Laut dem jüngsten Bericht des Schweizerischen Verbandes für Strukturierte Produkte (SVSP) wächst der Markt für strukturierte Produkte rasant: Zwischen April 2006 und März 2007 ist er um 41% auf 329 Mrd Fr. gewachsen. Gegenüber dem Jahresdurchschnitt 2006 entspricht das einem Zuwachs von 33%. Der Verband rechnet auch für die nächsten zwei bis drei Jahre mit jährlichen Wachstumsraten von über 20%.

Strukturierte Produkte haben damit einen wertmässigen Anteil von über 6% erreicht. Das Wachstum bei strukturierten Produkten kontrastiert mit einem leichten Rückgang des hinsichtlich des Anlagevolumens verschwindend kleinen Anteils der übrigen Wertschriften und einer Stagnation bei Obligationen. Anlagefonds wuchsen um 18%; das Wachstum bei strukturierten Produkten geht also nicht auf Kosten dieser Anlageform.


Anteil steigt auf 10 Prozent

Der Aktienanteil eines Durchschnittsportefeuilles stieg in den letzten zwölf Monaten um 10%. Anders liegen die Verhältnisse, wenn man auf die absoluten Anteile der Wertschriftenbestände in den Kundendepots von Banken abstellt. Aktien bilden mit einem Anteil von 38% weiterhin die wichtigste Anlageklasse, gefolgt von Anlagefonds mit knapp 30%, Obligationen mit 24% und strukturierten Produkten mit 6,5%. Der SVSP erwartet einen Anstieg des Anteils von strukturierten Produkten auf 10% in den nächsten fünf Jahren.

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Der letztjährige Umsatz an der SWX mit strukturierten Produkten lag bei 48 Mrd Fr. und damit gut 50% höher als noch 2005. Per Ende April 2007 wurde mit 26 Mrd Fr. bereits mehr als die Hälfte des Umsatzes des gesamten letzten Jahres erreicht, es zeichnet sich damit für das laufende Jahr wieder ein Anstieg des börsennotierten Umsatzes im mittleren zweistelligen Prozentbereich ab.

Aber auch wenn 70 Mrd Fr. erreicht werden sollten, würden die Umsätze hinter den Rekordwerten der ersten Boomphase zwischen 1998 und 2000 zurückliegen. Damals entfiel der Umsatz auf 1100 bis 2700 Produkte; der vorläufige Höhepunkt war mit 5000 Produkten 2001 erreicht worden. Erst 2005 wurden wieder mehr Produkte gelistet, und seit Jahresanfang pendelt die Anzahl der an der SWX gelisteten Produkte zwischen 12800 und 14800. Verdoppelt hat sich die Anzahl der Kapitalschutzprodukte gegenüber dem Vorjahr, die Anzahl von Partizipations- und Renditeoptimierungsprodukten vergrösserte sich um je rund 50%. Bei den Hebelprodukten lag der Zuwachs bei einem Drittel. Der SVSP führt diesen Zuwachs auf zwei Faktoren zurück. Einerseits war das gute Börsenumfeld ein positiver Faktor, andererseits sind ausländische Emittenten verstärkt in den schweizerischen Markt vorgestossen.

Neben den beiden etablierten Anbietern Vontobel und ZKB hat sich die Deutsche Bank nach der Abwerbung eines Handelsteams von der Konkurrenz als klare dritte Kraft etabliert. ABN Amro und Goldman Sachs zählen zu den weiteren Anbietern, wobei das US-Institut einen gleichförmigeren Umsatzverlauf über die vergangenen zwölf Monate aufweist als der niederländische Konkurrent. Weil aber ein bedeutender Teil der strukturierten Produkte ausserbörslich gehandelt wird, sind die durch die SWX erfassten Daten laut SVSP nicht repräsentativ.


Kapitalschutz hat es schwer

Die Aufteilung in die einzelnen Produktegruppen widerspiegelt die durchzogene Börsenentwicklung im laufenden Jahr. Kapitalschutzprodukte, auf die weniger als 4% des Umsatzes mit Derivaten an der SWX entfallen, haben Ende April bereits den Vorjahresumsatz übertroffen.

Partizipationsprodukte und Rendite-Optimierungsprodukte müssen noch Boden gutmachen, um die Vorjahresumsätze zu erreichen; beide Produktegruppen bieten – aus der Sicht von Anlegern – in unsicheren Börsenzeiten nicht den Schutz, der verlangt wird, oder der Renditevorteil schwindet im Vergleich zu festverzinslichen konventionellen Wertpapieren. Keinesfalls zusammengebrochen ist trotz dem Auf und Ab bei Aktien der Umsatz mit Hebelprodukten. Zu diesen zählen nicht nur Calls für optimistische Anleger, sondern auch Puts für Absicherungsgeschäfte oder Wetten auf tiefere Kurse.

Strukturierte Produkte sind keinesfalls ein Thema nur für Privatkunden. 51% liegen in den Depots von institutionellen Investoren, knapp 40% bei Privatkunden, und die restlichen 9% werden von kommerziellen Kunden gehalten. Weil Vermögensverwalter oft die Anlageentscheide für Privatanleger treffen, schätzt der SVSP, dass die Hälfte der strukturierten Produkte, die von Privatanlegern gehalten werden, über Vermögensverwalter platziert wird.