Wer heute über Index-Tracker, Kapitalschutzprodukte oder Hebelprodukte in die breiten europäischen Stoxx-, FTSE- oder andere Sektorenindizes inves-tiert, sollte sechs Kriterien für eine Entscheidung für oder gegen einen bestimmten Sektor im Auge behalten: Abhängigkeit von den Volkswirtschaften in den BRIC-Ländern (Brasilien,
Russland, Indien, China), Abhängigkeit von den US-Konsumenten, einen tiefen Fremdkapitalanteil der Unternehmen, einen hohen Anteil gross kapitalisierter Firmen in den Indizes, stabile Wachstumsaussichten für die jeweilige Branche und die Bewertung im Vergleich zum Gesamtmarkt.

Banken sind «pfui»

Werden diese Kriterien im Vorfeld der Ergebnissaison – die Mitte Oktober beginnen und bis Ende November dauern wird – auf die europäischen Sektoren angelegt, sind laut den Analysten von Goldman Sachs sechs Branchen derzeit zu meiden: Als erstes die Banken und Finanzdienstleister, die zwar in den europäischen Indizes alle Large Caps sind, aber deren Geschäftsgang direkt und indirekt zu eng mit den Konsumausgaben in den USA und in Grossbritannien verknüpft ist. Auch die Reise- und Freizeitbranche sowie die Retailer dürften von einer Konsumverweigerung betroffen sein, sollte sich diese einstellen. Zudem ist bei einigen Firmen dieser Branchen der Fremdkapitalanteil teilweise hoch. Und auch Chemiefirmen und Baukonzerne werden eine zyklische Wachstumsabschwächung zu spüren bekommen. Investoren, die in diesen Branchen grössere Positionen halten, sollten diese über Puts absichern oder diese Branchen untergewichten.
Empfehlenswert sind gemäss den Analysten von Goldman Sachs derzeit nur sieben Branchen: Rohstoffe, Öl- und Gasaktien, Autohersteller, Telekommunikations- und Technologiewerte, der Healthcare-Bereich sowie Versicherungen. Bis auf die Autohersteller und die Technologieaktien liegen die Bewertungen in einem attraktiven Rahmen und nur die Technologiefirmen sind den US-Konsumenten ausgesetzt.
Von der Konjunkturentwicklung in den BRIC-Staaten werden sich die Rohstoffe, Öl- und Gasaktien, Autohersteller und die Technologieaktien nicht abkoppeln können, in diesen sind indes die Wachstumsperspektiven weiterhin intakt. Für diese vier Branchen trifft auch das Kriterium «stabiles Wachstum» zu, und die europäischen Indizes enthalten nur die gross kapitalisierten Blue Chips.
Konservative Anleger werden sich an die entsprechenden Index-Zertifikate oder andere indexnahe Produkte halten, die Dresdner Bank und die HVB bieten entsprechende Produkte auf die EuroStoxx-Indexfamilie an, die UBS auf etliche von FTSE berechnete europaweite Indizes. Und obwohl die fundamentalen Aussichten für Telekomkonzerne günstig sind, raten die Ana-lysten von Goldman Sachs nicht zu einem Kauf, weil die OTC-Optionen auf diese Sektorindizes bereits teuer sind und kein Auslöser für höhere Kurse in Sicht ist.

Versicherer sind «hui»

Die Analysten von Goldman Sachs empfehlen vier Sektoren:
Erstens die Autohersteller. Hier dürften die Aktien von den Restrukturierungsbemühungen profitieren, die noch nicht in den Aktienkursen enthalten sind. Die implizite Volatilität ist zudem niedrig. Als Risiko ist hier der gegenüber dem Euro schwache Dollar zu nennen.
Zweitens erscheint der Energieindex als vielversprechend. Bis Jahresende könnte sich der Rohölpreis bei 85 Dollar eingependelt haben. Die Volatilität ist zwar höher als im langfristigen Durchschnitt, aber die Index-Volatilität liegt unter derjenigen der Einzelaktien.
Drittens ist der Versichererindex erwägenswert. Hier besteht fundamental betrachtet das grösste Aufwärtspotenzial, zudem sind die Aktien auf dem Hintergrund der hohen Sensitivität gegenüber dem Markt günstig, das heisst, bei einem Aufschwung dürften die Sektorzertifikate überdurchschnittlich zulegen. Und viertens dürfte die Ungewissheit im Bankensektor noch einige Zeit weiterbestehen, diese Werte und damit der Sektorindex dürften hinter dem des Gesamtmarktes zurückbleiben. Damit werden Outperformance-Produkte attraktiv, also beispielsweise Calls, welche die relativen Performancevorteile des Gesamtmarktes gegenüber dem Bankensektor nutzen.

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