Mit dem neuen Regulierungswerk Basel III soll die Sicherheit der Banken weltweit gestärkt werden. Werden die neuen Anforderungen tatsächlich umgesetzt, bringen sie aber auch happige Probleme mit sich. Eine mögliche Gefahrenquelle sind dabei die vielen Kreditderivate, die immer noch in den Bilanzen schlummern.

Im Speziellen geht es dabei um die sogenannten Credit Default Swaps CDS (siehe Kasten). Mit solchen Papieren «versichern» sich Investoren gegen die Insolvenz eines Schuldners oder den Ausfall von Coupons und verkaufen diesen Schutz auch weiter.

Einsatz steigt ums 100-Fache

Nun fordern jedoch die Regulierungsorgane von den Banken, dass sie den verkauften Kreditschutz zum vollen Nennwert, das heisst, zu dem Wert, der bei einem tatsächlichen Ausfall des Kredits fällig wäre, in den Bilanzen aufzuführen haben. Bisher wurden diese nur zum Marktwert, also zwischen 1 und 3%, in den Bilanzen ausgewiesen und dementsprechend mit Eigenkapital unterlegt.

Was in der Theorie vernünftig klingt, führt in der Praxis jedoch zu gewaltigen Schwierigkeiten. Denn die Summen, um die es bei einer Zahlung des vollen Ausfallschadens ginge, sind riesig dies, weil mit einem kleinen bilanzierten Einsatz ein bis knapp 100-faches, nicht durch Eigenkapital gedecktes Auszahlrisiko besteht.

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Die UBS etwa hatte laut den Analysten der Credit Suisse per Sommer 2009 verkauften Kreditschutz im Nennwert von 1456 Mrd Fr., entsprechend 91% der Bilanzsumme, ausstehend. Barclays und RBS liegen mit 71% und 67% der Bilanzsummen nicht weit zurück. Spitzenreiter ist die Deutsche Bank, bei der die Summe des verkauften Kreditschutzes 128% der Bilanzsumme bzw. 2224 Mrd Euro ausmacht. Es ist schwierig, das Verlustpotenzial aus diesen Derivaten abzuschätzen, auch weil die langen Zeitreihen fehlen und sich die Modellannahmen in den letzten zwei Jahren oft als ungenügend erwiesen hatten.

AIG und Swiss Re: Nur Peanuts

Wenn man aber die Erfahrungen der letzten Wirtschaftszyklen als Vergleichsbasis heran zieht, dann platzen laut einer Studie von JP Morgan - je nach Dauer und Schärfe der Rezession - zwischen 1 und 5% aller Kredite. Bei verkauftem Kreditschutz im Umfang von 1000 Mrd Fr. würde das Zahlungsverpflichtungen zwischen 10 und 50 Mrd Fr. auslösen.

Die jüngere Vergangenheit liefert zwei Anhaltspunkte: Swiss Re geriet unter starken Druck aufgrund von zwei fälligen Kreditversicherungen, die weniger als 1% der Bilanzsumme ausmachten. Und AIG musste verstaatlicht werden, weil 4% der Bilanzsumme infolge von verkauftem Versicherungsschutz sehr rasch fällig wurden.

Bisher ist der verkaufte Versicherungsschutz nur zu Marktpreisen und damit Promillewerten der Nominalwerte bilanziert und entsprechend viel zu schwach mit Kapital unterlegt. Gut kapitalisierte Banken wie die Credit Suisse und die UBS haben Eigenkapital von 30 bis 40 Mrd Fr. in den Büchern. Aber die genügen knapp für den sichtbaren, in der Bilanz ausgewiesenen Teil des Geschäfts. «Der Einschluss dieser Kreditderivate würde die Bilanzen der meisten Universalbanken, die in diesem Markt aktiv sind, deutlich verlängern, vor allem, wenn hier kein Netting zugelassen werden sollte», kommentieren die Analysten der Credit Suisse. Und auch die bisher verwendeten Kernkapitalwerte wären obsolet. «Unsere Simulation zeigt, dass bei der UBS das Kernkapitalverhältnis auf 4,6% von 11,5% fallen würde und der Leverage auf unter 1% liegen würde», kommentieren die Exane-Analysten. Ähnlich wären die Werte bei der Credit Suisse und der Deutschen Bank.

Dividenden in Gefahr?

Ab Anfang 2011 sollen die neuen Regelungen gelten. Die 15%-Eigenkapital-Quote bei der UBS schrumpft bei einer Berücksichtigung der verkauften Kreditversicherungen auf 4,6%. Credit Suisse und Deutsche Bank stehen mit rund 5% auch nicht besser da. Nur schon um hier den minimal erforderlichen Puffer für schlechte Zeiten aufzubauen, müsste die Bank laut Analysten bis zu 25 Mrd Fr. auftreiben. Bei Morgan Stanley erwartet man deshalb drastische Einschnitte bei den Dividenden für die kommenden Jahre.