Das Risiko-Ertrags-Verhältnis bei Währungspaaren, bei denen der Yen beteiligt war, hat sich grundlegend verschoben. Die Carry Trades hatten die Volatilität sehr tief gedrückt und allein ein Anstieg dieser Volatilität verringert die Attraktivität von volatilitätsadjustierten Zinsen und Zinsgefällen. Zudem verengt sich auch der Abstand zwischen den Zinsen in unterschiedlichen Währungen und weil sich Zinsexperten weitgehend einig sind, dass die Bank of Japan in diesem Jahr die Zinsen nochmals anhebt, die US-Notenbank aber genau das Gegenteil tun könnte, dürften sich die Differenzen weiter verringern.

Volatilität ist deutlich gestiegen

Schliesslich entwickelt eine bestimmte Form strukturierter Produkte eine gewisse Eigendynamik. Die «Power Reverse Dual Currency Notes» (PRDC) sind oft so ausgestaltet, dass der erste Coupon optisch hoch ausfällt und erst ab dem zweiten Jahr Zinsen in Abhängigkeit von der Währungskursentwicklung gezahlt werden. Je schwächer der Yen, desto höher der Coupon. Oft haben diese Produkte Barrieren, mit denen verhindert wird, dass der Coupon negativ wird und der Emittent hat meistens ein Kündigungsrecht, wenn die Wechselkurse über eine bestimmte Marke steigen. Damit reduziert sich auch die Laufzeit dieser Produkte, die oft für 20 bis 30 Jahre vorgesehen war. Solange der Yen gegenüber dem Dollar fiel, lag der Coupon hoch. Jetzt fallen die Couponzahlungen bei Kursen von 110 Yen für einen Dollar gegen Null. Gegenwärtig liegt der Wechselkurs bei 115, vor zwei Monaten bekamen Amerikaner noch 124 Yen für den Dollar.
Für Derivateanleger, die mit Währungsderivaten das Paar Franken-Yen oder Euro-Yen spielen, sind die Auswirkungen viel weniger gravierend als für alle anderen Kombinationen, die einerseits den US-Dollar, andererseits eine der ehemals beliebten Hochzinswährungen einschliessen. Gegenwärtig deuten alle Zeichen auf eine weitere Auflösung von Währungspositionen hin: Die Volatilität an den Devisenmärkten ist deutlich gestiegen, Zentralbanken drehen an der Zinsschraube und auch bei den grossen Liquiditätsversorgern China, Mittlerer Osten und Russland machen sich Veränderungen bemerkbar. China beispielsweise hatte am 21. August die Zinsen angehoben.

Dollar wird weiter fallen

Daher, so folgern die Währungsanalysten von Merrill Lynch, sind einige Währungen gegenüber anderen überbewertet und deshalb sind weitere Anpassungen infolge der Auflösung von Carry Trades unvermeidlich. Der Dollar dürfte laut Währungsanalysten gegenüber dem Yen, dem Euro und dem Franken weiter fallen. Derivateanleger können sich mit entsprechenden Calls (auf eine Yen-Verteuerung) oder Puts (auf einen weiteren Dollar-Rückgang) positionieren.

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