) sind die Turbulenzen der letzten drei Monate nicht anzusehen. Weitere Branchenindex-Produkte sind in Deutschland erhältlich. Für Anleger ist es empfehlenswert, dass im Zweifelsfall ein bekannter, arrivierter Branchenindex als Basiswert verwendet wird und nicht ein massgeschneiderter, exotisch zusammengesetzter und schwer verfolgbarer Index als Basiswert herangezogen wird.
Für die kleineren Firmen sind in den USA die Russell 1000, 2000 und 3000 Indices das, was der S&P 500 Index für die grossen Firmen ist. In Deutschland sind etliche iShare-Index-Aktien für diese Indexfamilie erhältlich. Hierzulande hat lediglich Goldman Sachs einen Open-End-Tracker auf den Russell 2000 Index (RUTOP) emittiert, mit dem die Kursentwicklung der kleineren US-Werte ausgenutzt werden kann. Diese Firmen haben in der Regel eine andere Gewinn- und damit Kursdynamik als die grossen Blue Chips und die Performance seit Anfang 2003 liegt mit einem Plus von 110% deutlich über dem Anstieg von 65%, den die im S&P 500 vertretenen Aktien erzielt haben.